«Die letzten Tage waren extrem»

Madeleine Walter über die Kandidatur ihres Mannes, die ereignisreiche Woche und darüber, was sich für sie als Bundesratsgattin ändern würde.

Der neue Nationalratspräsident Hansjörg Walter, Mitte, und seine Frau Madeleine, rechts, stossen anlässlich seines Empfangs am Bahnhof in Frauenfeld TG an, am Mittwoch, 7. Dezember 2011.

Der neue Nationalratspräsident Hansjörg Walter, Mitte, und seine Frau Madeleine, rechts, stossen anlässlich seines Empfangs am Bahnhof in Frauenfeld TG an, am Mittwoch, 7. Dezember 2011. Bild: Keystone

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Wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut. Ich war heute Morgen im Dorfladen, das erste Mal seit einigen Tagen. Da haben sie mich gefragt, ob ich einfach so einkaufen könne, ob ich nicht nervös sei. Eigentlich habe ich keinen Grund, nervös zu sein.

Es hiess, sie hätten einen Todesfall zu verkraften.
Ja, bis jetzt hatte ich kaum Zeit zum Trauern. Die letzten Tage waren extrem. Am Mittwoch die Feier zum Nationalratspräsidium, am Donnerstag die Bundesratskandidatur. Am Wochenende haben wir zwei Anlässe besucht, dort sind viele Leute auf uns zugekommen und haben meinem Mann die Hand geschüttelt und gesagt, bei einer Volkswahl würde er gewählt. Wir haben derzeit auch permanent Medien im Haus und am Telefon, ich war auch emotional dauernd mit anderem konfrontiert.

Sie haben bei der Kandidatur Ihres Mannes eine entscheidende Rolle gespielt, Sie hätten ihm gesagt, er soll kandidieren.
So habe ich das nicht gesagt. Er hat mich angerufen, mir die Situation geschildert und mich gefragt, was er machen soll. Ich habe ihm keinen Ratschlag gegeben, sondern gesagt, das müsse er selber entscheiden. Wenn er kandidieren wolle, würde ich ihm nicht im Weg stehen.

Das klingt nicht begeistert. Würden Sie sich über die Rolle der Frau Bundesrat freuen?
Ich weiss nicht, wie es wäre, ich hatte bisher keinen Kontakt mit Bundesratsgattinnen. Sicher wäre mein Mann weniger zu Hause und ich wäre wohl nicht so oft in Bern, da er ohnehin arbeiten muss. Ich würde mich anderswie orientieren, um die freigewordene Zeit auszufüllen, die ich heute als persönliche Mitarbeiterin meines Mannes als Nationalrat aufwende.

Ich habe Sie am vergangenen Mittwoch erstmals in den Medien gesehen. War Ihnen wohl beim Empfang in Frauenfeld?
Ich bin nicht der Typ, der gern vor die Medien tritt. Die heutige Situation spannt mich sehr an, und ich bin froh, wenn alles vorbei ist. Auch das Techtelmechtel mit den verschiedenen Strategien bei der Bundesratswahl, ich mag diese Spiele nicht.

Ihr Mann wäre vor drei Jahren beinahe Bundesrat geworden, durfte aber nicht. Waren Sie da enttäuscht?
Damals ging alles so schnell, ich habe erst innert weniger Stunden davon erfahren und da war es auch schon wieder vorbei. Es war besser, dass er nicht Bundesrat geworden ist, er hätte ja ohne die Unterstützung seiner Partei regieren müssen, das wäre nicht so einfach.

Jetzt hat er sich auf sein Nationalratspräsidium gefreut und muss für den Bundesrat antreten. Ist der Parteigehorsam in der SVP nicht übertrieben?
Das ist bei anderen Parteien wohl nicht anders. Er hat sich in den letzten Jahren tatsächlich auf das Nationalratspräsidium gefreut. Aber vielleicht kann er es ja trotz der Kandidatur übernehmen. Dass eine Nicht-Wahl einen Schatten darauf werfen würde, glaube ich nicht. Für ihn wäre das keine Niederlage.

Wie soll der künftige Bundesrat Ihrer Meinung nach aussehen?
Es würde Sinn machen, die Konkordanz wieder herzustellen und den grössten Parteien je zwei Sitze zu geben. Ich bin da auf derselben Linie wie mein Mann.

Gehen Sie heute Abend nach Bern?
Nein, ich gehe morgen früh. Etwa um 5 Uhr nehme ich hier im Thurgau den Zug nach Bern und verfolge die Wahl im Bundeshaus mit.

Und dann?
Nach der Wahl gehe ich nach Hause, ob es nun gut herausgekommen ist oder nicht. Eine Wahlfeier ist nicht geplant.

Erstellt: 13.12.2011, 15:17 Uhr

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Zur Person

Madeleine Walter (59) kommt ursprünglich aus Winterthur, wohnt aber seit 30 Jahren in Wängi TG, wo sie seit Jahrzehnten die Administration des Landwirtschaftsbetriebs Greuthof leitet. Seit 12 Jahren, seit ihr Mann Hansjörg Walter Nationalrat ist, ist sie auch dessen persönliche Mitarbeiterin. Sie unterstützt ihn ausserdem bei seinen administrativen Aufgaben im schweizerischen Bauernverband. Die drei Kinder des Ehepaars Walter sind 29, 28 und 25 Jahre alt.

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