Interview

«Die Stimmbürger haben zweimal gegen eine zweite Röhre gestimmt»

Die Alpeninitiative und Partner-Organisationen haben heute ihre Petition gegen die zweite Gotthardröhre übergeben. Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpeninitiative, über die Chancen, das Bauwerk zu verhindern.

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Herr Arnold, heute hat die Alpeninitiative bei der Bundeskanzlei ihre Petition gegen die zweite Gotthardröhre übergeben. Mit den seit dem 11. Januar gesammelten 68'000 Unterschriften sind Sie mehr als referendumsfähig. Wie wahrscheinlich ist ein Referendum?
Wenn der Bundesrat die bisherigen Beschlüsse bestätigt und das Parlament dem folgt, dann gehen wir davon aus, dass wir ab Herbst 2014 für das Referendum Unterschriften sammeln werden. Angesichts der aktuellen Petition sind wir zuversichtlich, dass wir die nötige Anzahl Unterschriften zusammenbekämen.

Was können Sie mit der heute einzureichenden Petition bewirken?
Wir geben der Bevölkerung in Form dieser einfachen Petition die Möglichkeit, sich bei der laufenden Vernehmlassung zu beteiligen. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen, damit der Bundesrat – wenn er die Resultate der Vernehmlassung betrachtet – dies entsprechend gewichten und berücksichtigen kann. Eine zweite Röhre gefährdet die ganze Verlagerungspolitik, und das wollen wir verhindern. Zudem geht es nicht nur um den teuren Bau der Röhre, sondern auch um den Unterhalt von jährlich 25 bis 40 Millionen Franken pro Jahr. Die Folgekosten von solchen Projekten werden gerne ausgeblendet.

Wie stehen Ihrer Ansicht nach die Chancen, den Bau der zweiten Gotthardröhre zu verhindern?
Die Erfahrung zeigt: Bundesrat und Parlament lassen sich unter dem Druck einiger Lobbyisten immer wieder blenden oder zu irgendetwas hinreissen. Das Volk hat einen Ausbau am Gotthard jedoch schon verschiedentlich gebremst. So auch das Tessin. Dort tun Regierung, Kantonsparlament und Bundesparlamentarier so, als sei die Bevölkerung für den zweiten Gotthard-Strassentunnel. Dabei hat sie stets dagegen gestimmt. Im Kanton Uri wurde das Projekt sogar fünfmal verworfen. Auch auf nationaler Ebene haben die Stimmbürger zweimal gegen eine zweite Röhre gestimmt. Ich denke, dass sie einmal mehr den Kurs der Politiker korrigieren müssen.

Trotzdem hiess es wiederholt, dass ein Meinungsumschwung in der Bevölkerung zugunsten der zweiten Röhre stattgefunden hat. Nicht zuletzt wegen der einmonatigen Sperrung der Gotthard-Bahnlinie wegen eines Felssturzes. Was ist da dran?
Ich denke, dass die Schweizer Stimmbürger nach wie vor kritisch gegenüber der zweiten Gotthardröhre eingestellt sind. Wir werden es sehen, wenn sie dazu Stellung nehmen müssen. Dann werden die Stimmberechtigten genau gewichten, ob es sinnvoll ist, am Gotthard für die 17'000 Fahrzeuge pro Tag eine zweite Röhre zu bauen. Oder ob man das Geld besser in den Agglomerationen verwendet, wo die Verkehrsprobleme viel grösser sind.

Wie sollen denn Engpässe auf der Gotthardroute angegangen werden, wenn es einen Felssturz wie etwa letztes Jahr gibt?
Jedenfalls nicht mit einer zweiten Gotthardröhre. Sie würde kapazitätsmässig ohnehin nichts bewirken, weil laut dem Bundesrat nur zwei von vier Spuren geöffnet sein sollen. Und wenn man zudem – wie beispielsweise 2005 – bei Gurtnellen die Strasse wegen eines Felssturzes sperrt, bringt eine zweite Strassenröhre zwischen Göschenen und Airolo ebenfalls nichts. Wenn man die Verfügbarkeit der Strasse verbessern möchte, würde ein Tunnel zwischen Amsteg und Wassen wahrscheinlich mehr bringen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, dass es schon heute die Doppelstruktur Strasse-Schiene gibt. Wenn das eine ausfällt, steht das andere zur Verfügung.

Erstellt: 18.04.2013, 14:57 Uhr

Will die zweite Gotthardröhre verhindern: Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpeninitiative. (22. März 2012) (Bild: Keystone Lukas Lehmann)

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