«Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen»

Christoph Blocher hat kaum Verständnis für die Klagen der Exportwirtschaft.

«Schlecht aufgestellte Firmen werden eventuell sogar verschwinden»: Christoph Blocher. (Archiv)

«Schlecht aufgestellte Firmen werden eventuell sogar verschwinden»: Christoph Blocher. (Archiv)

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Gab es eine Absprache zwischender Nationalbank (SNB) undgewissen Kreisen der Wirtschaft und Politik?
Nicht dass ich davon wüsste. Die SVP-Spitze erfuhr es heute früh mit allen anderen Leuten. Ich muss Herrn Thomas Jordan ein Kränzchen winden, dass im Vorfeld des Entscheids nichts nach aussen gedrungen ist. Alle wurden überrascht. Dies ganz im Gegensatz zum Vorfeld der Einführung der Euro-Untergrenze 2011. Der damalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand konsultierte alle möglichen Gremien, sodass es eine Menge von Insidern gab, die sich noch eindecken konnten.

Sie waren früher Bundesrat. Wie viele Stunden im Voraus erfährt man von einem solchen Entscheid?
Ein paar Stunden vorher. Sagen wir, um 6 Uhr und die Öffentlichkeit um 10 Uhr.

Wurden Sie jetzt, im Vorfeld, nicht um eine Einschätzung gebeten?
Nein. Aber ich weiss, dass die Nationalbank jeweils sehr genau recherchiert, wo Unternehmen stehen und wie sie von einem Entscheid betroffen wären, auch bei unseren Unternehmen. Das muss so sein!

Wie haben Sie reagiert?
Ich erinnerte mich an die Zeit, als die Nationalbank Anfang der 70er-Jahre die Frankenbindungen aufgab. Der Dollar wurde auf einen Schlag um 30 Prozent billiger. Die ganze Exportwirtschaft stöhnte, ihr würden die Erträge wegbrechen. Ich war damals Sekretär des Verwaltungsrates der Ems-Chemie und musste das VR-Protokoll tippen. Ich schrieb: «Neue Strategie zur Verlegung der Firma, da keine Chance mehr in der Schweiz». Die Ems-Chemie exportierte damals 30 Prozent, heute sind es 96 Prozent. Der Umsatz hat sich vervielfacht, und die Firma blieb in der Schweiz.

Ist der SNB-Entscheid verkraftbar?
Die Exportwirtschaft erzielt vor allem kurzfristig im Verkauf weniger Erlöse. Gewinn- und margenschwache Exportbetriebe werden Mühe haben, zu überleben, sofern sie nicht handeln. Gewinnstarke Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Produkten werden eine Aufwertung des Frankens problemlos absorbieren.

Sie sehen vor allem Vorteile?
Die Arbeitslosigkeit wird wohl zunehmen. Hier werden – im Gegensatz zu früher – die Ausländer dank Personenfreizügigkeit bleiben. Und der Inländervorrang fehlt, da der Masseneinwanderungsartikel noch nicht umgesetzt ist. Aber die gesamte Schweizer Wirtschaft kauft bei einem starken Franken im Ausland auch Rohstoffe zu günstigeren Preisen ein und kann ihre Ertrags­einbussen begrenzen. Der tiefe Ölpreis macht den Einkauf noch billiger. Doch die Leute – Rentner, Sparer, Lohnempfänger – haben jetzt eine bessere Währung und daher heute verdient.

Werden Arbeitsplätze nicht mehr ins billigere Ausland abwandern?
Der Chef eines exportierenden Unternehmens klagte mir kürzlich, er könne seine Arbeitsplätze nur retten, solange der Wechselkurs zum Euro nicht unter 1.40 falle. Er schaue sich jetzt in Polen und anderen EU-Ostländern nach Alternativen um. Ein starker Franken sei doch nicht im Interesse des Landes. Ich sagte ihm, wenn Sie ein Produkt haben, das Sie ebenso gut in einem Billiglohnland produzieren können, dann haben Sie ein falsches Produkt. Die Schweiz kann mit den Löhnen solcher Länder nie und nimmer konkurrieren. Wir müssen uns hierzulande auf die Herstellung von Produkten spezialisieren, für die wir im Ausland hohe Margen erzielen.

Und wenn der Euro weiter fällt?
Kurzfristig rate ich, gar nichts zu unternehmen. Der Eurokurs muss jetzt ein neues Gleichgewicht finden. Dies wird Wochen dauern. Jeder Unternehmer sollte aber eine Strategie entwerfen, für den Fall, dass der Euro auf längere Zeit unter einem Franken wert wäre.

Erstellt: 15.01.2015, 17:02 Uhr

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