«Die Angriffe aus dem Ausland auf unsere sensiblen Dossiers sind logisch»

Nicolas Bideau ist seit 2010 Chef von Präsenz Schweiz. Gegenüber «Tribune de Genève» äussert er sich über das Image der Schweiz im Ausland.

Der Genfer Nicolas Bideau ist seit 2010 an der Spitze von Präsenz Schweiz.

Der Genfer Nicolas Bideau ist seit 2010 an der Spitze von Präsenz Schweiz. Bild: Keystone

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Als ehemaliger Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur übernahm der 43-jährige Genfer Nicolas Bideau 2010 die Leitung von Präsenz Schweiz, welche als Teil des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für den Auftritt der Schweiz im Ausland zuständig ist.

Gestern nahm Bideau am Geneva Press Club teil, wo er eine Präsentation mit der Überschrift «Warum die Schweiz ein gutes Image hat» hielt. Gegenüber der Westschweizer Zeitung «Tribune de Genève» äusserte sich Bideau zur Bilanz seiner ersten Jahre und zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Image der Schweiz im Ausland.

Herr Bideau, die Aussage Ihrer Präsentation «Warum die Schweiz ein gutes Image hat» ist ziemlich klar – warum?
Um eine Diskussion anzuregen… Und damit die Kirche im Dorf bleibt. In der Praxis erleben wir eher schwierige Zeiten wegen Spannungsfeldern in der Europapolitik oder im Zusammenhang mit unserem Finanzplatz. Grundsätzlich ist das Image der Schweiz aber sehr gut. In der Wahrnehmung der Leute sind wir noch immer ein vorbildliches Land: Politische und wirtschaftliche Stabilität sowie eine intakte Umwelt machen aus der Schweiz eine Art vorbildliche Schwiegertochter der westlichen Welt. Die logische Folge daraus sind die virulenten Angriffe auf unsere sensiblen Dossiers – ein wenig wie die Klassenbeste, die man bewundert oder vielleicht sogar beneidet, der man aber auch ganz sicher eins auswischt, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Sie sagen, die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland sei gut. Entspricht dieses Bild auch der Realität?
Wir sind ein Land wie jedes andere auch. Wir haben unsere Probleme, konnten dafür aber Lösungen entwickeln, die sich jetzt in Krisenzeiten bewähren. So gesehen entspricht unser positives Image auch der Wirklichkeit. Wir haben Institutionen geschaffen, die es uns ermöglichen, zusammen zu leben, zu arbeiten und zu produzieren – dabei gab es doch am Anfang vor allem Hindernisse: unterschiedliche Sprachen und Religionen, keine Rohstoffe und eine schwierige Geografie. Die Funktionsweise der Schweiz hat sich bewährt: Unser Land wird im Ausland positiv wahrgenommen.

In der Schweiz vertreten konservative Politiker manchmal die Ansicht, dass man uns im Ausland beneidet – die Linken sagen hingegen eher, dass man uns hasst. Ist dies in beiden Fällen nicht ein wenig übertrieben?
Mit solchen Aussagen wird genau das hervorgehoben, was ich am Anfang gesagt habe. Im Grunde genommen hat die Schweiz ein sehr positives Image. Bei einzelnen und teils auch wichtigen Dossiers ist es aber so, dass wir im Ausland auch Schwierigkeiten haben. Es gibt dann solche, die davon profitieren, um uns anzugreifen – obwohl sie uns doch eigentlich mögen. Es ist alles eine Frage der jeweiligen Interessen.

Als ehemaliger «Monsieur Cinéma» der Schweiz machen Sie immer wieder auf die Kreativität der Schweiz aufmerksam. Muss das Image der Schweiz korrigiert werden?
Die grosse Herausforderung von Präsenz Schweiz ist es, auf die richtigen Kommunikationsmittel zu setzen. Aufmerksamkeit erregen ist der Anfang jeder Kommunikation. Wenn man dies einmal geschafft hat, kann man anfangen, Botschaften zu übermitteln. Wir möchten das Image der Schweiz nicht korrigieren, es aber mittels unserer Events ergänzen. Dabei setzen wir bewusst auf die Stärken unserer Traditionen, wie zum Beispiel die Berge oder unsere Schokolade, um damit Aufmerksamkeit zu erregen und Emotionen zu wecken. Dann können wir die Botschaft ergänzen. Letztes Jahr beim Brüsseler Switzerland Perception Network konnten wir so bei Raclette und Walliser Wein eine Diskussion über unsere schöne Schriftart Helvetica anregen, welche unsere Präzision und Kreativität widerspiegelt. Diese Schriftart wird auf der ganzen Welt verwendet, viele wissen aber nicht, dass sie in der Schweiz entwickelt wurde.

Ist es denn überhaupt nützlich, ein solches Image zu fördern, wenn gleichzeitig Steuerstreite die zwischenstaatlichen Beziehungen vergiften?
Die seit einem Jahr verfolgte Strategie des Bundesrates zum Finanzplatz Schweiz entspricht mir sehr. Diesen Sommer werden wir im Rahmen unseres House of Switzerland bei den Olympischen Spielen Entscheidungsträger aus der Politik und der Finanzwelt einladen, und so auf die Diskussionsbereitschaft der Schweiz aufmerksam machen. Der von Evelyne Widmer-Schlumpf organisierte Empfang wird dann auch eine gute Gelegenheit bieten, um unsere Standpunkte zu vertreten. Der Spielraum von Präsenz Schweiz wäre begrenzt, wenn der Bundesrat nicht eine Kehrtwende eingegangen wäre, denn Wirtschaft und Finanzen haben immer einen grossen Einfluss auf das Image der Schweiz im Ausland.

(Übersetzung und Bearbeitung: cor)

Erstellt: 06.07.2012, 10:52 Uhr

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