Der Schweiz droht ein Blackout

«Das Schweizer Stromnetz ist am Limit» – die Netzgesellschaft Swissgrid zeigt sich besorgt bezüglich der gegenwärtigen Stromversorgung. In der aktuellen Kältewelle erst recht. Eine Notmassnahme ist bereits eingeleitet.

Not macht erfinderisch: Verkaufen bei Kerzenlicht in einer Zürcher Apotheke nach dem Stromausfall am 26. Januar.

Not macht erfinderisch: Verkaufen bei Kerzenlicht in einer Zürcher Apotheke nach dem Stromausfall am 26. Januar. Bild: Keystone

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Am letzten Freitag kam es in den Toggenburger Gemeinden Bütschwil und Ganterschwil zu einem Stromausfall. Die Bise hatte einen Defekt an einer 20'000-Volt-Freileitung ausgelöst, was zum Kurzschluss führte.

Zeitgleich fiel der Sender Säntis aus, über den auch Radio- und Fernsehprogramme der SRG verbreitet werden. Wie SRG-Sprecher Daniel Steiner gegenüber der SDA mitteilte, war bereits vor einigen Tagen ein Hochspannungsmast unter der Schneelast zusammengebrochen. Seither läuft der Sender Säntis mit Notstrom.

Beschränkter Aktionsradius

Diese kleineren Vorkommnisse zeigen exemplarisch, was zurzeit durch die Rekordkälte für die ganze Schweiz gilt: Eine Verschärfung des Blackout-Risikos. Pierre-Alain Graf, Chef der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, warnt gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Unser Aktionsradius ist wegen der Kältewelle eingeschränkt.» Nun dürfe nichts Zusätzliches mehr passieren. Eine weitere technische Panne oder ein Eisregen könnten nun die Leitungen zum Reissen bringen, warnt Graf.

Das Schweizer Stromnetz sei bereits während zweier Monate im Jahr überlastet. Gemäss Swissgrid wurden zwar mit Nachbarländern Verträge abgeschlossen, die das Vorgehen im Krisenfall regeln sollten. Doch weil Deutschland im letzten Jahr diverse Atomkraftwerke abstellen liess, bestehe nun ein Engpass. «Das Schweizer Stromnetz ist am Limit», sagt Graf. Kommt dazu, dass die Koordination durch die zunehmende, aber nicht planbare Produktion von Wind- und Sonnenkraftwerke, erschwert wurde.

Strom kappen bei Engpass

Wie die «NZZ am Sonntag» aus «verlässlichen Quellen» erfahren hat, plane die Swissgrid mit Grossverbrauchern Verträge abzuschliessen. Diese sollen die Netzgesellschaft dazu ermächtigen, grossen Industriebetrieben im Ernstfall den Strom zu kappen. Im Gegenzug sollen die Betriebe eine Entschädigung erhalten.

Damit die Schweiz auch längerfristig Blackouts verhindern kann, sei es wichtig, dass in der Schweiz der Stromausbau vorangetrieben werde, so Graf.

(mrs)

Erstellt: 05.02.2012, 23:17 Uhr

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