Die gefährlich Netten

Es braucht ein Gesetz gegen Grooming, die Anmache von Kindern im Internet.

«Hast du einen Freund?» - was im realen Leben die Umgebung alarmieren würde, geschieht im Netz völlig unkontrolliert. Foto: laif

«Hast du einen Freund?» - was im realen Leben die Umgebung alarmieren würde, geschieht im Netz völlig unkontrolliert. Foto: laif

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Die Rechtskommission des Nationalrats hat gesetzgeberische Massnahmen gegen die Anmache von Kindern im Internet (Grooming) verlangt, und der Rat hat dem einstimmig entsprochen. Vielleicht haben einige Parlamentarier an jenen erschreckenden Fall gedacht, den das Bezirksgericht Zürich kürzlich zu beurteilen hatte: Ein Mann Mitte 50 hat haufenweise pornografische Bilder von minderjährigen Internetbekanntschaften gesammelt und in deren Leben herumgeschnüffelt. Das Urteil gegen ihn ist noch nicht rechtskräftig.

Grooming ist laut den Strafverfolgungsbehörden verbreitet. Nicht alle Fälle sind aber so eindeutig wie der oben geschilderte. Meistens bleiben Erwachsene in Jugend-Chatforen im legalen Bereich, wenn sie etwa fragen: «Hast du einen Freund? Was macht ihr, wenn ihr zusammen seid?» Das ist heute erlaubt. Strafbar macht sich der Fragende erst, wenn er Jugendlichen Nacktbilder von sich zeigt, von seinen sexuellen Erfahrungen erzählt oder intime Bilder von Minderjährigen empfängt.

Soll nun künftig bestraft werden, wer ein Mädchen im Internet fragt, ob es einen Freund hat? Der Fragende hat nichts gemacht, nur Interesse gezeigt. Aber seine Absichten sind offensichtlich. Würde ein Teenager auf dem Schulweg so angesprochen, wäre seine Umgebung alarmiert. In der realen Welt spielt die soziale Kontrolle, das Internet hingegen ist ein weitgehend unkontrolliertes Tummelfeld, von dessen Anonymität Pädosexuelle profitieren und ihre Neigung auf Kosten ahnungs­loser Jugendlicher ausleben.

Der Gesetzgeber muss reagieren. Einerseits würde ein Grooming-Verbot viele Männer abschrecken, die heute im Internet Kindern nachstellen. Sie wüssten genau, was erlaubt und was verboten ist. Anderseits könnte das Parlament Kinder langfristig sinnvoll schützen, indem es Vorbereitungshandlungen für sexuelle Übergriffe auf Jugendliche kriminalisiert. Damit würde es seine Massnahme nicht auf eine Zeiterscheinung beschränken, die in einigen Jahren vielleicht wieder passé ist, sondern vorsorgen für weitere Gefahren, die in der elektronischen Kommunikation lauern.

Erstellt: 12.09.2014, 06:18 Uhr

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