Die schwierige Mission des Ignazio Cassis

Der neue Verband Curafutura will das negative Image der Krankenkassen verbessern. Und sorgt bereits mit der Gründung für Streit. Helsana und CSS ernten Kritik.

Der Tessiner Arzt und FDP-Nationalrat Ignazio Cassis ist Präsident des neuen Krankenkassen-Verbands.

Der Tessiner Arzt und FDP-Nationalrat Ignazio Cassis ist Präsident des neuen Krankenkassen-Verbands. Bild: Keystone

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Die Spaltung des Krankenkassenverbands Santésuisse wird Realität: Helsana und CSS erklären, dass sie den Verband auf Ende Jahr verlassen (Der TA berichtete). Zusammen mit der früher ausgetretenen Sanitas gründen sie den Verband «Curafutura – Die innovativen Krankenversicherer». Helsana und Sanitas treten zu diesem Zweck auch aus der Allianz Schweizerischer Krankenversicherer (ASK) aus, einem 2011 gegründeten Alternativverband zu Santésuisse. Doppelmitgliedschaften sind bei Curafutura nicht mehr möglich: Die Kassen müssen sich entscheiden, welchem Verband sie künftig angehören wollen.

Die Grossen geben den Ton an

«Die Krankenkassen haben ein schlechtes Image. Das muss sich ändern», sagte der designierte Curafutura-Präsident Ignazio Cassis vor den Medien. Der Tessiner Arzt und FDP-Nationalrat nannte Makleranrufe, den Umgang mit Patienten und die Risikoselektion als Gründe für das negative Image. Damit zielte Cassis auf die Groupe Mutuel, ohne sie namentlich zu nennen. Tatsächlich wurde die Walliser Kasse mit ihrer bisweilen forschen Art zum Spaltpilz von Santésuisse. Das Fass zum Überlaufen brachte ein Brief, den die Kasse kürzlich an Gesundheitspolitiker versandte. Darin kritisierte sie die Verschärfung des Risikoausgleichs – obwohl Santésuisse dies begrüsst. «Vordergründig sagt man Ja, hintenrum Nein. Das geht nicht», sagte Cassis.

Die Positionen des neuen Verbands werden per Mehrheitsabstimmung festgelegt, um mit einer Stimme zu sprechen. Die Stimmkraft der drei Versicherer wird dabei nach Mitgliederbestand gewichtet. Bei Santésuisse hat hingegen jede Kasse gleich grosses Gewicht. Damit geben bei Curafutura die CSS (1,2 Millionen Versicherte) und die Helsana (1,18 Millionen) den Ton an. «Wir werden uns einordnen», sagte Otto Bitterli, CEO von Sanitas (521'000 Versicherte). Überhaupt soll der neue Verband nicht zum Sammelbecken mittlerer und kleiner Kassen werden. «Curafutura steht für Innovation. Das bedingt, dass eine Kasse eine gewisse Grösse hat», sagte Cassis. Er kündigte an, dass Curafutura zum Beispiel neue Managed-Care-Modelle unterstützen werde. Ob zusätzliche Mitglieder zum Verband stossen, ist offen. Gemäss Cassis ist man im Gespräch mit anderen Kassen. Bei Santésuisse heisst es dagegen, man rechne nicht mit weiteren Abgängen. So hat zum Beispiel die Concordia laut CEO Nikolai Dittli eine Anfrage von Curafutura zurückgewiesen.

«Das war eine Zumutung»

Der Vorstand von Curafutura wird mit den Verwaltungsratspräsidenten Jens Alder (Sanitas), Thomas Szucs (Helsana) und Jodok Wyer (CSS) sowie den drei CEO dieser Kassen besetzt. Der bisherige ASK-Direktor Reto Dietschi wechselt in derselben Funktion zum neuen Verband. Die ASK selbst dürfte mittelfristig aufgelöst werden, wie Groupe-Mutuel-CEO Thomas Grichting sagte. Entschieden sei jedoch noch nichts. Gleichzeitig kritisierte er Helsana und Sanitas. Diese hatten der Groupe Mutuel ein Ultimatum gestellt: Entweder verlässt sie bis Ende dieser Woche die ASK, oder Helsana und Sanitas treten aus. «Das war eine Zumutung. So geht man nicht miteinander um», sagte Grichting.

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz nahm gestern auch Santésuisse Stellung. «Sonderinteressen werden vor Gemeinschaftsinteressen gestellt», kritisierte Präsident Christoffel Brändli. Er forderte CSS und Helsana auf, den Schritt nochmals zu überlegen und die Interessen der Branche im Auge zu behalten. Andernfalls werde diese politischen Schaden nehmen. Kantone und Leistungsbringer müssten mit einem weiteren Verband verhandeln. Brändli wurde sekundiert von Vertretern der Visana, Concordia, Groupe Mutuel sowie der kleinen und mittleren Versicherer. Sie alle bekräftigten, bei Santésuisse bleiben zu wollen. Auch die gestern abwesende Swica werde nicht austreten, wurde vermeldet.

Für Santésuisse bedeutet der Austritt von CSS und Helsana einen Einnahmeausfall von 4 Millionen Franken, bei bisher 13 Millionen Franken Mitgliederbeiträgen pro Jahr. Auch die Befürworter der Einheitskasse meldeten sich zu Wort. «Statt sich um die wesentlichen Probleme zu kümmern, versinken die Krankenkassen im Zwist», sagte Erika Ziltener vom Initiativkomitee. Das belege: Das System der über 60 Kassen sei am Ende.

Erstellt: 27.04.2013, 10:25 Uhr

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