Analyse

Die Neuen

Eine neue Generation von Politikern drängt ins Bundeshaus. Einige von ihnen haben das Zeug zur Politkarriere.

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Lukas Reimann, Natalie Rickli, Christian Wasserfallen und Bastien Girod – sie waren vor vier Jahren die Neuen im Bundeshaus. Mittlerweile haben sie sich etabliert, und die nächste Generation steht in den Startlöchern. Dieses Jahr kandidieren so viele Jungpolitiker wie noch nie. Einige von Ihnen haben gute Wahlchancen, und manchen traut man eine glanzvolle Karriere zu.

Einer der aussichtsreichsten Jungkandidaten ist Cédric Wermuth, den die Aargauer SP auf den dritten Listenplatz gesetzt hat. Er hat gute Wahlchancen: Die Bisherige Doris Stump tritt nicht mehr an, und Wermuth ist durch zahlreiche Medienauftritte bekannt geworden. Der ehemalige Vizepräsident der SP Schweiz ist erst 25 Jahre alt, also jünger als Lukas Reimann bei Amtsantritt mit damals 25 Jahren. Den Jugend-Rekord hält Toni Brunner, der mit 21 Jahren Nationalrat wurde.

Der nächste Hämmerle?

Chancen, ab Dezember 2011 im Bundeshaus mitreden zu können, hat auch Jon Pult, der für die Bündner SP antritt. Zwar hat der 27-Jährige mit der Wiedereinsteigerin Silva Semadeni parteiintern gewichtige Konkurrenz, beide wollen den zurücktretenden Nationalrat Andrea Hämmerle beerben. Sollte es Pult diesmal nicht schaffen, rückt er vielleicht nach oder wird in vier Jahren gewählt. Leute, die ihn kennen, beschreiben ihn als charismatisch und als politisches Urgestein – damit wäre er ein würdiger Nachfolger des polarisierenden Biobauern und promovierten Juristen Andrea Hämmerle, der spätestens als Strippenzieher der Blocher-Abwahl 2007 schweizweit bekannt geworden ist.

Ebenfalls im Bündnerland tritt Martin Candidas für die CVP an. Der 31-Jährige, der seit fünf Jahren im Grossrat politisiert, hat gute Aussichten, den frei werdenden Nationalratssitz von Sepp Cathomen zu erben.

Ähnliche Chancen wie Natalie Rickli

Auch Aline Trede, die Berner Jung-Grüne hat gute Chancen auf den Sitz von Therese Frösch, die nicht mehr antritt. Trede hat sich in der AKW-Ausstiegsdiskussion einen Namen gemacht, einmal diskutierte sie in der vordersten «Arena»-Reihe gegenüber von Filippo Leutenegger mit. Die Nationalratskandidatin tritt gegen die erfahrene Berner Exekutivpolitikerin Regula Rytz an. Die Wahlchancen hängen auch damit zusammen, ob die Grünen in Bern einen Sitz zulegen können.

Auch die SVP hat Nachwuchs: Anita Borer (25) hat in Zürich den zweiten Listenplatz, Nadja Pieren (31) kandidiert in Bern. Borer ist in einer ähnlichen Ausgangslage wie Natalie Rickli, die vor vier Jahren vom zweiten Listenplatz aus ein sehr gutes Wahlresultat erreicht hatte. Sie ist allerdings weniger bekannt. Ob sie die Voraussetzungen für eine politische Ausnahmeerscheinung besitzt, ist fraglich. Kenner beschreiben sie als zurückhaltend, mit innerer Überzeugung, warmherzig und nicht selbstbezogen.

FDP muss noch vier Jahre warten

Hört man sich in der FDP nach vielversprechenden Jungkandidaten um, fällt immer wieder der Name Brenda Mäder. Die Thurgauerin gilt als vielversprechende Nachwuchspolitikerin: kontaktfreudig, durchsetzungsfähig, ansprechend. Die Wahlchancen für die 24-Jährige sind allerdings nicht so rosig: Sie tritt auf dem dritten Listenplatz, die Thurgauer FDP hat nur einen Sitz und Gewinne sind nicht wahrscheinlich.

Ebenso klein sind die Chancen des Stadtbasler Kandidaten Luca Urgese. Der 25-jährige Präsident der Jungfreisinnigen figuriert mit drei anderen Jungen hinter dem Bisherigen Peter Malama. Doch man könnte den italienischstämmigen Secondo in vier oder spätestens acht Jahren in Bern antreffen, heisst es. Er hat schon mehrmals erfolgreich die Initiative ergriffen, etwa für liberale Ladenöffnungszeiten in Basel.

Erstellt: 10.09.2011, 12:18 Uhr

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