Die Irrfahrten der Sarah Bösch

SVP-Lokalpolitikerin Sarah Bösch aus Wil fährt betrunken Auto und beschwert sich danach öffentlich über die «krasse Bürokratie» der Polizei. Sie hätte es lieber nicht getan. Beides.

Sarah Bösch, Stadtparlamentarierin für die SVP in Wil mit dem Hang zu eher «krassen» Aussagen.

Sarah Bösch, Stadtparlamentarierin für die SVP in Wil mit dem Hang zu eher «krassen» Aussagen. Bild: Facebook

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Zeig mir deine Facebook-Wall und ich sage dir, wer du bist. Hier haben wir: Sarah Bösch, 33, SVP-Politikerin im Stadtparlament von Wil. Indischstämmig, adoptiert («Farbe bekennen für die SVP» lautet ihr Motto), Mutter einer Tochter, Single. Sie schwärmt für Roger Köppel als «Inbegriff von Männlichkeit», posiert nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» mit einem «Je suis Sarah»-T-Shirt («mais bien sûr», der Kommentar dazu. Gab immerhin 95 Likes), sucht mit Hinweis auf ihren langjährigen Single-Status einen «flotten und charmanten» Bauern aus dem Kanton St. Gallen («Also liebe Buur, wend muet hesch, schrieb mer *Smiley*) und schimpft, wie es sich als richtige SVPlerin gehört, über «Linke» und «Gutmenschen», zu langsame Autofahrer und Politessen, deren Charakter so hässlich sei wie ihr Aussehen. (Eine Zusammenstellung der besten Facebook-Posts finden Sie bei den Kollegen von «Watson».)

Empört, geschockt

Ihr aktuellster Eintrag auf Facebook ist im Vergleich dazu von äusserster Lieblichkeit. Sie schreibt und illustriert dies mit dem Foto eines Gänseblümchens: «Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten…» Sie meint jenen Fehler, der der Lokalpolitikerin in den vergangenen zwei Tagen zu ungewollter nationaler Präsenz verhalf. Am vergangenen Sonntag geriet Bösch in eine Polizeikontrolle, musste zur Alkoholkontrolle und war empört. «Ich fühle mich munter, frisch, spüre null Promille! Unglaublich *böses Smiley* bin geschockt! Krasse Bürokratie *weinendes Smiley*.» Aus den «null Promille» wurden nach der Kontrolle – die Bösch ebenfalls dokumentierte – über 0,8 Promille. Die Politikerin muss ihren Fahrausweis für mindestens drei Monate abgeben und ist für den «Blick» jetzt die «Bier-Bösch».

Öffentlich äussern mag sie sich nicht mehr zum Vorfall. Die ausgebildete Fachfrau für Betreuung von Behinderten ist seit rund vier Jahren in der Politik. Als sie noch im Kanton Zürich wohnte, kandidierte sie erfolglos für die Schulkommission von Kilchberg. Wenig später wurde sie aus der SVP-Ortspartei ausgeschlossen – über die Gründe hüllt sich die Partei in Schweigen. Bösch sitzt in der nationalen Bildungskommission der SVP und ist seit Anfang März Stadtparlamentarierin in Wil. Nächste Woche wird sich ihre Fraktion mit dem Vorfall beschäftigen. Mario Schmitt, Fraktionspräsident, stellt sich vor Bösch und hat den Vorfall gegenüber lokalen Medien als «Kavaliersdelikt» bezeichnet. Schmitt hat Erfahrungen mit Facebook und schwierigen Posts. «Wann wird diese Religion endlich ausgerottet?», fragte er sich vor einem halben Jahr, meinte damit den Islam und erhielt prompt eine Anzeige wegen Rassendiskriminierung.

«Moderat in den Aussagen»

Das sind die Sitten in der SVP der Stadt Wil. In einem Interview mit der «Wiler Zeitung» kurz vor ihrem Amtsantritt als Stadtparlamentarierin wurde Sarah Bösch gefragt, ob sie sich eher als moderate Vertreterin der SVP oder als Hardlinerin verstehe. Ihre Antwort: Sie sei eine «moderate Hardlinerin». Auf die Nachfrage des Interviewers, der Bösch vorher schon Aussagen über den «interessanten Single-Markt» in Wil entlockt hatte, erklärte sich Bösch. Sie sei eine politische Hardlinerin und politisiere stramm rechts. «Moderat bin ich in Bezug auf meine Äusserungen.» Kein Smiley.

Erstellt: 15.04.2015, 12:26 Uhr

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