«Der Hotelier darf die letzten Zimmer nicht selber verkaufen»

Quetschen Booking.com & Co. die Schweizer Hotels aus? Hotelier Thomas Kübli sagt, wie die Deals laufen und wie viel er und seine Kollegen abliefern müssen.

Gstaad Palace im Berner Oberland: Die Verträge von Booking.com legen den Hoteliers enge Fesseln an.

Gstaad Palace im Berner Oberland: Die Verträge von Booking.com legen den Hoteliers enge Fesseln an. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Wie wichtig sind Plattformen wie Booking.com für ein Schweizer Hotel?
Sehr wichtig. Die Plattformen haben eine derart starke Marktposition, dass ein Hotel es sich nicht mehr leisten kann, nicht dabei zu sein. Sie spielen den Hotels sehr viele Übernachtungen zu. Leider bringen sie nicht neue Gäste nach Bern, sondern verteilen nur die ­bereits existierende Nachfrage auf die verschiedenen Hotels.

Das ist für Sie als Hotelier unter Umständen doch ganz nützlich.
Wenn wir frei entscheiden könnten, wie und wann wir diese Plattformen ein­setzen, wäre das tatsächlich die schöne neue Hotelwelt. Die Plattform von ­Booking ist zweifellos sehr gut gemacht – es kommt nicht von ungefähr, dass sie in 20 Jahren die Nummer 1 wurde. Es gibt aber ein riesengrosses Aber.

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Nämlich?
Die Verträge dieser Plattformen legen uns sehr enge Fesseln an. Unter anderem schreiben sie uns die Last-Room-Availability vor: Der Hotelier darf sich die letzten Zimmer nicht für seine eigenen Verkaufskanäle aufsparen, sondern er muss sie auch auf der Online-Plattform anbieten. Ich würde meine letzten Zimmer aber lieber direkt verkaufen, um mit den gesparten Kommissionen ­Investitionen tätigen zu können.

Und was ist mit der Ratenparität, die CVP-Ständerat Pirmin Bischof nun per Motion verbieten will?
Sie bedeutet, dass ich auf meiner ­eigenen Website nicht billiger sein darf als auf den Online-Plattformen. Das schränkt meine unternehmerische Freiheit enorm ein. Man darf nicht vergessen, dass bei Buchungen über die Plattformen eine hohe Kommission fällig wird, die ich dem Kunden nicht weiterverrechnen kann.

Wie hoch sind diese Kommissionen?
In meinem Fall derzeit 12 und 15 Prozent des Zimmerpreises. Bei Booking kann ein Hotelier die Kommission aber auf bis zu 50 Prozent hochschrauben. Damit erkauft er sich eine bessere Platzierung im Ranking auf Booking.com.

Das Ranking entsteht also nicht aufgrund der Gästebewertungen?
Gästebewertungen sind nur ein Faktor im Ranking, ein anderer ist die Höhe der Kommission. Ein aktuelles Beispiel: Heute steht unser Hotel Ambassador im Ranking auf Rang 17 aller Berner Hotels. Würde ich die Kommission, die ich ­bezahle, auf 26 Prozent erhöhen, würde ich sofort auf Platz 1 steigen. Das habe ich soeben im Intranet überprüft.

Was passiert, wenn ein Hotel ­entgegen seiner Verträge mit den Plattformen auf seiner Website einen billigeren Preis offeriert?
Im Gegensatz zu früher habe ich hier in letzter Zeit keine Massnahmen erlebt. Im schlimmsten Fall können sie ein Hotel aber von der Plattform ausschliessen.

Die schönsten Schweizer Hotels:

Wenn einem Hotelier die Verträge nicht passen, kann er sie dann nicht einfach kündigen?
Diese Aussage wäre richtig, wenn diese Plattformen nicht eine monopolähnliche Stellung hätten. Das erlaubt es ihnen, sehr hohe Kommissionen zu verlangen. Ich fürchte, dass diese in Zukunft noch weiter steigen, je stärker die Marktdominanz einer Plattform wird.

Video – dieses Hotel setzt auf Roboter:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2016, 11:21 Uhr

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Thomas Kübli

Direktor der beiden Stadtberner Hotels Ambassador und City. Beide Häuser gehören zur Gruppe ­Fassbindhotels.ch.

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