Interview

«Die Patrouille Suisse ist viel mehr als Folklore»

Nationalrat und Pilot Thomas Hurter (SVP) äussert sich zum Plan von Bundesrat Ueli Maurer, die Patrouille Suisse abzuschaffen. Die Patrouille Suisse koste nicht viel, zudem könnten die Tiger länger im Einsatz bleiben.

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VBS-Chef Ueli Maurer will per 2016 die Patrouille Suisse abschaffen. Was meinen Sie dazu?
Thomas Hurter: Das ist eine ganz schlechte Idee. Es ist zwar bekannt, dass die Tiger-Flotte ausgemustert werden soll. Das muss aber nicht zwingend zur Abschaffung der Patrouille Suisse führen. Wir müssen nun alle Möglichkeiten ausloten, um die Patrouille Suisse zu erhalten.

Warum ist die Patrouille Suisse so unverzichtbar?
Die Patrouille Suisse ist die wichtigste Visitenkarte der Schweizer Armee im In- und Ausland. Und sie versinnbildlicht Präzision und ­Können der Schweizer Luftwaffe. Das wird auch im Ausland wahrgenommen. Insofern hat die Patrouille Suisse einen gewissen Dissuasionseffekt. Nicht zuletzt trägt sie zur Identifikation der Schweizer Bevölkerung mit der Armee bei. Fällt sie weg, verliert die Schweizer Armee weitere Sympathien. Die Patrouille Suisse ist viel mehr als Folklore.

Könnte es sein, dass Bundesrat Maurer taktiert? Etwa gemäss dem Motto: Wenn das Parlament an der Patrouille Suisse festhalten will, soll es gefälligst das Armeebudget erhöhen. Was kostet eigentlich die Patrouille Suisse?
Das Kostenargument fällt in sich zusammen, wenn man sich die Sache genauer anschaut. Die Vorführungen der Patrouille Suisse gehen zu Lasten des ordentlichen Flugtrainings, ihre Auftritte verursachen keine weiteren Flugkosten. Es entstehen eigentlich nur Kosten für den logistischen Aufwand im Zusammenhang mit den Vorführungen. Die Kosten der Patrouille Suisse sind sehr bescheiden. (In einer Interpellation aus dem Jahr 2008 ist von einem jährlichen Zusatzaufwand von 160'000 bis 180'000 Franken die Rede, Anmerkung der Redaktion.)

Was sind denn die Überlegungen von VBS-Chef Maurer, eine derart populäre Institution wie die Patrouille Suisse abschaffen zu wollen?
Das kann ich mir auch nicht erklären. Das müssen Sie ihn selbst fragen.

Das VBS hat angedeutet, dass es denkbar sei, mit den Gripen E, die zwischen 2018 und 2021 in die Schweiz geliefert werden sollen, und den vorhandenen F/A-18 einzelne Flugvorführungen vor Publikum zu machen. Was halten Sie von dieser Idee?
Das ist nicht dasselbe wie die Patrouille Suisse. Eine taugliche Lösung würde voraussetzen, dass es für die Kunstflugstaffel ein festes Team gibt. Und dass die Jets eine auffallende Bemalung haben. Die Flugzeuge der Patrouille Suisse sind rot mit dem Schweizer Kreuz bemalt. Auffällige Bemalungen passen allerdings nicht zum ursprünglichen Zweck der Kampfflugzeuge. Der Flugzeugtyp spielt eigentlich keine Rolle, sofern es Jets sind. Die PC-7-Flotte kann kein Ersatz sein, sie ist aber eine hervorragende Ergänzung. Für mich wäre es vorstellbar, dass die Tiger eine gewisse Zeit weiter im Einsatz bleiben. Die Schweiz hat den USA rund 50 Tiger verkauft, die ohne Probleme zu Trainingszwecken geflogen werden. Und die Amerikaner haben keine Absicht, diese Tiger auszuwechseln. Selbstverständlich müssen auch andere Lösungsmöglichkeiten geprüft werden.

Die Pläne von VBS-Chef Maurer haben bereits viele negative Reaktionen ausgelöst. Wie geht es im Parlament weiter mit der Patrouille Suisse?
Ich bin überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Bürgerlichen gegen die Abschaffung der Patrouille Suisse ist. Nachdem die Idee von Bundesrat Maurer publik geworden ist, formiert sich Widerstand. Und der Druck, Lösungen zu finden, wird steigen.

Erstellt: 13.02.2013, 12:01 Uhr

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«Die Patrouille Suisse trägt zur Identifikation der Schweizer Bevölkerung mit der Armee bei»: Nationalrat Thomas Hurter (SVP/SH), Pilot und Mitglied der nationalrätlichen Sicherheitskommission. (Bild: Keystone )

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