Hintergrund

«Die beiden Mitbewerber sollen nicht um Patienten kämpfen»

Die Rega befindet sich im Konflikt mit dem TCS, der neu Rettungsflüge anbietet. Der Interverband für Rettungswesen, bei dem beide Rettungsdienste Mitglieder sind, äussert sich dazu.

Kampf am Himmel: Der neue Flugrettungsdienst des TCS (links) stösst bei der Rega (rechts) auf keinerlei Gegenliebe.

Kampf am Himmel: Der neue Flugrettungsdienst des TCS (links) stösst bei der Rega (rechts) auf keinerlei Gegenliebe. Bild: TCS/Keystone

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Zwischen der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) und dem Touring Club Schweiz (TCS) tobt ein Konkurrenzkampf (wir berichteten), denn seit kurzem bietet die TCS-Tochter Alpine Air Ambulance (AAA) ebenfalls Rettungsflüge an. Rega-Chef Ernst Kohler glaubt, dass «Doppelspurigkeiten in der Luftrettung keinen Mehrwert für die Bevölkerung und die Patienten bringen». Hingegen meint TCS-Sprecher Moreno Volpi: «Der TCS will die Rega bei den Primäreinsätzen nicht konkurrenzieren, die Rega macht da einen sehr guten Job.» Dies hindere den TCS aber nicht daran zu helfen, wenn es um Leben und Tod gehe und wenn sein Helikopter im Kanton Aargau am nächsten bereitstehe.

Sowohl die Rega als auch die AAA sind Mitglieder des Interverbands für Rettungswesen (IVR). Bei diesem hat die Rega eine volle Anerkennung als Flugrettungsdienst, die AAA derzeit noch eine mit Auflagen, wie Bereichsleiter Marcel Schättin auf Anfrage sagt. «Wenn die TCS-Tochter innerhalb eines Jahres nach der Anerkennung die nötigen Qualitätskriterien erfüllen kann, erhält sie für die restlichen drei Jahre eine volle Anerkennung.»

Denjenigen aufbieten, der schneller vor Ort ist

Was hält man beim IVR vom Streit zwischen Rega und TCS? «Es soll nicht darum gehen, dass die beiden Mitbewerber um Patienten kämpfen. Deren Wohlergehen hat oberste Priorität», so Schättin. Wenn beide Flugrettungsdienste über die gleichen Überprüfungen und Bewilligungen sowie Leistungsaufträge von Kantonen verfügten, mache es Sinn, die am nächsten gelegene Organisation aufzubieten.

Ende März war jedoch das Gegenteil der Fall: Im aargauischen Windisch war ein Kindergärtler in einen Unfall mit einem Lastwagen verwickelt. Damals wurde nicht der Helikopter der TCS-Tochter Alpine Air Ambulance aufgeboten, der im Birrfeld – zwei Flugminuten vom Unfallort entfernt – stationiert war. Stattdessen wurde die Rega gerufen, die aus Basel anflog und dafür 15 Minuten brauchte. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob eine schnellere medizinische Versorgung das Leben des Kindes hätte retten können. Auch Rega und TCS beziehen sich in ihrem Konflikt auf diesen tragischen Vorfall. Dies verurteilt Schättin: «Der Streit soll nicht auf dem Buckel der Familie des Jungen ausgetragen werden.» Auch allgemein ist Schättin der Ansicht, dass ein solcher Streit nicht auf Kosten der Patienten gehen soll.

Einheitliche Notrufzentrale wichtig

Wie Schättin weiter erklärt, spielen die Alarmierung und die damit verbundene Zeit bis zum Eintreffen am Einsatzort eine wichtige Rolle. «Eine zentrale Koordinationsstelle wäre darum sicherlich sinnvoll und würde die Prozesse und die Zusammenarbeit mit den Zentralen der Notrufnummer 144 vereinfachen. Es ist wichtig, dass sämtliche Rettungsdienste zusammen gute Arbeit leisten im Sinne der Patienten.»

Ob die AAA mit ihrem einzigen Helikopter überhaupt eine ernsthafte Konkurrenz für die Rega mit ihren 17 Helikoptern ist, dazu kann Schättin aufgrund der Funktion des IVR nicht Stellung nehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 17:34 Uhr

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