Hintergrund

Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie

Im Bundeshaus wird heftig über die Lockerung der Bestimmungen von Kriegsmaterialexporten debattiert. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt auf, welches Rüstungsmaterial in der Schweiz für den Export hergestellt wird.

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Eigentlich ist der PC-21 ein harmloses Trainingsflugzeug und gilt daher nicht als Kriegsmaterial. Trotzdem sorgte das Flugzeug der Pilatus Flugzeugwerke AG für das beste Jahr in der jüngeren Geschichte der Schweizer Rüstungsindustrie. 2011 exportierten Schweizer Unternehmen Rüstungsgüter für 873 Millionen Franken, wie der Kriegsmaterialstatistik des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco) zu entnehmen ist. Ein Teil davon entfällt auf den Verkauf von 25 Pilatus PC-21 an die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort wurden sie nachträglich bewaffnet, weshalb die Flugzeuge in den Statistiken in der Kategorie «Bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge» auftauchen.

164 Millionen Umsatz

Diese Kategorie ist der umsatzstärkste Exportzweig der Schweizer Rüstungsindustrie. Im Jahr 2012 machte er mit 164 Millionen Franken 23,4 Prozent des Gesamtvolumens aus. Doch abgesehen vom Jahr 2011 stammt ein erheblicher Teil des Umsatzes nicht aus den Verkäufen von Flugzeugen, sondern von Bestandteilen wie etwa Triebwerken.

Ob bewaffnet oder nicht, die Pilatus PC-21 ist auch in Zukunft ein wichtiges Exportprodukt. 79 Stück sind 2012 bestellt worden. Die Maschinen werden in Katar und Saudiarabien eingesetzt, nach bisherigen Erkenntnissen aber nur zu Trainingszwecken.

«Weltweit im Einsatz und bestens bewährt»

Nummer zwei in der Exportstatistik ist die Munition. 2012 wurde Munition für 3 Millionen Franken auch an Saudiarabien verkauft, dabei handelte es sich ausschliesslich um Geschosse für Fliegerabwehrsysteme. Gleich wie Ersatzteile unterliegt Munition für schon gelieferte Waffen nicht dem Exportverbot. Insgesamt setzten Schweizer Unternehmen vergangenes Jahr mehr als 156 Millionen Franken mit Munition um. Welche das sind, ist nicht bekannt. Ein grosser Teil davon dürfte jedoch auf die staatlich kontrollierte Ruag entfallen, einen der grössten Hersteller von Munition weltweit. Zu ihren Produkten zählt etwa die 9 x 19 Pistolenmunition, die laut Ruag sowohl bei «Polizei als auch bei Streitkräften weltweit im Einsatz und bestens bewährt» ist. Ferner stellt die Ruag auch Munition für alle erdenklichen Gewehrtypen, Handgranaten und Trainingsmunition für Artillerie und Minenwerfer her.

Als Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie schlechthin gilt jedoch ein Fahrzeug: der Mowag-Radpanzer Piranha. Die Mowag bewirbt den Piranha als «hoch mobiles, sofort einsatzfähiges, autonomes und gut geschütztes Fahrzeug für das Aufspüren und die Analyse von chemischen und biologischen Kampfstoffen». Es überwache grossräumige Gebiete und sammle Bodenproben. Doch 2011 tauchten diese Schweizer Piranhas auch als Aggressor in einem bewaffneten Konflikt auf: Die saudische Armee marschierte in Bahrain ein und zerschlug die Demokratiebewegung gewaltsam – mit Piranha-Panzern, die mindestens teilweise in der Schweiz bestellt worden waren.

Fliegerabwehrsysteme aus Zürich

Wie viele Piranhas die Mowag, die mit vollem Namen General Dynamics European Land Systems – Mowag GmbH heisst, pro Jahr ins Ausland verkauft, gibt sie nicht bekannt. Auch nicht, wie viel Umsatz sie damit erzielt. Die Kriegsmaterialstatistik zeigt indes, dass die Kategorie «Panzer und andere Landfahrzeuge» mit 20,1 Prozent die drittwichtigste Kategorie in der Kriegsmaterialstatistik ausmacht. 141 Millionen Franken setzten Schweizer Firmen damit um.

Unter dem für Laien etwas kryptischen Namen «Feuerleitsysteme» verbergen sich im Wesentlichen Fliegerabwehrsysteme. Sie überwachen den Luftraum, erfassen Ziele und steuern Flugabwehrkanonen. Der wichtigste Hersteller ist die Rheinmetall Air Defence. Das deutsche Rüstungsunternehmen kaufte 1999 den Rüstungsbereich der Oerlikon Contraves, die noch heute als Zürcher Niederlassung der Rheinmetall existiert. Die bekanntesten Fliegerabwehrsysteme der Rheinmetall heissen Skyshield und Skyguard. Die Flugabwehrsysteme machten 2012 mit 107 Millionen Franken 14,5 Prozent des Umsatzes von Schweizer Rüstungsexporten aus.

Erstellt: 05.11.2013, 23:56 Uhr

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