Kommentar

Der richtige Mann zur richtigen Zeit

Osteuropa-Korrespondent Bernhard Odehnal über die Vermittlungsbemühungen der Schweizer OSZE-Präsidentschaft und den Sondergesandten Tim Guldimann.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zeit diplomatischer Höflichkeiten ist vorbei. Nachdem der Sondergesandte Tim Guldimann in Wien die 57 OSZE-Staaten über seine Fact-Finding-Mission in der Ukraine informiert hatte, fielen einige Botschafter in der Diskussion zurück in die Rhetorik des Kalten Kriegs. Nur in einem Punkt herrschte Einigkeit: Was für ein Glück, dass in dieser Krise die Schweiz den Vorsitz führt. Und nicht etwa die Ukraine. Oder Serbien.

Für die OSZE steht alles auf dem Spiel. Vor fast 40 Jahren war sie als «Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa» gegründet worden, um Konflikte zwischen Mitgliedsstaaten zu entschärfen. Seit dem Scheitern ihrer Kosovo-Mission 1999 verlor sie immer mehr an Bedeutung. Kann sie jetzt einen Krieg verhindern und die Ukraine stabilisieren, wird sie wieder zum internationalen Schwergewicht. Schafft sie es nicht, wäre es besser, sie aufzulösen.

Schnell reagiert

Als Vorsitzender der Schweizer OSZE-Präsidentschaft hat Bundesrat Didier Burkhalter schnell reagiert und mit Tim Guldimann einen der erfahrensten Diplomaten zum persönlichen Sondergesandten für die Ukraine gemacht. Guldimann kennt die OSZE, er kennt die russische Mentalität und Politik seit seinem Einsatz in Tschetschenien; er kennt die Amerikaner, deren Agenda er als Schweizer Botschafter im Iran vertrat. Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die USA schickten extra zu seinem gestrigen Auftritt eine Stellvertreterin von Aussenminister Kerry nach Wien. Washington will offenbar, dass die OSZE die führende Vermittlerrolle übernimmt.

Die OSZE hat Experten für Wahlrecht, Menschenrechte, Minderheitenrechte und Polizeiausbildung, die für genau solche Krisen ausgebildet wurden. Jetzt braucht es geschickte und geduldige Diplomaten, die den Einsatz dieser Experten aushandeln können. Guldimann und sein Team sind seit einer Woche pausenlos unterwegs. Ob ihre Krisendiplomatie kurz- oder auch nur mittelfristig Erfolg haben wird, ist nicht abzusehen. Aber zurzeit gewinnen die Schweizer das wertvollste Kapital in diesem Konflikt: Vertrauen und Respekt bei allen Beteiligten.

Erstellt: 04.03.2014, 08:51 Uhr

«Für die OSZE steht alles auf dem Spiel»: Osteuropa-Korrespondent, Bernhard Odehnal.

Artikel zum Thema

Guldimann bringt Schweizer Ukraine-Plan voran

Der Schweizer Sondergesandte berichtete vor der OSZE in Wien von diplomatischen Fortschritten in der Ukraine-Krise: Er sieht Chancen für eine Kontaktgruppe mit Russland und eine grosse Beobachtermission. Mehr...

«Viele Delegationen sehen die zehn Prinzipien gefährdet»

Auf Initiative der Schweizer Präsidentschaft diskutiert die OSZE die Möglichkeit einer Mission im ukrainischen Krisengebiet. Dabei spielt der Sondergesandte Tim Guldimann eine zentrale Rolle. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blog

Kommentare

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...