«Die Versandhändler haben selber Interesse am Rücktrittsrecht»

Für Konsumentenschützerin Sara Stalder stärkt ein Rücktrittsrecht das Vertrauen in den Onlinehandel.

Die Pädagogin und frühere Schulleiterin Sara Stalder leitet seit Anfang April 2008 die Geschäftsstelle der 1964 gegründeten Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Die Pädagogin und frühere Schulleiterin Sara Stalder leitet seit Anfang April 2008 die Geschäftsstelle der 1964 gegründeten Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

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Im Gegensatz zum Telefonverkauf übt bei Onlinebestellungen niemand Druck auf den Käufer aus. Wieso braucht es ein Rücktrittsrecht?
Weil es Anbieter im Internet leicht schaffen, die Kunden zu verschaukeln. Mit wunderbaren Bildern und Präsentationen können sie die Produkte so verstellen, dass sie nicht mehr dem entsprechen, was am Schluss tatsächlich geliefert wird. Zudem lassen sich Produkte online nicht testen, was die Grösse oder das Material angeht.

Wenn ich Schuhe anprobieren will, gehe ich in den Laden. Niemand zwingt mich, online zu bestellen.
Tatsache ist einfach, dass immer mehr Leute online einkaufen und dass das Internet der Verkaufskanal der Zukunft ist. Wenn die Versandhändler das Vertrauen der Kunden gewinnen wollen, habe sie selber Interesse an einem einheitlichen Rücktrittsrecht. Vor allem den grossen Anbietern muss es doch wichtig sein, schwarze Schafe zu eliminieren.

Die Branche sagt, es brauche kein Gesetz, weil die meisten Anbieter ein Rücktrittsrecht hätten oder sich kulant zeigten.
Das Problem ist, dass die Onlinehändler das Rücktrittsrecht gar nicht oder sehr unterschiedlich regeln. So wird es für die Konsumenten völlig unübersichtlich: Innerhalb welcher Frist muss der Kauf widerrufen werden? An welche Adresse ist das Produkt zurückzusenden? Eine gesetzliche Bestimmung hat den Vorteil, dass solche Fragen klar und einheitlich geregelt sind.

Die Ombudsstelle der Onlinehändler sagt jedoch, es gebe in der Praxis kaum Probleme.
Diese Stelle ist von der Branche nur gegründet worden, um die nun geplante gesetzliche Regelung zu verhindern. Sie ist nicht massgebend.

Wie gross sind die Probleme denn tatsächlich?
Der Onlinehandel ist bei uns ein Dauer­thema. Es meldet sich im Schnitt jeden zweiten Tag jemand, der irgendwelche Schwierigkeiten mit der Rücksendung von online bestellten Artikeln hat.

Gibt es bei Bestellungen aus dem Ausland auch ein Rücktrittsrecht?
Die EU kennt das Rücktrittsrecht seit rund zehn Jahren. Zwar ist es soeben revidiert worden. Die Händler können neu verlangen, dass die Kunden das Porto beim Rückversand selbst bezahlen müssen. Aber das Rücktrittsrecht funktioniert, auch grenzüberschreitend.

Wenn ich also etwas in Frankreich oder Deutschland bestelle, kann ich es problemlos zurückschicken?
Ja. Das Problem besteht, wenn schon, darin, dass Sie das Produkt gar nicht im Ausland bestellen können, sondern nur beim Schweizer Ableger, der höhere Preise verlangt. Mit Absprachen schotten viele Anbieter den Schweizer Onlinemarkt ab und zementieren so die Hochpreisinsel.

Und wie funktioniert das Rücktrittsrecht bei Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern?
Da gibt es keine einheitlichen Regeln. Umso mehr müssen sich die Kunden vor dem Kauf über die allgemeinen Geschäftsbedingungen informieren.

Erstellt: 18.06.2014, 06:48 Uhr

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