Die denkwürdigsten Begegnungen am WEF

Mit Hassan Rohani und Benjamin Netanyahu kommen Spitzenpolitiker verfeindeter Länder nach Davos. Kommt es gar zu einem Treffen? Beim WEF gab es schon bedeutende, sogar historische Momente.

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Das World Economic Forum (WEF) präsentiert eine Teilnehmerliste mit vielen politischen Schwergewichten – und mit einer besonders brisanten Konstellation. Unter den 50 Staats- und Regierungschefs, die in einer Woche nach Davos kommen, sind auch Hassan Rohani und Benjamin Netanyahu, der Präsident des Iran und der Regierungschef Israels. Die beiden Länder pflegen seit über drei Jahrzehnten eine erbitterte Feindschaft. Auch der neue Mann in Teheran, der sich wohltuend von seinem Vorgänger Mahmoud Ahmadinejad unterscheidet, vermochte bisher nicht, das Misstrauen auf israelischer Seite zu zerstreuen. Netanyahu ist der Ansicht, dass die Amerikaner bei den Atomverhandlungen dem Iran zu stark entgegengekommen sind.

Was passiert, wenn sich Rohani und Netanyahu begegnen?

Am WEF werden Netanyahu und Rohani als Redner auftreten, und zwar am selben Tag, am Donnerstag, 23. Januar. Am Vormittag spricht Rohani über das Verhältnis des Iran zur Welt, und am Nachmittag referiert Netanyahu über die wirtschaftlichen und politischen Perspektiven Israels. Offiziell kommen Netanyahu und Rohani am WEF aneinander vorbei. Dennoch kann eine Begegnung der beiden Kontrahenten nicht ausgeschlossen werden. Und was passiert, wenn Netanyahu – im Kongresszentrum oder sonstwo in Davos – Rohani entgegenkommt? Gehen sie aneinander vorbei, ohne sich eines Blickes zu würdigen? Gibt es vielleicht einen Händedruck? Und wird das alles dokumentiert und fotografiert?

«Historisch betrachtet ist das der Stoff, aus dem die Davos-Konferenzen gemacht sind», schreibt Eitan Avriel, Kommentator der israelischen Zeitschrift «The Marker», zum WEF 2014. «Heute, in einer Welt fast ohne Kriege, sind die beiden führenden diplomatischen Figuren, die noch hübsche Schlagzeilen machen können, Rohani und Netanyahu.» Avriel erinnert an eine WEF-Ausgabe zu Beginn der 1990er Jahre, als die Veranstalter den Versuch unternahmen, Israels Aussenminister Schimon Peres und Palästinenserführer Yassir Arafat in den selben Raum zu stecken. Bis heute sind an Wänden der Hotels in Davos Fotos zu sehen, die diesen Versuch dokumentieren.

Denkwürdige Treffen, politische Erfolge

Neben solchen Anekdoten liefert die über 40-jährige Geschichte des WEF auch denkwürdige Treffen, die sich als politische Erfolge erwiesen. Ab Mitte der 1980er Jahre bot sich das WEF zunehmend als Plattform für die Lösung internationaler Konflikte an. So unterzeichneten die Türkei und Griechenland 1988 die «Davos Declaration», die eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern wegen des Zypern-Konflikts verhinderte. 1989 hielten Nord- und Südkorea ihr erstes Treffen auf Ministerebene statt. Bedeutsam war auch das Treffen zwischen dem westdeutschen Kanzler Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow zweieinhalb Monate nach dem Fall der Berliner Mauer. In Davos diskutierten sie über die deutsche Wiedervereinigung.

Beim WEF von 1992 traten der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk sowie die Schwarzenführer Nelson Mandela und Mangosuthu Buthelezi erstmals gemeinsam im Ausland auf. Und 1994 einigten sich Israelis und Palästinenser auf einen Vertragsentwurf für den Gaza-Streifen und Jericho – die Bilder von Israels Aussenminister Peres gemeinsam mit dem PLO-Vorsitzenden Arafat gingen um die Welt. Hier muss der vielbeschworene «Geist von Davos» tatsächlich gewirkt haben.

Erstellt: 15.01.2014, 23:27 Uhr

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