Die begleitete Sterbehilfe nimmt zu

Wer Sterbehilfe in Anspruch nimmt, leidet in den meisten Fällen an Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit. Das zeigt eine Auswertung.

Beihilfe zur Selbsttötung: Menschen wählen vermehrt diesen Weg. (Archiv)

Beihilfe zur Selbsttötung: Menschen wählen vermehrt diesen Weg. (Archiv) Bild: Keystone

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Heute veröffentlilchte Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) der begleiteten Suizide in den Jahren von 2010 bis 2014 beweisen, dass diese Fälle von Jahr zu Jahr zunehmen.

Depressionen sind nur bei 3 Prozent der betroffenen Menschen der Anlass, mit Hilfe von Exit oder einer anderen Organisation aus dem Leben zu scheiden. In 40 Prozent der Fälle findet sich Krebs als Grundkrankheit, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) heute mitteilte. Bei jedem siebten assistierte Suizid liegt eine Erkrankungen des Nervensystems vor. Dazu gehören Parkinson, MS oder Alzheimer.

Starker Trend nach oben

Assistierter Suizid heisst Beihilfe zur Selbsttötung. Dabei geht es darum, einer suizidwilligen Person eine tödliche Substanz zu vermitteln, die sie ohne Fremdeinwirkung selber einnimmt. Nicht zuletzt wegen der Alterung der Bevölkerung wählen immer mehr Menschen diesen Weg.

2014 stieg die Zahl der begleiteten Suizide gegenüber dem Vorjahr um über ein Viertel auf 742, wie aus der bereits im Juni publizierten Todesursachenstatistik des BFS hervorging. Für 2015 ist ein weiterer kräftiger Anstieg zu erwarten, meldet doch alleine Exit für jenes Jahr fast 1000 Fälle. Das entspricht einem Plus von 30 Prozent.

Kanton Zürich führend in der Statistik

Trotzdem bleibt die Freitodbegleitung relativ selten. 2014 entschieden sich von allen Verstorbenen in der Schweiz 1,2 Prozent dafür. Bezogen auf die Wohnbevölkerung entspricht dies 10 von 100'000 Männern und 9 von 100'000 Frauen. In absoluten Zahlen sind es 320 Männer und 422 Frauen.

Den höchste Anteil von assistiertem Suizid registrierte das BFS zwischen 2010 und 2014 bei Personen mit Wohnsitz im Kanton Zürich mit 1,4 Prozent der Todesfälle. Über dem Durchschnitt (0,8 Prozent) liegen auch Genf, Neuenburg, Appenzell Ausserrhoden, die Waadt und Zug.

Stabile Suizidraten

Jede urteilsfähige Person kann unabhängig vom Alter Sterbehilfe beanspruchen. In der Periode 2010 bis 2014 waren 94 Prozent der Betroffenen 55-jährig oder älter. Ein halbes Prozent der Sterbehilfefälle betraf unter 35-Jährige.

Demgegenüber betrifft Suizid ohne Sterbehilfe alle Altersgruppen, wie das BFS in einem Kapital zu den eigentlichen Selbsttötungen schreibt. Was die Ursachen anbelangt, so weisen die Nennungen bei mehr als der Hälfte auf eine Depression hin.

2014 nahmen sich 1029 Personen das Leben (ohne Sterbehilfe), 754 Männer und 275 Frauen. Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids hat sich zwischen 1991 und 2010 nahezu halbiert. Seither scheint dieser Trend zum Stillstand gekommen zu sein. Seit fünf Jahren sind die Suizidraten relativ stabil. (fal/sda)

Erstellt: 11.10.2016, 13:38 Uhr

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