Deutsche leiden unter «Schweizer Krankheit»

Deutsche stellen nicht nur die grösste Einwanderer-, sondern auch die grösste Auswanderergruppe der Schweiz. Denn viele fühlen sich isoliert und einsam – mit steigender Tendenz.

Fühlen sich zu stark im Hintergrund: Deutsche in der Schweiz.

Fühlen sich zu stark im Hintergrund: Deutsche in der Schweiz. Bild: Keystone

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Überschaubare Städte, malerische Landschaften, fantastische Berge und eine gemeinsame Sprache: Deutsche lieben die Schweiz. Zu Zehntausenden kommen sie jährlich her, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, ihr Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Mit 27'000 Neuankömmlingen im Jahr 2012 sind die Deutschen deshalb die grösste Einwanderergruppe. Doch viele scheinen in der Schweiz dem seit 1688 auch «Schweizer Krankheit» genannten Heimweh zum Opfer zu fallen. Und deshalb stellen Deutsche neuerdings auch die grösste Auswanderergruppe. Knapp 16'000 verliessen die Schweiz vergangenes Jahr wieder. Dies berichtet der «Landbote» in seiner heutigen Ausgabe.

Frostige Atmosphäre

Die Auswanderung von Deutschen hat gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen, und unsere nördlichen Nachbarn stellen damit die mit Abstand grösste Auswanderergruppe. Die Gründe dafür kennt Matthias Estermann, Präsident des Vereins für Deutsche in der Schweiz. Vielen Deutschen falle es schwer, hier Fuss zu fassen, sie fühlten sich einsam und isoliert, vermissten Freunde und Heimat. Eine Betroffene berichtet von frostiger Atmosphäre am Arbeitsplatz und grosser Zurückhaltung der Arbeitskollegen. Aber neben dem anstrengenden Beruf fehlt oft die Kraft, um nach Feierabend noch neue Kontakte zu knüpfen.

Werbung für Heimweh-Deutsche

Die Einsamkeit sei der Hauptgrund, warum rund ein Drittel der Eingewanderten nach rund 18 Monaten ihre Existenz wieder aufgäben und nach Deutschland zurückkehrten, so Estermann gegenüber dem «Landboten». Es sei «ziemlich schwer», in der Schweiz Freunde zu finden, sagt Estermann, der alle paar Wochen einen Stammtisch für Heimweh-Deutsche anbietet und also bestens informiert ist.

Bereits gibt es findige Marketingexperten, die sich die Heimatsehnsucht Deutscher in der Schweiz zunutze machen. So sucht eine Klinikgruppe in Süddeutschland mit einem Stelleninserat in der NZZ nach deutschen Fachkräften: «Denkst du an Deutschland in der Nacht?», heisst es da in Anspielung auf das berühmte Gedicht des deutschen Exilanten Heinrich Heine. Und weiter heisst es: «Sie suchen: Heimat. Wir suchen: Sie.» Verantwortlich für das Inserat ist Lisa Sophia Friedrich-Schmieder, die die Forschungsstiftung der Klinik leitet. Die Idee kam ihr, nachdem sie auf einer Feier verschiedene Ärzte angetroffen hatte, die über Heimweh berichtet hatten. Allerdings sei das Inserat auch mit einem Augenzwinkern zu lesen. Man habe lediglich zu verstehen geben wollen, dass willkommen sei, wer nach Hause kommen wolle. (mcb)

Erstellt: 02.04.2013, 10:38 Uhr

«Viele fühlen sich isoliert»: Matthias Estermann, Präsident des Vereins für Deutsche in der Schweiz.

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