Die Kuhfamilie ist ihnen heilig

Tierrechtler klagen gegen Swissmilk – wegen einer «unwahren» Aussage in einer Werbung der Milchhersteller.

Kälber von Milchkühen werden kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt.

Kälber von Milchkühen werden kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Bild: Keystone

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Ist das faire Werbung? Diese Frage stellt die Tierrechtsorganisation Animal Rights Switzerland. Auslöser ist eine neue Kampagne von Swissmilk, dem Dachverband der Schweizer Milchproduzenten. Auf dem Plakat, das für ein Quiz zur Schweizer Milch wirbt, sind fünf Kälber abgebildet, dazu der Hinweis: «Übrigens: Schweizer Kühe sind glückliche Kühe, dank Familienanschluss und Weidehaltung.»

Doch von Familienanbindung, monieren die Tierrechtler, könne keine Rede sein. Die Milchkühe würden von ihren Kälbern kurz nach deren Geburt getrennt, die Jungtiere würden in der Folge entweder isoliert im sogenannten Iglu aufgezogen oder für die Kalbfleischproduktion geschlachtet. «Kühe und Kälber leiden, weil wir sie in der Milchwirtschaft auseinanderreissen», sagt Animal-Rights-Sprecherin Céline Schlegel.

Die Aussage von Swissmilk bezeichnen die Tierrechtler als «irreführend und unwahr». Sie haben deshalb jüngst eine sogenannte Lauterkeitsklage gegen Swissmilk eingereicht. Adressat ist die Schweizerische Lauterkeitskommission, eine Institution der Kommunikationsbranche, die prüft, ob eine Werbung die Konsumenten in die Irre führt. Präsidiert wird die Kommission, die als neutral und unabhängig gilt, von der Freiburger CVP-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach.

«Für ein Kalb ist die Trennung nicht tragisch, weil eine Bindung zwischen ihm und der Kuh gar nicht erst entsteht.»Markus Ritter, Schweizerischer Bauernverband

Swissmilk selber hat sich zum Fall bislang nicht geäussert. Wie sich nun zeigt, ist sich der Dachverband aber keinerlei Verfehlung bewusst. Direktor Stephan Hagenbuch sagt auf Anfrage, der Ausdruck «Familienanschluss» beziehe sich auf die Situation der Schweizer Milchproduktion: «Wir haben hier keine Tierfabriken.» Die Schweizer Milchproduktion, so Hagenbuch, werde vielmehr von Bauernfamilien betrieben, die ihren Kühen Namen gäben.

«Faule Ausrede»

Support erhält Swissmilk vom Bauernverband. Präsident Markus Ritter taxiert die Werbung als unproblematisch. Unter «Familienanschluss» sei der Anschluss an die Bauernfamilie zu verstehen, und dieser sei gewährleistet. «Die Schweizer Bauern umsorgen ihre Kühe und Kälber in den allermeisten Fällen sehr gut», sagt Ritter, der für die CVP im Nationalrat politisiert. Der höchste Schweizer Bauer bestreitet nicht, dass bei den Kühen zur Milchproduktion die Kälber nach der Geburt sofort von der Mutter getrennt werden. Dies sei ein notwendiger Schritt, damit die Kühe ihre Milch in der geforderten Qualität produzieren könnten. «Für ein Kalb ist die Trennung nicht tragisch, weil eine Bindung zwischen ihm und der Kuh gar nicht erst entsteht», so Ritter. Ihre sozialen Kontakte würden die Kälber in der Folge mit den anderen Kälbern in ihrer Gruppe knüpfen.

Familienanschluss an die Bauern- statt an die Kuhfamilie? Tierrechtlerin Schlegel spricht von einer «faulen Ausrede»: «Für die Konsumenten ist klar, dass damit der Anschluss an die Kuhfamilie gemeint ist.» Die Lauterkeitskommission ihrerseits möchte der Beurteilung des Falls nicht vorgreifen. «Grundsätzlich», sagt Sprecher Thomas Meier aber, «muss ein Werber beweisen können, dass seine Behauptung zutrifft.» Es sei denn, es handle sich um eine für das Gros der Konsumenten offensichtliche Übertreibung wie etwa eine Kuh, die mit einem Schwimmreifen im Wasser strample.

Drohender Imageschaden

Die Lauterkeitskommission heisst durchschnittlich jede zweite Beschwerde gut. Der Entscheid im Fall Swissmilk dürfte bis im Herbst fallen. Sanktionen kann die Kommission nicht verhängen. Ihre Waffe ist vielmehr der Imageschaden, der einer unterlegenen Streitpartei droht, sollte sie sich um den Entscheid foutieren. «Wir geniessen eine sehr hohe Akzeptanz», sagt Meier. Entsprechend komme es auch nur äusserst selten vor, dass eine unterlegene Streitpartei den Entscheid der Kommission ignoriere. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2017, 19:22 Uhr

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