Der doppelt desavouierte Fraktionschef

Top-Sozialdemokrat Roger Nordmann wird zum bereits zweiten Mal von den eigenen Leuten abgestraft.

Bittere Niederlage in der Partei: Roger Nordmann bei der Abstimmung in Moudon. (27. April 2019) Bild: Keystone

Bittere Niederlage in der Partei: Roger Nordmann bei der Abstimmung in Moudon. (27. April 2019) Bild: Keystone

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Er gilt als einer der einflussreichsten Taktiker in Bundesbern, doch vor der heimischen Basis hat ihm das nichts genützt: Roger Nordmann ist mit seinen Ambitionen, vom Nationalrat in den Ständerat aufzusteigen, bei der Waadtländer SP abgeblitzt. Die kantonalen Delegierten gaben am Wochenende mit 166 zu 159 Stimmen Nordmanns Konkurrentin Ada Marra den Vorzug. Sie wird im Herbst den Sitz der abtretenden SP-Ständerätin Géraldine Savary für die Partei zu verteidigen versuchen.

Nordmann, Chef der SP-Fraktion im Bundeshaus, ist damit schon zum zweiten Mal in dieser Legislatur parteiintern abgestraft worden. Im Winter 2015 musste Nordmann auf Beschluss seiner Fraktion die bedeutsame Verkehrs- und Fernmeldekommission (KVF) verlassen. Der Solothurner Nationalrat Philipp Hadorn hatte sich in einer Kampfkandidatur um Nordmanns KVF-Sitz beworben – und zur allgemeinen Verblüffung siegte er. Nordmann war nur wenige Tage vorher zum Fraktionschef gewählt worden.

Den Rauswurf aus der Verkehrskommission erklärten Insider damals mit einer wenig sensiblen Personalpolitik Nordmanns. Die SP hatte aufgrund der verlorenen Wahlen Kommissionssitze abgeben müssen – und der neu gewählte Fraktionschef ging bei der Entmachtung bestimmter Mitglieder schnell und unzimperlich ans Werk. Seine Niederlage gegen Hadorn wurde auch als Quittung hierfür betrachtet.

Nachteil Mann

Die Niederlage gegen Marra am Samstag ist demgegenüber eher auf politische und milieutechnische Faktoren zurückzuführen. Als weibliche Bewerbung hatte Marra in der gleichstellungsfreundlichen SP einen Startvorteil. Und im Unterschied zum Juristenspross Nordmann entstammt sie der Arbeiterschicht. Überdies mutmassen Beobachter, dass die linke Nationalrätin den politischen Präferenzen der Delegierten stärker entsprochen haben dürfte als der eingemittete Nordmann. Dass sich Regierungsrat Pierre-Yves Maillard, mächtigster Strippenzieher der Waadtländer SP, offen für Marra aussprach, hat Nordmann ebenfalls kaum geholfen.

Umstände und Ursachen der beiden Abfuhren für den Top-Sozialdemokraten sind verschieden – die Tatsache der wiederholten Desavouierung durch die eigenen Leute bleibt bestehen. Ob ihn dies nicht frustriere? Nordmann will die Angelegenheit nicht kommentieren. Er betont aber, dass er als Fraktionschef weitermachen werde.

Erstellt: 29.04.2019, 19:57 Uhr

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