«Der Unfall wird keine politischen Konsequenzen haben»

Nach dem Naturdrama bei den Engadiner Kraftwerken äussert sich der Bündner Energiedirektor Mario Cavigelli zu den Hintergründen des massiven Fischsterbens.

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Der Bündner Energiedirektor Mario Cavigelli glaubt nicht, dass der Unfall bei den Engadiner Kraftwerken (EKW) mit Tausenden toter Fische die Diskussion über die Wasserkraft entscheidend beeinflussen wird. Das sagte er in einem Interview.

«Ich glaube nicht, dass dieser Unfall bleibende Konsequenzen in der politischen Diskussion haben wird», sagte Regierungsrat Cavigelli in einem Interview, das am Dienstag in der «Südostschweiz» publiziert wurde. Auch werde das Vorkommnis am Livigno-Stausee, bei dem der Spöl-Bach auf sechs Kilometern mit Schlamm zugedeckt wurde, das Grundverständnis im Umgang mit der Wasserkraft kaum verändern.

In der Einschätzung Cavigellis ist die Wasserkraft «nach wie vor die umweltfreundlichste Art, um Strom produzieren zu können». Mit der Wasserkraft «lässt sich der Schutz von Mensch und Natur am besten kontrollieren», sagte er.

Absenkung von Stauseen überprüfen

Beim Naturdrama im Nationalpark müssen laut dem Bündner Regierungsrat vor allem Lehren gezogen werden für die Absenkung von Stauseen. Soweit er informiert sei, stehe der Unfall nicht in direktem Zusammenhang mit den Restwassermengen im Bach Spöl.

Es stelle sich in diesem Fall eher die Frage, ob die technischen Anlagen für die Restwasserdosierung bei den EKW richtig funktioniert hätten. Dazu gelte es, die eingeleiteten Untersuchungen abzuwarten.

Für Cavigelli hängt eine allfällige Verschärfung der Vorschriften im Umgang mit der Absenkung von Stauseen von der Ursache des Unfalls im Nationalpark ab: «Wenn sich herausstellt, dass es sich um ein technisches Problem gehandelt hat, müssen die Dotieranlagen des Kraftwerks verbessert werden».

Zwei Ereignisse - Tausende toter Fische

Sollte laut Cavigelli aber eine Schwäche beim System zur Absenkung des des Wasserspiegels zu Tage treten, dann müssten die Vorschriften zum Schutz der Umwelt angepasst werden.

Am Wochenende waren durch die Panne im Stausee Lago di Livigno im Nationalpark Tausende von Fischen verendet. Die Restwasserversorgung im Bach Spöl hatte nicht mehr funktioniert; es floss kein Wasser mehr. Danach wurde der Grundablass in der Staumauer geöffnet, worauf der Spöl-Bach mit Schlamm überschwemmt wurde.

In einem zweiten Vorkommnis verendeten Tausende von Saiblingen. Die Fische waren bei Punt dal Gall in das Triebwassersystem und in die Turbinen des Kraftwerks geraten. (kle/sda)

Erstellt: 02.04.2013, 11:59 Uhr

Glaubt an die Wasserkraft: Der Bündner Energiedirektor Mario Cavigelli. (20. Februar 2013) (Bild: Keystone )

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