«Der wahre Preisanstieg bei den Tickets ist viel höher»

Die VCS-Präsidentin Franziska Teuscher will verhindern, dass die Bahnpreise derart stark steigen wie vom Bundesrat angekündigt.

«Wenn mehr Leute auf die Bahn umsteigen, wird es mehr Platz auf der Strasse geben»: Franziska Teuscher, Nationalrätin der Grünen und Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz.

«Wenn mehr Leute auf die Bahn umsteigen, wird es mehr Platz auf der Strasse geben»: Franziska Teuscher, Nationalrätin der Grünen und Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz. Bild: Keystone

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Die neue Finanzierung des Verkehrs ist als Gegenvorschlag zur VCS-Initiative «für den öffentlichen Verkehr» gedacht. Wird der Vorschlag ihrem Anliegen gefährlich?
Nein. Auch der Bundesrat will insgesamt mehr Geld in die Bahn stecken, doch seine Finanzierungsvorschläge sind unattraktiv. Unsere Initiative hat den Vorteil, dass sie die bisherigen Einnahmen der Mineralölsteuer zugunsten der Schiene umverteilt. Unser Vorschlag verursacht weder höhere Bahnpreise noch Steuererhöhungen.

Sie wollen die Autofahrer schröpfen und das Geld den Bähnlern zukommen lassen. Ist das fair?
Der Bundesrat plant einen parallelen Ausbau von Schiene und Strasse, das verschlingt in Zukunft viel zu viele Mittel. Wir bevorzugen den Ausbau der Bahn. Sie hat gegenüber den Autos viele Vorteile und geniesst daher Priorität. Die Bahn ist umweltfreundlich, und dank der Bahn können alle mobil sein, nicht nur diejenigen, die ein Auto haben. Jene Menschen jedoch, die wirklich aufs Auto angewiesen sind, profitieren von unserer Initiative. Wenn mehr Leute auf die Bahn umsteigen, wird es mehr Platz auf der Strasse geben.

Was halten Sie von der Idee, alle Finanzierungsquellen für die Schiene in einem Fonds zu konzentrieren?
Der Bundesrat will den bisher zeitlich beschränkten FinövFonds unbefristet weiter- und mit den anderen Geldquellen zusammenführen. Das ist sehr begrüssenswert. Der neue Fonds deckt nicht nur den Ausbau, sondern auch den Unterhalt und Betrieb der Schiene. Er ist transparent und bringt Stabilität.

Diese Vorteile haben ihren Preis: Bahntickets sollen um rund 10 Prozent steigen.
Damit überschreitet der Bundesrat die Schmerzgrenze. Die Bahnkunden werden geschröpft. Denn auch die SBB wollen in den nächsten Jahren wegen der Betriebskosten die Tickets zusätzlich regelmässig um ein paar Prozente erhöhen. Somit ist der wahre Preisaufschlag auf den Tickets noch viel höher, als es der Bundesrat nun darstellt. Dies wird zu negativen Anreizen führen. Viele Menschen werden von der Bahn wieder auf die Strasse umsteigen.

Den Autofahrern drohen ebenfalls hohe Kosten. Sind diese gerechtfertigt?
Ja, denn die Autobahnvignette ist heute mit 40 Franken viel zu billig. Die Erhöhung der Mineralölsteuer plant der Bundesrat viel zu spät. Sie muss ebenfalls sofort kommen.

Der Bundesrat will die grossen Bahnprojekte nicht mehr in einem Zug planen, sondern in Etappen. Sind sie damit einverstanden?
Das ist politisch ein geschickter Schachzug. Die Bahn entwickelt sich dynamisch, wir sollen also auch dynamisch planen. Die erste Etappe fällt aber zu mager aus. Ich verlange, dass der Bundesrat schnell eine zweite Etappe vorlegt und damit vor allem die Kapazitäten auf den vielbefahrenen Strecken erhöht.

Erstellt: 21.01.2011, 08:57 Uhr

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