Die Schweiz hält sich nicht ans Kyoto-Protokoll

Tier- und Pflanzensterben, Luftverschmutzung, Bodenversiegelung. Ein neuer Bericht vom Bundesamt für Umwelt zeichnet ein düsteres Bild vom Schweizer Umweltschutz: Die wichtigsten Ziele wurden nicht erreicht.

Die Luftverschmutzung ist zu gross: Rauchender Kamin in Zürich.

Die Luftverschmutzung ist zu gross: Rauchender Kamin in Zürich. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bericht «Umwelt Schweiz 2011» zeichnet ein eher düsteres Bild vom Umweltschutz in der Schweiz: In Kernthemen wie dem Klimawandel und dem Erhalt der Biodiversität seien die Ziele bisher nicht erreicht worden. Seit dem Jahr 2000 mache die Schweiz nur noch wenige Fortschritte.

Der Bericht wurde vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und vom Bundesamt für Statistik (BFS) gemeinsam erarbeitet und heute veröffentlicht. Vor allem in den Kernthemen habe die Schweiz ihre Ziele bisher nicht erreicht, teilten die beiden Bundesämter mit – etwa beim Klimawandel und beim Erhalt der Biodiversität.

Bundesrat hat es so prophezeit

So sei die mit dem Kyoto-Protokoll eingegangene Verpflichtung – die Treibhausgase im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 um mindestens 8 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren – nicht erfüllt worden. Zwar ist der Verbrauch von Erdölbrennstoffen zwischen 1990 und 2009 um 23 Prozent zurückgegangen; dafür wurden im gleichen Zeitraum 16 Prozent mehr Treibstoffe und 68 Prozent mehr Erdgas verbraucht.

Der Bundesrat hatte bereits Anfang Juni mitgeteilt, dass die Schweiz die Kyoto-Ziele voraussichtlich verfehlen wird. Sie soll nun zusätzlich ausländische Emissionszertifikate erwerben, um die Verpflichtungen dennoch zu erfüllen.

236 Arten sind ausgestorben

Ebenfalls nicht gelungen ist es, den Verlust an Tier- und Pflanzenarten und den Rückgang von deren Lebensräumen aufzuhalten. Schuld daran sind laut Bericht die wachsenden Siedlungsflächen, die zunehmende Bodenversiegelung und die intensive Landwirtschaft.

In der Schweiz gibt es rund 40'000 bekannte Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen - etwa 13'500 sind untersucht und inventarisiert worden. Davon stehen 3700 auf der roten Liste der gefährdeten Arten, und 236 Arten sind bereits ausgestorben oder verschwunden.

Zur Sorge Anlass gibt auch die Belastung der Luft. Die Grenzwerte von Feinstaub, Ozon und Stickstoffoxid würden «nach wie vor regelmässig und teilweise deutlich überschritten», schreiben die Bundesämter. Zudem fänden sich in Gewässern noch immer Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Medikamenten und Putzmitteln.

Wasser «im Grossen und Ganzen» gut

Positiv ins Gewicht fällt hingegen die Tatsache, dass die Grenzwerte der meisten Luftschadstoffe eingehalten werden und Qualität der meisten Oberflächengewässer und des Grundwassers «im Grossen und Ganzen gut» ist.

Zudem sei die Umweltbelastung durch Schwermetalle und Dioxine zurückgegangen, und die Sanierung der Altlasten schreite voran. Der Wermutstropfen: Die meisten Fortschritte wurden vor dem Jahr 2000 erreicht. «Seither hat sich die Situation in manchen Bereichen nicht wesentlich verbessert», heisst es in der Mitteilung zum Bericht.

«Graue Energie»

Die Umweltbelastungen betreffen nicht nur die Schweiz selbst - sie werden zunehmend ins Ausland verlagert, etwa durch den Abbau von Rohstoffen, die Herstellung von Produkten und den Transport.

Diese sogenannte indirekte oder «graue Energie» wird laut Bericht immer wichtiger, da die Schweiz immer mehr Endprodukte importiert: Seit 1990 ist der Anteil importierter Rohstoffe um 2 Prozent gesunken, während die Einfuhr von Endprodukten um 61 Prozent zugenommen hat. (kle/sda)

Erstellt: 13.07.2011, 10:36 Uhr

Artikel zum Thema

Wirtschaftswachstum bringt den Schweizer Klimaschutz in Bedrängnis

Die Schweiz wird die Klimaziele des Kyoto-Protokolls vermutlich verfehlen. Eine Gesetzesänderung und der Klimarappen könnten Abhilfe schaffen. Mehr...

Die Schweiz verpasst den Kyoto-Zielwert

Die Schweiz konnte im Jahr 2009 den Treibhausgas-Ausstoss um mehr als eine Millionen Tonnen senken. Trotzdem wurde das Kyoto-Reduktionsziel verfehlt. Mehr...

Wie man Kyoto erreichen könnte

Klimakonferenz: Das Erdöl ist bald Geschichte. Das eröffnet neue Perspektiven. Mehr...

Blog

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...