Hintergrund

«Die Schweiz ist massgeblich am Erfolg der OPCW beteiligt»

Der Schweizer Stefan Mogl war einer der ersten Inspektoren und Laborchef der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW), die den Friedensnobelpreis erhält. Er zeigt sich überrascht und stolz.

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«Das ist sehr überraschend gekommen», sagt Stefan Mogl zur Verleihung des Friedensnobelpreises 2013 an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Heute Vormittag, etwa zwanzig Minuten vor der Bekanntgabe in Oslo, habe ihm ein Journalist des deutschen WDR telefoniert und gesagt, dass es bestätigte Gerüchte gebe, wonach die OPCW den Friedensnobelpreis erhalten werde. So kam es dann auch. «Ich bin sehr stolz», sagt Mogl, der die OPCW aus eigener Erfahrung sehr gut kennt. Der Leiter des Fachbereichs Chemie des renommierten Labors Spiez gehörte zu den ersten Chemiewaffeninspektoren der Organisation mit Sitz in Den Haag. Zudem war er Laborchef und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der OPCW.

Erfolgreicher Abrüstungs- und Rüstungskontrollvertrag

Mogl spricht von einer guten Wahl des Nobelkomitees. Die OPCW, die bisher im Schatten der Öffentlichkeit gearbeitet habe, habe in relativ kurzer Zeit sehr viel erreicht. Die Chemiewaffenkonvention von 1997 sei der umfangreichste Abrüstungs- und Rüstungskontrollvertrag mit einem unabhängigen Überprüfungsmechanismus. «Die OPCW hat es geschafft, dass Chemiewaffen weltweit geächtet werden», sagt Mogl. Mit Syrien werde nächste Woche das 190. Land der Chemiewaffenkonvention beitreten.

Der OPCW sei es gelungen, praktisch alle C-Waffen-Produktionsanlagen und Chemiewaffenbestände zu inventarisieren, sodass diese kontrolliert vernichtet werden können. Bisher seien etwa 80 Prozent aller Chemiewaffen weltweit vernichtet worden. Wie Mogl betont, geht die Chemiewaffenkonvention allerdings noch weiter. Das Ziel sei, dass nie mehr toxische Chemikalien als Waffen in militärischen Konflikten eingesetzt werden könnten. Das sei ein zentrales Argument für die Verleihung des Friedensnobelpreises an die OPCW, vermutet Mogl. Ein weiteres Argument sei, dass die OPCW bewiesen habe, dass Multilateralismus funktioniere. In der OPCW gebe es keine Vetorechte, die Mitgliedsstaaten der Organisation entschieden nach dem Konsensprinzip. Der frühere Chemiewaffeninspektor hofft, dass die OPCW nicht zum Spielball der internationalen Politik wird, nachdem sie wegen des Friedensnobelpreises ins Rampenlicht gerückt ist. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass das nicht passiert.

Zunächst Chemiewaffeninspektor, dann Laborchef der OPCW

Mogl war dabei, als die OPCW am 29. April 1997 mit bis dahin 65 beigetretenen Staaten in Den Haag ihren Betrieb aufnahm. Der Spezialist für analytische Chemie absolvierte zunächst eine fünfmonatige Ausbildung zum Chemiewaffeninspektor. Danach arbeitete Mogl während dreier Jahre als C-Waffeninspektor, mit Ausnahme von Australien führte er auf allen Kontinenten Inspektionen durch. Dabei kontrollierte er auch zivile Industrieanlagen. Die Hauptaufgabe war jedoch, zu kontrollieren, dass ehemalige C-Waffen-Produktionsanlagen nicht mehr funktionstüchtig sind und die Vernichtung von Chemiewaffen zu überwachen. Es ging also um das, was die Inspektoren der OPCW derzeit in Syrien tun. Die Arbeit als Chemiewaffeninspektor sei eine anspruchsvolle, aufreibende Tätigkeit, sagt Mogl. «Man ist sehr viel unterwegs und nicht unbedingt an den schönsten Orten der Welt.» Neben Mogl sind bisher zwei weitere Schweizer als Chemiewaffenkontrolleure für die OPCW tätig gewesen.

Im Jahr 2000 übernahm Mogl die Leitung des OPCW-Labors in Den Haag. Fünf Jahre später kehrte er in die Schweiz zurück. Und er erhielt eine neue Funktion als Chemiewaffenexperte im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Seit 2007 wirkt Mogl als Leiter des Fachbereichs Chemie des Labors Spiez.

Mitarbeit im wissenschaftlichen Beirat der OPCW

Der frühere Chemiewaffeninspektor ist heute noch mit der OPCW verbunden. Er ist Mitglied von drei Arbeitsgruppen, die Expertisen für den wissenschaftlichen Beirat der OPCW erarbeiten. Diesem Beirat gehörte er sechs Jahre an, zuletzt, von April 2012 bis Juni 2013, als Vorsitzender. Dem wissenschaftlichen Beirat kommt die Aufgabe zu, die Generaldirektion des OPCW in allen technischen Fragen zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention zu beraten. Die OPCW arbeitet mit Forschungsinstituten in aller Welt zusammen. Dazu gehört in zahlreichen Fällen auch das Labor Spiez. Im vergangenen September machte es Analysen zu den Proben, die ein UNO-Team nach dem Giftgaseinsatz nahe Damaskus in Syrien gesammelt hatte.

Die Schweiz geniesse dank ihrem Know-how hohes Ansehen in der OPCW und sie habe dort einen relativ grossen Einfluss, sagt Mogl. «Die technische und politische Schweiz als Ganzes hat die OPCW seit den Anfängen massiv unterstützt, sie ist massgeblich am Erfolg der OPCW beteiligt.» Die Schweiz und die Schweizer Abrüstungsdiplomatie könnten sehr stolz sein über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die OPCW. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 17:21 Uhr

«Die OPCW hat es geschafft, dass Chemiewaffen weltweit geächtet werden»: Stefan Mogl, Leiter des Fachbereichs Chemie des Labors Spiez und früherer Chemiewaffeninspektor der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag.

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