Porträt

Die Kämpferin gegen Pädophile macht keine halben Sachen

Christine Bussat, Verkäuferin aus Genf und Mutter dreier Kinder, gewinnt die Politik erneut für ein Kinderschutzanliegen.

Macht mit Initiativen Politik und betreibt eine Imbissstube im amerikanischen Stil: Christine Bussat in Nyon (Archivbild).

Macht mit Initiativen Politik und betreibt eine Imbissstube im amerikanischen Stil: Christine Bussat in Nyon (Archivbild). Bild: Keystone

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Ihr Motto klingt kompromisslos: «Wenn ich etwas anpacke, gehe ich bis ans Ende. Vorher gebe ich nicht auf.» Hinter dem radikalen Satz steckt eine Frau mit sanfter Stimme: Christine Bussat, 42, gelernte Schmuckverkäuferin aus Genf. Sie hat bereits einmal bewiesen, dass sie es ernst meint mit ihrer Devise. 2004 lanciert sie – ohne politische Erfahrung, ohne Expertenwissen, praktisch aus dem Nichts heraus – die Initiative «für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern».

Vier Jahre später, am Abstimmungsabend des 30. November 2008, steht sie als Siegerin im Rampenlicht: Volk und Kantone sagen Ja zu ihrem Anliegen. Die Unbekannte aus der Romandie verblüfft die Schweiz.

Jetzt ist sie wieder da, im Zentrum der Politik, kämpferisch wie damals. Am Donnerstag führt sie der Walliser SVP-Parlamentarier Oskar Freysinger auf die Zuschauertribüne im Nationalratssaal. Bussat verfolgt, wie die Abgeordneten drunten im Halbrund über ein Thema reden – es ist ihr Thema, ihr Anliegen, ihre Herzensangelegenheit: die Pädophilie-Initiative.

«Eine leidenschaftliche Person»

Vor zwei Jahren hat Bussat mit ihren Mitstreitern dazu mehr als 112 000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei abgeliefert. Nachdem feststeht, dass das Anliegen, Kinder besser vor pädophilen Straftätern zu schützen, im Plenum eine Mehrheit findet und der Rat Ja sagt zur Initiative, strahlen Bussats blaue Augen: «Ich freue mich enorm.»

Bussat sei «eine leidenschaftliche Person», sagt Freysinger, «sie geht aufs Ganze, sie ist eine Überzeugungstäterin im positiven Sinne des Wortes». Freysinger sitzt mit Bussat im Initiativkomitee, auch CVP-Präsident Christophe Darbellay macht mit.

Die Initiantin selber kennt keine parteipolitischen Berührungsängste. In jungen Jahren war sie eine Linke, überzeugtes Mitglied der Genfer Partei der Arbeit. Ihre Parteikollegen halfen ihr 2004 denn auch beim Sammeln der Unterschriften für die Unverjährbarkeits-Initiative. Doch als dann die SVP ebenfalls aufs Thema aufsprang und mithalf, Signaturen zu sammeln, zogen sie sich schmollend zurück.

«Kinder sind etwas wunderbares»

Bussat trat aus der Partei aus. Sie ist heute selbst von der SP enttäuscht, die ihrer neusten Initiative mehrheitlich skeptisch gegenübersteht, obwohl die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé Mitglied des Initiativkomitees ist. Mittlerweile, sagt Bussat, stehe sie ideologisch «irgendwo zwischen der SVP und der CVP».

Die Mutter eines 21-jährigen Sohnes, einer 16-jährigen Tochter und eines 14 Monate alten Mädchens handelt nicht aus direkter persönlicher Betroffenheit. «Ich engagiere mich für meine Kinder, sie sind meine Motivation. Kinder sind etwas Wunderbares, das niemand zerstören darf.»

Bei Anita Chaaban, Urheberin der Verwahrungs-Initiative, war das anders: Chaabans Göttikind war vergewaltigt worden, die Initiative war die Antwort auf das Verbrechen. Bussat hingegen sagt, eine Fernsehreportage über Pädophilie habe sie aufgeschreckt, es war vor über zehn Jahren, als in Belgien der Kinderschänder Marc Dutroux Schlagzeilen machte.

Sieben Tage geöffnet

Christine Bussat kümmert sich nicht nur um Politik, sondern auch um hungrige Gäste. In der Genfer Gemeinde Versoix betreibt sie das «Happy Days Coffee», das Pancakes, Bagels, Cheeseburger und andere amerikanische Spezialitäten anbietet.

Ihre Organisation Marche blanche gegen Kindsmissbrauch will sie auflösen, sobald über die Anti-Pädophilie- Initiative abgestimmt worden ist. Die Arbeit geht ihr bestimmt nicht aus: Ihre Imbissstube hat sieben Tage die Woche geöffnet. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.03.2013, 09:46 Uhr

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