Deutschland geht bei der Energiewende voran

Eins ist sicher: Am Ende wird sich die grüne Energie durchsetzen.

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Auch in Deutschland ist es Mode, Politiker für Wendehälse zu halten. Zu wenig Prinzipien, Standhaftigkeit und Durchsetzungskraft hätten sie, heisst es. Der Entscheid von EON zeigt, dass das nicht ganz stimmt. Der grösste Energiekonzern des Landes stösst sämtliche konventionellen Kraftwerke ab. Atom, Kohle, Gas – die EON-Manager wollen mit diesen Energieträgern langfristig nichts mehr zu tun haben. Stattdessen setzen sie auf Wind, Sonne und andere erneuerbare Energien.

Ausgelöst hat diesen Strategiewechsel nicht ein plötzlich erwachtes Umweltbewusstsein in der EON-Teppichetage. Vielmehr hat die Konzernspitze kühl gerechnet und gesehen: Konventionelle Kraftwerke rentieren langfristig nicht mehr. Grüne Technologien dagegen sind ein Zukunftsmarkt. Es ist ein Sieg der Energiewende. Die Voraussetzungen dafür haben Regierung und Parlament geschaffen. Am Anfang stand der politische Wille, dass die Bundesrepublik auf Atomkraft verzichten und das Klima schützen soll.

Berlin hat sich unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder darangemacht, diese Vorgaben umzusetzen. Die schwarz-gelbe Regierung setzte die Arbeit unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima fort. Im Detail lässt sich viel kritisieren. Zu reguliert ist der Strommarkt; die Preise für Konsumenten steigen, während sie auf dem Grossmarkt sinken; unklar bleibt, wer für die Beseitigung der Altlasten aufkommt. Doch sicher ist: Am Ende wird sich die grüne Energie durchsetzen.

Ob dies in der Schweiz auch der Fall sein wird, ist offen. Der Nationalrat hat gestern mit der Beratung der Energiestrategie 2050 begonnen. In den nächsten Tagen folgen wichtige energiepolitische Weichenstellungen. Entscheidend wird sein, ob die Politik den AKW-Betreibern fixe Abschaltdaten auferlegt. Die Stromunternehmen müssten ihre Geschäftspolitik radikal umkrempeln. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die grüne Initiative für einen Atomausstieg ist zumindest im Nationalrat nicht mehrheitsfähig.

Erstellt: 01.12.2014, 23:53 Uhr

David Nauer

Der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Deutschland-Korrespondent über den Strategiewechsel in der Energiepolitik.

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