Der Schweiz droht ein Rockerkonflikt

«Ernst zu nehmendes Konfliktpotenzial»: Fedpol warnt vor Spannungen zwischen Türken und Kurden.

Grössere Konfrontationen blieben in der Schweiz bisher aus: Polizisten überwachen eine Demonstration in Zürich. (23. Juli 2016)

Grössere Konfrontationen blieben in der Schweiz bisher aus: Polizisten überwachen eine Demonstration in Zürich. (23. Juli 2016) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Krise in der Türkei führt auch in der Schweiz zu Streite­reien zwischen Türken und Kurden. Jetzt drohen sich die Spannungen laut der «SonntagsZeitung» in Gewalttaten zweier rivalisierender Gangs aus dem Rockermilieu zu entladen.

Auf der einen Seite: Die Osmanen Germania. Sie sind die am schnellsten wachsende Rockergruppierung Europas, ihre Anhänger treue Fans des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Nationalistische Türken mit direkten Verbindungen in den Machtapparat von Ankara.

Ihre Gegner: Die Strassengang Bahoz, kurdisch für Sturm. Sie sieht sich als antifaschistische Kampftruppe und droht den Schweizer Osmanen auf Facebook: «Wir erwischen euch alle, jeden einzelnen von euch!» Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) registrierte in den letzten Monaten erste Auseinandersetzungen und warnt vor einem «ernst zu nehmendem Konfliktpotenzial».

Mehrere hundert Schweizer Anhänger

Die Anhängerschaft der Gruppen wächst schnell. Die Zürcher Ableger haben auf Facebook jeweils mehrere Tausend Fans, die Osmanen sind mittlerweile in den Städten Zürich, Basel, St. Gallen und Schaffhausen aktiv. Gesamthaft dürften sowohl die Erdogan-Rocker als auch die kurdischen Bahoz mehrere hundert Schweizer Anhänger haben.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo erst vor wenigen Tagen 1500 Polizisten in einer Grossrazzia Häuser und Lokale der Osmanen durchsucht haben und wo es bereits zu Anschlägen und Schiessereien kam, blieben grössere Konfrontationen hierzulande bisher aus.

Sorge bei Fedpol

Das Fedpol beobachtet die ­Szene aber mit Sorge. Sprecherin ­Anne-Florence Débois sagt zur «SonntagsZeitung»: «Uns sind mehrere Vorfälle in der Schweiz bekannt, in die beide Gruppen verwickelt waren.» Dabei handle es sich vor allem um Gewaltdelikte und Sachbeschädigungen. Auf Facebook bedrohen sich die Rocker seit Längerem gegenseitig. Die Kurden nennen die Osmanen «Faschistische Welpengruppe» und schreiben: «Wir machen euch dem Erdboden gleich.» (foa)

Erstellt: 20.11.2016, 08:43 Uhr

Artikel zum Thema

Sieben Festnahmen bei Razzia gegen Rockergruppe

In sechs deutschen Bundesländern hat die Polizei Räumlichkeiten der türkisch-nationalistischen «Osmanen Germania» durchsucht. Mehr als Tausend Beamte suchten nach Waffen, Drogen und anderen Beweismitteln. Mehr...

1200 Menschen bei Beerdigung von Hells-Angels-Chef

Video Mit mindestens 16 Schüssen wurde Aygün Mucuk niedergestreckt. Die Trauerfeier ist ohne Zwischenfälle verlaufen. Mehr...

Die Schutzengel wachen nun in der Schweiz

In Genf wollen die Guardian Angels für mehr Sicherheit sorgen. Die Bürgerwehr aus den USA hat eine blutige Vergangenheit. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Reif für die Insel: Die philippinische Insel Boracay ist wieder für Touristen geöffnet. Sie war wegen Umweltprobleme geschlossen worden. Viele Hotels und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang ins Meer geleitet haben. Hier ist die vulkanische Formation Williy's Rock auf der Insel zu sehen. (16. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Mark R. Cristino) Mehr...