Die etwas andere Burka-Debatte

Am TA-Podium zum Thema Burka-Verbot wechselte der Ton zwischen Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern.

Video-Aufzeichnung der TA-Podiumsdiskussion von Dienstag Abend.

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Die Gegensätze trafen bereits vor dem Eingang zum Zürcher Kaufleuten aufeinander. Ein wenig entfernt stand vollverhüllt Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS). Neben ihr drängten sich Frauen in Highheels, Hotpants oder kurzen Röcken am Eingang zum Festsaal. Die Blicke der drei Bodyguards von Nora Illi suchten die Umgebung pflichtbewusst nach gefährlicheren Bedrohungen ab. Weniger freizügig erschien ein Grüpplein Feministinnen, die Illis Bodyguards abschätzig beäugten.

Nora Illi in Rage

Im mit rund 150 Besuchern gut gefüllten Festsaal ergab sich dann trotz der still angespannten Stimmung im Vorfeld eine amüsante Diskussionsrunde mit rein weiblicher Besetzung mit Ausnahme des Moderators. Nora Illi nannte als Motivation für die Vollverhüllung, dass sie die Männer und ihren Geschlechtstrieb nicht unnötig reizen wolle.

Das müsse ja im Sinne der mitdebattierenden Julia Onken sein, die die Spezies Mann auch schon mit der Spezies Schäferhund verglichen habe. Onken präzisierte: «Ich habe gesagt, so wie ein Schäferhund nicht in alle Würste beisst, die er sieht, beisst ein Mann auch nicht in jede Frau, die vorbeigeht.» Nachdem mit Onkens Bemerkung und grossem Gelächter im Saal der sexuelle Aspekt der Burka-Debatte abgeklemmt war, wandten sich Teilnehmerinnen dem zentralen Integrationsaspekt zu.

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, bezeichnete die Verhüllung als Weigerung zu kommunizieren und damit als Weigerung, sich zu integrieren. Onken doppelte nach und führte den Fall des Mordes in Höngg von einem Pakistaner an seiner Tochter exemplarisch als Folge einer missachteten Kleiderordnung an. Dies brachte Nora Illi in Rage. Niemand werde wegen falscher Kleidung umgebracht, und schon gar nicht sie. Die Tontechniker konnten ein Überschlagen von Illis Stimme nicht verhindern. Ihre drei Bodyguards in der ersten Reihe applaudierten.

Von der Burka zum Burkini

Stella Jegher von Amnesty International Schweiz argumentierte gegen ein Burka-Verbot und brachte einen ruhigeren Ton ein als die anderen Teilnehmerinnen. Die Rechte der Frauen seien nicht mit Verboten, sondern mit niederschwelliger Integrationsarbeit zu gewinnen.

Rosmarie Zapfl, Präsidentin von Alliance F, kritisierte die Ungleichbehandlung der Geschlechter nach Auffassung der IZRS und bewegte damit die Diskussion von der Burka hin weg zum Burkini und zum Schwimmunterricht in der Schule, worauf die Wogen richtig hoch- und Nora Illi zwischen ihren eloquenteren Diskussionspartnerinnen definitiv unterging. Dies trotz Unterstützung durch SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr, die sowohl gegen Burka- als auch Burkini-Verbot votierte: «Man kann Freiheiten nicht mit Unfreiheiten verteidigen.»

Erstellt: 26.05.2010, 10:49 Uhr

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