Die SVP wünscht sich eine strengere Schule

Mehr Leistung und mehr Disziplin: Die SVP hat an einem Sonderparteitag eine Resolution zur Volksschule verabschiedet. Sie verlangt mehr Leistungstests – und Fremdsprachenunterricht nur in der Oberstufe.

Studiert eine Broschüre: Ein Teilnehmer des Sonderparteitags in Würenlos AG.

Studiert eine Broschüre: Ein Teilnehmer des Sonderparteitags in Würenlos AG. Bild: Keystone

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Die leistungsorientierte Volksschule muss die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen in der Berufslehre vorbereiten. Das hat die SVP Schweiz an einem Sonderparteitag in Würenlos AG gefordert. Es brauche mehr Leistung und Disziplin.

Die Berufs- und Lebenstauglichkeit müssten im Mittelpunkt der Ausbildung stehen und nicht akademischen Abschlüsse. Das duale Bildungssystem mit soliden, anspruchsvollen und praxisorientierten Berufslehren sei das bewährte Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit, hiess es am Sonderparteitag zum Thema «Berufswelt und Volksschule» weiter.

Fundament legen

Die Wirtschaft benötige bedarfsgerecht ausgebildeten Nachwuchs, um im Wettbewerb bestehen zu können. Das Fundament für überdurchschnittlich befähigte Berufsleute müsse bereits in der Volksschule gelegt werden.

Mit einem Katalog an Massnahmen will die SVP die Volksschule und Berufsbildung stärken. Schulnoten und die Förderung der Wettbewerbskultur seien unverzichtbar, heisst es in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Sie ist die Kurzform eines 75-seitigen Positionspapiers, das die Partei ausgearbeitet hatte.

Die Grundlagen in Mathematik und Deutsch müssten solide vermittelt und eingeübt werden. Der Fremdsprachenunterricht solle erst auf Beginn der Oberstufe einsetzen.

Der Unterricht an der Volksschule solle in der am Ort vorherrschenden Landessprache stattfinden. Ausländerkinder hätten Anrecht, bis zu einem Jahr einen intensiven Sprachunterricht zu besuchen. Erst danach sollten Fremdsprachige in eine Regelklasse eingeteilt werden.

Leistungswillen fördern

Die Schule habe Leistungswillen und Leistungsbereitschaft zu stärken. Leistungstests sollten fester Bestandteil des Unterrichts sein. Volksschüler sollten in der ganzen Schweiz Abschlussprüfungen bestehen.

Das Fach «Werken» müsse wieder eine grössere Bedeutung haben. Die SVP fordert weiter, in der Volksschule sollten Klassenlehrer die Schüler führen und die Verantwortung tragen. Die Schule müsse die Erziehungshoheit der Eltern respektieren.

Steuerentlastung für Ausbildungsbetriebe

Die kleinen- und mittleren Unternehmen (KMU) seien das Rückgrat der schweizerischen Volkswirtschaft, hält die Partei fest. Die KMU bildeten rund zwei von drei Lehrlingen aus. Ausbildungsbetriebe sollten steuerlich entlastet werden.

Die SVP macht sich in der Resolution ferner für eine leistungsabhängige Lehrlings-Entlöhnung als Ansporn für Spitzenleistungen stark.

Brunner kritisiert Schulbetrieb

Die Schule sei ein beliebtes Tummelfeld für Reformen und Experimente geworden, hielt Parteipräsident Toni Brunner fest. Frontalunterricht mit dem Klassenlehrer vor seiner Klasse sei passé.

Die Lehrerperson unterrichte nicht, sondern sei voll beschäftigt mit dem «Classroom-Management». Es gebe kein Drill, kein Vollstopfen von Vorne, sondern die Schüler sollten kreativ arbeiten und gestalten.

Der Lehrer als «Zeitablaufmanager im Classroom» habe weder Zeit noch sei es seine Überzeugung, das Gelernte einzuüben. Denn das selbstständige Entdecken sei wichtig. Das Einüben könne zu Hause bei stundenlangen Hausaufgaben erledigt werden.

Gehörschutz aufsetzen

Schülern, die sich im Durcheinander und Chaos nicht mehr konzentrieren könnten, werde empfohlen, sich einen Pamir, also ein Militär-Hörschutzgerät, aufzusetzen, hielt er fest. Es gebe Schulen, wo das zum Alltag geworden sei. Brunner sprach von einer «Pamir-Schule» – und zog sich unter Applaus der Parteibasis einen Pamir an.

Die Folgen solcher Bildungsideale würden langsam aber sicher spürbar. Bei einfachsten Kopfrechnungen oder beim Verstehen eines gelesenen Textes, stünden heute schon viele an. Noch schlimmer seien die grossen Lücken beim konzentrierten, vorsichtigen und sauberen Arbeiten, bemängelte Brunner. (mw/sda)

Erstellt: 15.06.2013, 23:49 Uhr

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