Der Vielflieger der Nation

Wirtschaftsminister Schneider-Ammann verbringt fast acht Tage pro Jahr auf Reisen im Jet – weit mehr als alle anderen Bundesräte.

Nach einem Besuch in Israel Ende Oktober 2017: Johann Schneider-Ammann steigt in den Bundesratsjet.

Nach einem Besuch in Israel Ende Oktober 2017: Johann Schneider-Ammann steigt in den Bundesratsjet. Bild: Keystone

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Die Schweizer Bundesrätinnen und Bundesräte geniessen enorme Privilegien: Sie verdienen gut 445’000 Franken im Jahr, bekommen unter anderem einen Chauffeur samt Limousine, zusätzlich ein persönliches Dienstfahrzeug, ein Generalabonnement der 1. Klasse und eine Repräsentationspauschale, mit der sie Anzüge kaufen oder den Coiffeur bezahlen können. Bei der Swiss geniessen sie VIP-Status und werden beim Check-in bevorzugt behandelt.

Wenn es aber rasch gehen muss oder eine lange und umständliche Reise ins Ausland bevorsteht, greifen die Bundesräte gerne auf die hauseigene Flotte zurück, den Lufttransportdienst des Bundes (LTDB). Im vergangenen Jahr nahmen sie die Flugzeuge und Helikopter des LTDB für insgesamt 623 Stunden in Anspruch, wie das Verteidigungsdepartement mitteilt.

Fast ein Drittel dieser Zeit geht auf Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann zurück. Mit gut 190 Stunden flog er von allen sieben Mitgliedern der Landesregierung mit Abstand am meisten.

Hinter Schneider-Ammann kam 2017 Bundespräsidentin und Umweltministerin Doris Leuthard auf insgesamt 118 Stunden in der Luft. Auf Innenminister Alain Berset entfielen 59 Flugstunden. Finanzminister Ueli Maurer und Justizministerin Simonetta Sommaruga waren am kürzesten unterwegs.

Die Schweizer Regierung kann auf fünf unterschiedliche Flugzeuge, eine PC-6 Porter Turbo und drei verschiedene Helikopter zurückgreifen. Bei Schneider-Ammann war besonders der Bundesratsjet Falcon 900 EX beliebt, in dem er 128 Stunden verbrachte. Weitere 5 Stunden flog er mit der Citation Excel. Auch mit dem Helikopter war der Wirtschaftsminister oft unterwegs, insgesamt 57 Stunden – am meisten mit dem Eurocopter, gefolgt vom Cougar und dem Super Puma.

Schon im Jahr zuvor hatte der damalige Bundespräsident Schneider-Ammann im Vergleich zu seinen Regierungskollegen am meisten Zeit in der Luft verbracht. Weil die repräsentativen Aufgaben im Ausland im vergangenen Jahr abnahmen, verkürzten sich seine Flugstunden von 226 auf 190.

Auch insgesamt flog der LTDB weniger als in den vergangenen Jahren. 2017 resultierten 824 Stunden, 2016 waren es noch 899 Stunden gewesen, 2015 sogar 1070. Und das ist nicht ganz billig: 2016 beliefen sich die Kosten auf 7,5 Millionen Franken.

Die Aufwände des LTDB könnten nicht mit den Kosten eines Linienfluges verglichen werden, schrieb das Verteidigungsdepartement. Gegenüber diesen hätten Transporte mit der Bundesflotte unter anderem den Vorteil, dass sie kurzfristig verfügbar und für Einsätze in Krisengebieten buchbar seien. Bei diplomatischen Reisen böten sie zudem die nötige Diskretion.

Der LTDB transportiert nicht nur den Bundesrat. Auch Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die Bundesgerichte, die Schweizer Armee und die Verwaltung können Flüge buchen. 2017 entfiel knapp ein Viertel der 824 Stunden auf die Departemente. Hier liegt das Verteidigungsdepartement einsam an der Spitze, gefolgt vom Aussendepartement.

*mit Material der SDA (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2018, 19:05 Uhr

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