Die Pokerfreunde wehren sich vehement

Könnten Pokerturniere trotz negativem Gerichtsurteil bald legalisiert werden? Hoffnung macht der Branche eine SVP-Motion, die der Nationalrat bereits gutgeheissen hat.

Das Spiel mit den Karten und dem Geld: Die Pokerzsene lässt sich nicht so einfach abspeisen, denn auch Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Das Spiel mit den Karten und dem Geld: Die Pokerzsene lässt sich nicht so einfach abspeisen, denn auch Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Bild: Keystone

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In der Pokerszene fürchtet man um Arbeitsplätze. Und zwar um viele – «vielleicht mehrere Hundert», sagt Claudia Chinello, Geschäftsführerin von PokerAcademy.ch. Die Befürchtungen dürften begründet sein, wie eine Nachfrage bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) zeigt.

Den Kollaps abwenden

Nachdem das Bundesgericht entschieden hat, dass Poker der «Texas Hold’em Unlimited»-Variante ein Glücksspiel und damit konzessionspflichtig sei (TA vom Donnerstag), steht für die ESBK fest: Gegen gewerbsmässige Pokerturniere ausserhalb von Casinomauern wird künftig genauso vorgegangen wie gegen jede andere Art von illegalem Glücksspiel. «Das bedeutet: Wenn bei uns Anzeige erstattet wird, müssen wir der Sache nachgehen und gegebenenfalls Strafen verhängen», erklärt ESBKMitarbeiterin Andrea Wolfer, Leiterin der Untersuchungsabteilung.

Entsprechend fieberhaft suchen die Pokerunternehmer nun nach einer Möglichkeit, den drohenden Kollaps ihres Geschäfts abzuwenden. Morgen Samstag wollen die Exponenten der Szene bei einer Zusammenkunft das weitere Vorgehen beraten, wie Marc Horisberger, Chef des Zürcher Poker-Palace, bestätigt. Diskutiert wird dabei unter anderem über eine Volksinitiative, mit der das inkriminierte Kartenspiel per Verfassungsartikel legalisiert werden soll.

Bringt ein «Poker-Artikel» die Lösung?

Vielleicht erreichen die Pokerfreunde ihr Ziel aber auch auf einem weniger aufwendigen Weg. Bereits im März hat der Nationalrat nämlich eine Motion von Lukas Reimann (SVP, SG) für die «Entkriminalisierung des privaten Pokerspiels» gutgeheissen (der Ständerat entscheidet vermutlich erst in der Wintersession). Darin regt Reimann an, dass Poker im Rahmen einer Gesetzesrevision als «legales Geschicklichkeitsspiel» eingestuft wird. In diesem Fall wären auch Turniere möglich. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat einen «Poker-Paragrafen» bislang abgelehnt; freilich stammen ihre Stellungnahmen noch aus der Zeit vor dem Bundesgerichtsurteil. Ob der nunmehr drohende Arbeitsplatzverlust allenfalls eine Umbesinnung zur Folge haben könnte, war gestern beim Justizdepartement nicht zu erfahren.

So oder so werkelt Marc Horisberger vom Poker-Palace nicht nur an einer politischen, sondern auch an einer juristischen Gegenstrategie. Ansetzen will er bei den noch hängigen Gerichtsverfahren: Seit 2007 hat die ESBK «Texas Hold’em»-Turniere in vielen Fällen genehmigt, wurde dafür aber von den Casinos vor Gericht gezerrt. Da die meisten der Urteile noch ausstehen, will Horisberger die ESBK zum Thema Poker nun mit neuem Studienmaterial und zusätzlichen Dokumenten aufrüsten. Diese sollen die Richter zu differenzierten Urteilen über die vom Verbot bedrohten Anlässe führen.

Horisberger hofft, dass die ESBK diese Materialien auch wirklich vor Gericht zum Einsatz bringt. Bei der ESBK liess sich dazu gestern noch nichts in Erfahrung bringen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2010, 08:31 Uhr

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