Die Drahtzieher der Attacken auf die Rega

Der TCS und Jürg Fleischmann, Chef der Firma AAA, stehen hinter den Angriffen auf die Rega.

Die Rega im Kreuzfeuer der Kritik: Rega-Helikopter im Einsatz. (Archivbild)

Die Rega im Kreuzfeuer der Kritik: Rega-Helikopter im Einsatz. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Böllerschüsse aus dem schönen Lauterbrunnental fanden vergangene Woche landesweiten Nachhall. Just in dem Moment, als die Angriffe auf die Rega durch den TCS und den umtriebigen Geschäftsmann Jürg Fleischmann mit seiner Firma AAA im Kanton Aargau abflachten, folgte aus dem Berner Oberland die nächste Attacke. Diesmal geführt von der Air Glaciers mit dem Schweizerischen Alpenclub (SAC) im Schlepptau.

Das Grundmuster der Vorwürfe, die Vertreter der Air Glaciers an der Medienkonferenz vom Donnerstag vortrugen, glich jenem aus dem Aargau: Unter dem Titel «Missstände im Luftrettungswesen im Berner Oberland» warfen die «Verantwortlichen von Air Glaciers» und SAC, wie es in den Medien hiess, der Rega vor, immer wieder Rettungen mit eigenen Helikoptern durchzuführen, wissend, dass Rettungshelikopter der Air Glaciers viel näher an der Unfallstelle auf Bereitschaft stünden.

Übersehen wurde in sämtlichen Berichterstattungen über den «Streit um die Luftrettung» bisher, dass mit Jürg Fleischmann ein und derselbe Geschäftsmann sowohl im Aargau als auch auf der Air-Glaciers-Basis Lauterbrunnen seine Interessen verfolgt.

Heli zweifach weitervermietet

Relativ einfach belegt werden kann die Verquickung gemeinsamer Interessen von TCS, der Firma AAA von Jürg Fleischmann und Air Glaciers mit einem Blick in das Luftfahrtregister des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Demnach fliegt seit Mai dieses Jahres von der Air-Glaciers-Basis Lauterbrunnen aus ein Eurocopter mit Baujahr 1999 und der Immatrikulation HB-ZIR. Auf dem umgespritzten Heli findet sich auch das Logo der Firma AAA. Als Haupthalter des Helis ist im BAZL-Luftfahrtregister die Firma Skymedia mit Sitz in Zürich-Airport angegeben. Auf die genau gleiche Adresse, diesmal als «Eigentümer und Halter», ist der Aargauer TCS-Heli mit der Registration HB-ZJE gemeldet.

Die Firma Skymedia ist Teil der ­Lions Air Group, die ihrerseits Hauptaktionärin bei der AAA (Alpine Air Ambulance AG) ist. Wie auch aus dem Internetauftritt der Firma AAA hervorgeht, ist die AAA Mitglied der Lions Air Group. In diesem «Aviatikkonzern», wie sich die Lions Air Group im Internet bezeichnet, sind die Firmen Lions Air, Skymedia, eine Unterhaltsfirma und diverse andere Firmen zusammengeschlossen.

Im Verwaltungsrat der AAA sitzen unter anderen auch zwei TCS-Vertreter, nämlich TCS-Geschäftsführer Stephan Grötzinger und Roger Schober. Der Präsident der Lions Air Group ist derselbe Jürg Fleischmann, der als Delegierter des Verwaltungsrates auch die Geschäftsleitung präsidiert. Über Skymedia vermietet Fleischmann den Euro­copter HB-ZIR an die Air Glaciers in Lauterbrunnen weiter. Haupteigentümer des Air-Glaciers-Helis in Lauterbrunnen ist allerdings nicht Fleischmann, sondern die Raiffeisenbank Waidring in Österreich.

Zeitpunkt der Kritik nicht zufällig

Der Air-Glaciers-­Heli in Lauterbrunnen flog zuvor unter der Registration OE-XAH im Auftrag der österreichischen Heli-Firma Schider Helicopter Transporte GmbH. Diese ist ebenfalls in Waidring angesiedelt. Damit wird auch klar, wer alles am Air-Glaciers-Heli in Lauterberbrunnen verdienen will: Erstens die Haupteigentümerin, die Raiffeisenbank Waidring, die den Heli an Fleischmanns Skymedia vermietet. Zweitens Jürg Fleischmann, der den Heli HB-ZIR an die Air-Glaciers in Lauterbrunnen weitervermietet.

Und drittens die Air Glaciers selbst, die am Schluss dieser Kette neben Rettungsflügen auch Heli-Skiing, Touristenflüge und allerlei Transportleistungen anbietet. Mit diesen Geschäftsverbindungen ist offensichtlich und öffentlich nachvollziehbar, dass Verbindungen zwischen AAA und TCS einerseits sowie Air-Glaciers Lauterbrunnen andererseits bestehen. Und so erscheint auch nachvollziehbar, dass der Zeitpunkt der Kritik von Air Glaciers Lauterbrunnen und der dortigen SAC-Sektion nicht einfach zufällig, sondern wohl sorgfältig gewählt ist.

SAC distanziert sich

Schon fast belustigend erscheint vor diesem Hintergrund, dass Air Glaciers Lauterbrunnen und die lokale SAC-Sektion in einer gemeinsamen Pressemitteilung vom 23. Juli die Rega als «Zürcher Luftretter» bezeichnen, was ein gewisses Mass an Abschätzigkeit zum Ausdruck bringen soll – trotz des «eigenen» Helis, der via Österreich und Zürich und eines dort angesiedelten Geschäftsmannes angemietet ist.

Ebenfalls auf wenig Beachtung gestossen ist bisher, dass sich im Nachfeld der medial inszenierten Vorwürfe der Zentralvorstand und die Geschäftsstelle des Schweizer Alpenclubs (SAC) «in aller Form von den Vorwürfen der lokalen SAC-Sektion Lauterbrunnen gegenüber der Rega» distanziert hat. Während in Einzelfällen im Sinne der Qualitätssicherung eine Diskussion zielführend sein könne, entspreche das jetzt gewählte Vorgehen keinesfalls dem, was von einer Zusammenarbeit unter Einsatzpartnern erwartet werden dürfe. Dies schreiben SAC-Zentralpräsidentin Françoise Jaquet und Geschäftsführer Jerun Vils in einer Medienmitteilung. «Die Zusammenarbeit des SAC und der Rega auf dem Gebiet der Bergrettung ist eine Erfolgsgeschichte», halten die beiden fest und verweisen auf die «noch engere» Zusammenarbeit in der 2005 gemeinsam gegründeten Organisation, der Stiftung Alpine Rettung Schweiz.

Erstellt: 29.07.2013, 09:35 Uhr

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