Didier Burkhalter

«Ihm fehlt die gewisse Lockerheit.» Der Innenminister ist ein ehrgeiziger, aber stiller Bundesrat. Die etwas andere Bilanz.

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Politische Inhalte Note: 4–5
Wenn über Didier Burkhalter gesprochen oder geschrieben wird, fällt schnell das Wort «Technokrat». In der Tat wirkt Burkhalter oft wie ein höherer Beamter und nicht wie ein Politiker. Den grossen Medienauftritt scheut er, mit interessanten politischen Ideen ist er bislang nicht aufgefallen. Erfolglos ist er deshalb nicht: Jüngst hat er die Managed-Care-Vorlage durchs Parlament gebracht, was seinem umtriebigen Vorgänger Pascal Couchepin nicht gelungen war. Bleibt Burkhalter im Innendepartement, wird die Reform der AHV zu seinem grossen politischen Projekt. Der demografische Druck zwingt zum Handeln. Allerdings mehren sich die Stimmen, die von Burkhalters Liebäugeln mit dem Aussendepartement berichten. Da er 2013 den Bildungsbereich ans Volkswirtschaftsdepartement verliert, schmälert sich das Gewicht seines Innendepartements. Das könnte ihm den Wechsel erleichtern. Der Mann ist ehrgeiziger, als er wirkt. Im Aussendepartement könnte er, der Verfechter des bilateralen Wegs, die Bilateralen III auf den Weg bringen – ein ehrgeiziges Projekt für einen ehrgeizigen Magistraten.

Rhetorik Note: 4–5
Er legt eine angenehme Zurückhaltung an den Tag, er ist kein Showman, er spricht nur, wenn er etwas zu sagen hat, und überlegt vorher lange. Im Tonfall hat er eine seriöse, freundliche Grundhaltung, ohne unterwürfig zu wirken. Er ist ein guter Zuhörer, das wertet ihn kommunikativ auf. Allerdings vermisst man bei ihm Emotionalität, er sollte auch verbal mal etwas energischer werden, sonst fehlt die Durchschlagskraft. Rhetorisch mangelt es ihm an Eindeutigkeit.

Kleidung/Aussenwirkung Note: 5
Die Romands scheinen beim Griff in den Kleiderschrank einfach ein besseres Gespür zu haben. Die stilsichere, modemutige Micheline Calmy-Rey hat da Standards gesetzt. Der Innenminister wird seiner gut sitzenden Anzüge und der Attitüde eines Gentleman wegen auch gerne als «George Clooney des Bundesrats» betitelt. Noch fehlt ihm die gewisse Lockerheit. Unser Tipp: Etwas weniger Akkuratesse – vom Scheitel bis zur Sohle – würde Didier Burkhalter gut anstehen.

Gunst des Schicksals Note: 5–6
Er hat ein gutes Jahr vor sich, ich sehe keine grösseren Schwierigkeiten auf ihn zukommen. Zudem hat er gute Berater um sich und seine Familie gibt ihm Rückendeckung, das ist wichtig. Er ist sensibel und feinfühlig, ein guter Mensch. Seine Ausstrahlung ist positiv, aber man soll sich nicht täuschen lassen: Der Mann weiss, was er will, und er kann Leute entsprechend beeinflussen.

Erstellt: 07.12.2011, 14:07 Uhr

«Ihm fehlt die gewisse Lockerheit.» Didier Burkhalter ist ein ehrgeiziger, aber stiller Bundesrat. (Bild: Keystone )

Die etwas andere Bilanz

Am 14. Dezember treten sechs Bundesräte zur Wiederwahl an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch dieses Jahr ein amtierendes Regierungsmitglied nicht im Amt bestätigt wird. Die «Basler Zeitung» hat deshalb Bilanz gezogen und das Wirken der Bundesräte analysiert. Wer verdient die Wiederwahl? Wer nicht? Wir definierten vier Kategorien, die für erfolgreiches Politisieren wichtig sind:

1. Politische Inhalte
2. Rhetorik
3. Kleidung/Aussenwirkung
4. Gunst des Schicksals

Unsere Experten

Wo wir nicht weiterwussten, haben wir uns Hilfe geholt. Die Rhetorik der Magistraten bewertete Marcus Knill, ein schweizweit bekannter Kommunikationsexperte. In Sachen Schicksal vertrauten wir auf Mike Shiva, das berühmteste Medium des Landes. Ursula Schneider, die in der «Basler Zeitung» die Lifestyle-Seiten verantwortet, hat sich der Kleidung der Bundesräte angenommen. Die Würdigung der politischen Inhalte übernahm das Politik-Ressort.

Entstanden ist das Notenblatt der Bundesräte. Gute Unterhaltung.

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