Die überalterten Grünen

Im Gegensatz zur SP haben es die Grünen in der Waadt verpasst, junge Talente zu fördern.

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Ans letzte Wochenende werden sich die Grünen mit gemischten Gefühlen erinnern. Kaum hatten sie am Samstag an ihrer Delegiertenversammlung die Wahlniederlage verarbeitet und beschlossen, für ihre Anliegen vermehrt auf der Strasse zu kämpfen, setzte es am Sonntag die nächste Niederlage ab.

Die Partei verliert mit dem abgewählten Waadtländer Ständerat Luc Recordon ein nationales Aushängeschild. Er war einer, der weit über die Parteigrenzen geschätzt wurde. Doch der 60-jährige Anwalt hat die Zeichen der Zeit erkannt. Recordon ist hoch anzurechnen, dass er in diesem für ihn so bitteren Moment nicht an sich selbst, sondern an die Zukunft der Partei denkt. Obwohl gewählter Nationalrat, verzichtet Recordon auf sein Mandat, damit seine 44-jährige Parteikollegin Adèle Thorens weiterhin im Bundeshaus politisieren und sich als Co-Präsidentin der Grünen Schweiz um den Wiederaufbau der Partei kümmern kann.

Recordons Kraft zur Einsicht würde man sich auch von Brélaz wünschen.

Recordons Kraft zur Einsicht würde man sich auch vom abtretenden Lausanner Stadtpräsidenten Daniel Brélaz wünschen. Der 65-Jährige war der erste grüne Politiker in Bundesbern und wurde am 18. Oktober zurück in den Nationalrat gewählt. Doch selbst wenn Brélaz auf sein Mandat verzichtete oder allenfalls Mitte Legislatur zurückträte, wäre die Verjüngung nicht garantiert. Brélaz’ Nachfolger wäre nämlich der am 18. Oktober abgewählte Christian van Singer. Und der ist wie Brélaz 65 Jahre alt.

Das macht deutlich: Im Gegensatz zur SP haben es die Grünen in der Waadt verpasst, junge Talente zu fördern, in Ämter zu bringen und sie darin schrittweise aufzubauen. Das spürt auch die Partei – auf nationaler wie kantonaler Ebene. Schon in wenigen Monaten müssen die Grünen Brélaz’ Sitz im Lausanner Stadtrat verteidigen. Am liebsten würde sich wohl Brélaz nochmals selbst aufstellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2015, 07:35 Uhr

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