Die Ventilklausel bekommt dem Schweizer Gemüse nicht gut

Auf dem Hof von Thomas Wyssa arbeiten sechs Erntehelfer aus Portugal. Was passiert mit ihnen, wenn der Bundesrat morgen die Anwendung der Ventilklausel verkündet?

Hat viele Anfragen aus dem Ausland: Gemüseproduzent Thomas Wyssa aus Galmiz beschäftigt während der Erntezeit Helfer aus Portugal.

Hat viele Anfragen aus dem Ausland: Gemüseproduzent Thomas Wyssa aus Galmiz beschäftigt während der Erntezeit Helfer aus Portugal. Bild: Urs Baumann

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Auf 18 Hektaren pflanzt Thomas Wyssa in Galmiz FR Gemüse an. Zwanzig Sorten hat er im Angebot. Neben ihm und seiner Familie packen Lehrlinge, Teilzeitangestellte sowie zwölf Festangestellte mit an. Soeben hat Wyssa zusätzliche Verstärkung erhalten: Sechs Männer aus Portugal arbeiten während der Ernte auf dem Hof, danach kehren sie in die Heimat zurück. Als Kurzaufenthalter haben sie eine L-Bewilligung. Seit 30 Jahren zählt man auf dem Hof Wyssa auf die saisonale Unterstützung aus Portugal. In der Regel sind es dieselben Männer, die jedes Jahr hierherkommen, weil sie hier mehr verdienen als daheim. Auf dem Hof in Galmiz wird Französisch gesprochen. «Das erleichtert die Verständigung», sagt Thomas Wyssa. «Unterdessen verstehen wir aber auch Portugiesisch.» Die sechs Männer haben eine Unterkunft auf dem Betrieb.

«Im Sommer sind die Gemüseproduzenten auf zusätzliche Arbeitskräfte angewiesen», sagt Moana Werschler vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten. Es seien meist wiederkehrende Arbeiter, die den Betrieb kennen würden. Die Erntehelfer kommen aus Spanien, Portugal oder Rumänien. Aber der weitaus grösste Teil, nämlich 80 Prozent, kommt aus Polen. Dass für dieses Land bereits die Ventilklausel in Kraft ist, hat die Gemüseproduzenten kaum betroffen, denn für Kurzaufenthalter galt sie bisher nicht. Doch jetzt könnten auch diese L-Bewilligungen kontingentiert werden. «Dann haben wir Anfang nächstes Jahr ein Problem», stellt Werschler klar. Die Gemüseproduzenten müssten dann aus anderen Ländern Erntehelfer rekrutieren. «Der administrative Aufwand für ein einziges Jahr wäre nicht gerechtfertigt», so Werschler.

Im Inland finde man nicht genügend Erntehelfer. Das bestätigt Thomas Wyssa. «Bei unserer Arbeit haben wir lange Präsenzzeiten», erklärt er. Auf seinem Betrieb beginnt die Arbeit morgens um sechs, damit das Gemüse rechtzeitig und frisch im Laden ist. Aus dem Ausland aber treffen immer wieder Anfragen bei Wyssa ein. Werde die Ventilklausel eingeführt, so Werschler, sei schlimmstenfalls mit weniger inländischem Gemüse und höheren Preisen zu rechnen.

Erstellt: 09.04.2013, 15:43 Uhr

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Dank Personenfreizügigkeit leben und arbeiten derzeit viele EU-Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz. Spätestens bis Ende April entscheidet der Bundesrat, ob er mit der Ventilklausel ein Zeichen gegen die Zuwanderung setzen will.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet stellt in einer Miniserie drei Betroffene vor: das Berner Inselspital, den Gemüseproduzenten Thomas Wyssa und die Akademikerin Irmtraud Huber.

Aufenthaltsbewilligungen

EU-8
(Periode 1. Mai bis 30. April)
EU-17
(Periode 1. Juni bis 31. Mai)

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