Die AHV bereitet den Schweizern am meisten Sorge

Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt die Entwicklung des CS-Sorgenbarometers von 1995 bis 2017.

Zählt man die Jugendarbeitslosigkeit dazu, bereitete den Schweizerinnen und Schweizern seit dem Jahr 2003 stets dasselbe Thema am meisten Sorge: die Arbeitslosigkeit. Doch jetzt hat sich das geändert, wie das heute veröffentlichte Sorgenbarometer 2017 zeigt. Bei der Befragung, die das Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag der Credit Suisse durchgeführt hat, gab eine Mehrheit von ihnen die Altersvorsorge als grösste Bedrohung an.

44 Prozent der Befragten sehen ihre Rente in Gefahr, ganze 16 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit wurde damit nach vierzehn Jahren als Top-Sorge der Schweizer Bevölkerung abgelöst. Sie wurde gerundet zwar ebenfalls von 44 Prozent genannt, allerdings von leicht weniger Personen. Zudem ist ihre Tendenz sinkend. Gegenüber 2015 hat das Thema Arbeitslosigkeit 12 Prozentpunkte eingebüsst. Gleichzeitig glauben heute 37 Prozent der Befragten, ihr Job sei sehr sicher – so viele wie noch nie.

«Dieses Jahr hat sich die Sorgenhierarchie deutlich verschoben.»Manuel Rybach, Global Head of Public Affairs and Policy der Credit Suisse

Laut Manuel Rybach von der Credit Suisse scheinen sich nun alle Bevölkerungsschichten einig, dass die Vorsorge saniert werden muss. Auch das Nein zur AHV-Reform 2020, das nach der Erhebung zustande kam, «hat kaum zu einer Beruhigung beigetragen», sagt Lukas Golder, Co-Leiter von GFS Bern. Politik und Verwaltung seien jetzt unter starkem Druck, für die Gesellschaft tragfähige Kompromisslösungen zu erarbeiten.

Kaum Einfluss auf die Wahrnehmung der Schweizer Stimmbevölkerung scheint die aktuelle Diskussion über den Wegfall von Stellen durch die Digitalisierung zu haben. Die Befragten schätzen die eigene Arbeitsstelle als erstaunlich sicher ein, sehen die wirtschaftlichen Aussichten allerdings pessimistischer als vor Jahresfrist. Knapp ein Viertel denkt, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird. Die gesellschaftlichen Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung werden mitunter kritisch empfunden, speziell von älteren Leuten.

Die Themen «Ausländer» (35 Prozent) und «Flüchtlinge/Asyl» (19 Prozent) haben seit 2015 an Dringlichkeit verloren (minus 8 und minus 16 Prozentpunkte) und liegen auf den Plätzen 3 und 6 der Sorgenrangliste. Die Befragten wünschen dennoch eine Einschränkung oder zumindest eine Kontrolle der Einwanderung. Mehr als drei von vier Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern befürworten Kontingente für Ausländer, in der Romandie sind es gar 91 Prozent.

Auf die Frage nach dem wichtigsten politischen Ziel ist die häufigste Antwort aber die AHV. In diesem Zusammenhang nennen sie 24 Prozent der Befragten.

Ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer glaubt weiterhin, dass die Politik die Probleme lösen kann. Das Vertrauen in die Institutionen ist so gross wie kaum in einem anderen Land. 60 Prozent vertrauen dem Bundesrat, während die Zustimmung zur jeweiligen Regierung in OECD-Ländern durchschnittlich bei nur 42 Prozent liegt.

Institutionen verlieren an Vertrauen

Dennoch haben die Behörden dieses Jahr auch in der Schweiz einen Dämpfer erlitten: Von den 20 in der Vertrauensrangliste höchstplatzierten Institutionen haben 18 an Vertrauen eingebüsst – nach jahrelanger allgemeiner Zunahme. Verlierer gibt es viele: Die Armee und die Nationalbank haben mit je minus 10 Prozentpunkten am stärksten an Vertrauen verloren, gefolgt von den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen (minus 9 und minus 6 Prozentpunkte). Der ganze Medienblock (Fernsehen, Radio, Gratis- und Bezahlzeitungen) hat zudem zwischen 5 und 6 Prozentpunkte an Vertrauen eingebüsst.

Zulegen konnten einzig das Bundesgericht, das die Vertrauensrangliste mit 66 Prozent zum dritten Mal in Folge anführt, und die Banken. Diese machten einen Sprung vom 15. auf den zweiten Rang, ihr Zuspruch stieg von 57 auf 61 Prozent an – keine andere Institution gewann mehr Vertrauen.

Video: Das CS-Sorgenbarometer 2017

Das Vertrauen in die Institutionen mag etwas unter Druck gekommen sein, dem nationalen Zusammenhalt tut das jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: 2004 waren noch 73 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer stolz oder sehr stolz auf ihr Land, 2010 schon 82 Prozent, heute sind es gar 90 Prozent.

Es handelt sich allerdings um eine neue Art von Nationalstolz, wie die Befragung zeigt. Identifizierten sich früher vor allem jene mit der Schweiz, die sich selber als politisch «rechts» einordneten, gibt es heute praktisch keinen Unterschied zwischen Rechts-, Mitte- und Links-Sympathisanten mehr. Die neue, vorwärtsgewandte Identität vieler baut auf Bildung, Forschung und Internationalität auf.

Klassische Merkmale der Schweizer Identität hingegen haben an Bedeutung eingebüsst: Die Neutralität wurde 2015 von 32 Prozent der Befragten als eines der drei Hauptmerkmale des Landes genannt, dieses Jahr nur noch von 11 Prozent. Ähnlich negativ sieht die Beliebtheitskurve des Merkmals «Sicherheit» aus (Von 19 auf 12 Prozent). Und auch «Landschaft» und «Heimat» haben über die letzten fünf Jahre kontinuierlich an Bedeutung verloren. Die «direkte Demokratie» wurde in den letzten Jahren immer von knapp 10 Prozent der Befragten genannt – dieses Jahr sind es noch 4 Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2017, 09:06 Uhr

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