«Die Fifa vollzieht nur Reformen, die für die Mächtigen nichts ändern»

Die Korruptionsexpertin Alexandra Wrage hat die Fifa-Reformgruppe verlassen – weil die wichtigen Änderungen auf die lange Bank geschoben würden. Nun übt sie auch scharfe Kritik an der Schweizer Regierung.

Die Experten bemängeln den schwachen Reformwillen: Der Fifa-Hauptsitz in Zürich.

Die Experten bemängeln den schwachen Reformwillen: Der Fifa-Hauptsitz in Zürich. Bild: Keystone

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Am Montag ist die renommierte kanadische Antikorruptionsspezialistin Alexandra Wrage aus dem International Governance Committee zurückgetreten, das unter dem Präsidium des Schweizer Strafrechtsprofessors Mark Pieth die Fifa-Reform überwachen soll. Der Grund für den Rücktritt: Die mangelnde Reformbereitschaft der Fifa.

Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt sie: «Die Fifa vollzieht nur Reformen, die für die Mächtigen nichts ändern. Die wichtigen Reformen schiebt sie auf die lange Bank. Ich bin nicht bereit, einem solchen Prozess mehr Zeit zu widmen.» Ende März hatte das Fifa-Exekutivkomitee Vorschläge der Reformgruppe abgelehnt. Dabei wurden unter anderem eine Alters- und Amtszeitbegrenzung, ein Integritäts-Check durch externe Experten und eine Offenlegung der Gehälter gefordert.

«Der Staat versagt völlig»

Zudem greift sie auch die Schweizer Regierung scharf an: Sie könne die «Absenz» der Schweizer Regierung bei der Fifa-Reform nicht nachvollziehen. «Nur die Schweiz ist in der Position, die Fifa wirklich unter Druck zu setzen.» Beim Bundesamt für Sport wollte man sich nicht äussern. Ein Sprecher sagte lediglich: Man habe Verständnis, dass einigen Beobachtern die Reform nicht schnell genug gehe. Demokratische Reformen bräuchten halt Zeit.

Mark Pieth, Vorsitzender der Fifa-Reformgruppe, wird gegenüber der «SonntagsZeitung» deutlicher: «Ich habe Verständnis dafür, dass Frau Wrage ungehalten ist.» Er sei aber der Meinung, dass im bisherigen Reformprozess einiges richtig gelaufen sei. Allerdings: «Der Staat versagt völlig. Da hat Frau Wrage recht. Die bisherige Reform ist einzig und alleine eine Selbstregulierung.» Genau deshalb sei es wichtig, dass eine unabhängige Gruppe die Umsetzung der Reformen überwache. Die Fifa wollte keine Stellung nehmen. (rbi)

Erstellt: 28.04.2013, 12:18 Uhr

Hat genug: Alexandra Wrage.

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