Der St. Galler Fussballtraum ist geplatzt

Das Parlament der Stadt St. Gallen lehnt eine 2-Millionen-Spritze für die maroden Gesellschaften des AFG-Stadions ab. Das dürfte das Aus für das gesamte Sanierungspaket von 16 Millionen Franken sein.

Das AFG-Stadion: Schon bald eine Investitionsruine?

Das AFG-Stadion: Schon bald eine Investitionsruine? Bild: Keystone

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Es ist das erste und wohl alles entscheidende Verdikt über die Zukunft des St. Galler Fussballstadions und dessen Club. 2 Millionen Franken sollte das Stadtparlament für die Sanierung der maroden Gesellschaften des AFG-Stadions bewilligen. Den Politikern war klar: Wenn die Stadt ihren Anteil verweigert, scheitert das ganze Rettungspaket.

Mit 13 Millionen Franken ist das Stadion, das den ältesten Fussballclub der Schweiz beherbergt, verschuldet. Mit insgesamt 16 Millionen Franken sollte die vor zwei Jahren eröffnete Spielstätte vor dem Pleitegeier bewahrt werden. Zum städtischen Beitrag kämen 4?Millionen des Kantons hinzu. Gleichzeitig würden die Banken auf Forderungen von 5 Millionen verzichten. Weitere 5 Millionen sollten private Investoren beisteuern. Die Krux dabei: Macht einer der vier Partner nicht mit, ist das gesamte Paket hinfällig. So steht es im Sanierungskonzept, über welches das Stadtparlament gestern emotional debattierte.

Gewaltiger Imageverlust

Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) legte sich nochmals ins Zeug. Eindringlich warnte er vor den Folgen eines Neins: Die drei Stadiongesellschaften würden Konkurs gehen, der FC St. Gallen müsste in die Amateurliga absteigen, das Stadion verkäme zur Investitionsruine, die ganze Ostschweiz erlitte einen gewaltigen Imageverlust. Und nicht zuletzt nähme man eine «riesige Enttäuschung» all jener Fussballfans in Kauf, die sich mit dem Club identifizierten.

Es nützte alles nichts. Drei Viertel des Parlaments (SP, GP, SVP und Teile der FDP) machten die gleiche Rechnung wie inzwischen die meisten Fans: Einmal müsse Schluss sein mit der Misswirtschaft der Stadionbetreiber. Anstatt den Verantwortlichen weitere Steuergelder nachzuschiessen, müssten Köpfe rollen, meinte die Mehrheit. Nach wie vor gebe es keine Transparenz, wo all die Gelder versickert seien. Wohl in den luxuriösen VIP-Logen und den überzogenen Managergehältern. Alle Redner betonten aber, dass dies kein Nein gegen den Fussball und schon gar nicht gegen den FC St. Gallen sei.

Es droht der Zwangsabstieg

Am heftigsten schoss die Linke. Sie hatte 2002 vergeblich gegen ein staatliches Engagement beim privaten Stadionprojekt opponiert. Stadt und Kanton schenkten damals den Initianten eine Baulandparzelle, die diese für 42?Millionen an die Mantelnutzer (Jelmoli und Ikea) weiterverkaufen konnten. Am Ende kostete die AFG-Arena jedoch 12 Millionen mehr als geplant. «Es ist nicht Aufgabe des Staates, Spekulationsfehler von Privaten zu finanzieren», sagte eine SP-Parlamentarierin.

Einzig die CVP versuchte es mit einer Gnadenfrist. Sie schlug vor, dem Kredit taktisch zuzustimmen – und die Vorlage dann zwingend vors Volk zu bringen. Das Ansinnen blieb ohne Chance. Damit drücke sich das Parlament vor der Verantwortung, befand die Mehrheit, und wecke falsche Hoffnungen: Denn eine Abstimmung wäre frühestens im Mai möglich, der Schweizerische Fussballverband vergibt seine Lizenzen aber bereits im Februar. Bis dann wäre der FC SG jedoch bankrott – und der Zwangsabstieg in die 1. Liga besiegelt.

Zwei Varianten möglich

Wie es jetzt weitergehen soll, steht in den Sternen. Klar ist einzig, dass trotz des Neins des Stadtparlaments Ende November das Kantonsparlament über die Vorlage beraten muss. Laut Markus Straub (SVP), dem Präsidenten der kantonsrätlichen Finanzkommission, gibt es zwei Varianten: Entweder beschliesst das Parlament Nichteintreten und versenkt damit das Rettungspaket definitiv. Oder aber es ändert die Vorlage ab und erhöht den eigenen Kreditanteil. Das ist allerdings höchst unwahrscheinlich.

Hoffen auf einen Plan B

Darum wäre es denkbar, dass die Kantonsregierung die Vorlage nach dem Nein des Stadtparlaments selber zurückzieht. Davon scheint der zuständige Baudirektor Willi Haag (FDP) aber nichts wissen zu wollen. Das Sanierungspaket sei der «günstigste Weg», sagte er kürzlich dem «St. Galler Tagblatt»: «Wenn die Sache den Bach hinuntergeht, gehen auch alle Verträge flöten, die Folgekosten sind immens. Es bräuchte Jahre, bis der FC SG wieder aus dem Loch wäre.»

Alles weitere blieb gestern Spekulation. Gemunkelt wird in St. Gallen von einem Plan B, mit dem finanzkräftige Sponsoren das Stadion im letzten Moment vor dem Untergang retten würden. Oder aber die Stadt stellt für den Stadionbetrieb eine Auffanggesellschaft auf die Beine. Darüber müsse man sich zumindest Gedanken machen, sagt Stadtpräsident Scheitlin. Und warnt zugleich: «Das könnte sehr teuer werden, zumal nach dem Konkurs die Sponsoren höchstens noch den Sportclub finanzieren.»

Erstellt: 26.10.2010, 23:01 Uhr

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