«Die wärmste April–Juli-Periode seit Messbeginn 1864»

Die Hitze schlägt bislang alle Rekorde. Auch die Trockenheit macht zu schaffen – in mehreren Kantonen herrscht Feuerverbot.

Die Schweizer Sommer der Zukunft: Ein ausgetrocknetes Feld in Zürich. (19. Juli 2018)

Die Schweizer Sommer der Zukunft: Ein ausgetrocknetes Feld in Zürich. (19. Juli 2018) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die Schweiz erlebt eine extreme Regenarmut: Ähnlich wenig Niederschlag von April bis Juli gab es letztmals anfangs der Zwanzigerjahre. Seit Messbeginn 1864 ist es die viertniederschlagsärmste Periode, so Meteo Schweiz.

Zum fehlenden Regen gesellt sich eine einmalige Rekordhitze, die nicht nur dem Hitzesommer von 2003 Konkurrenz macht: «Die Schweiz registrierte mit 12 Grad, berechnet bis Ende Juli 2018, die wärmste April–Juli-Periode seit Messbeginn 1864», schreiben die Meteorologen. 2003 wurden 11,8 Grad erreicht.

Laut Meteo Schweiz sind die hohen Temperaturen zusammen mit der Regenarmut ausschlaggebend für die herrschende Trockenheit. Das aktuelle Wetter sei ein typisches Bild eines Sommers der Zukunft und somit ein Zeichen der Klimaänderung.

Ob der Sommer als Ganzes 2003 übertreffen wird, ist jedoch unklar. So rechnen zum Beispiel die Meteorologen von Meteonews nicht mit einem neuen Rekordsommer.

Nicht überall tiefe Pegel

Die anhaltende Trockenheit macht sich in mehreren Kantonen bemerkbar. Bis Dienstag haben fünf Kantone Feuerverbote erlassen. Die für diese Jahreszeit aussergewöhnliche Trockenheit verlange nach besonderen Massnahmen, heisst es weiter. Die Oberböden in den Wäldern, aber auch die Wiesen und Äcker seien sehr trocken. Bäume zeigten Stresssymptome: Früchte würden abgeworfen, Blätter verfärbten sich.

Die Folgen der Trockenheit zeigen sich in unterschiedlichem Ausmass quer durch die Schweiz. An einigen kleineren und mittleren Flüssen seien Niedrigwasserabflüsse gemessen worden, wie sie nur alle fünf Jahre aufträten, hält das Bundesamt für Umwelt in seinem aktuellen Lagebericht fest. In der Aare, der Reuss, der Limmat und im Hochrhein lägen die Abflussmengen nahe am saisonalen Tiefststand.

Diese Entwicklung hat je nach Region Folgen für die Lebewesen im Wasser: So mussten im Thurgau wegen der tiefen Pegelstände bisher knapp 30 Kilometer Fliessgewässer abgefischt werden.

Die Lage ist allerdings nicht überall gleich kritisch: Im Genfer- und Thunersee oder am Lago Maggiore werden durchschnittliche Wasserstände gemessen. Auf tiefem Niveau liegen hingegen die Pegel von Boden-, Vierwaldstätter-, Walen-, Zürich- und Zugersee.

Trockene Felder

Die Situation verschärft sich, weil Landwirtschaftsbetriebe wegen der ausbleibenden Niederschläge zunehmend auf Wasser aus Bächen und Flüssen angewiesen sind: Werden die Felder nicht künstlich bewässert, trocknen sie aus. Im Thurgau gilt aber schon länger ein Wasserentnahmeverbot für Oberflächengewässer. Davon sind vor allem Gemüsebauern betroffen. Ausgenommen sind bisher der Bodensee oder der Rhein.

Im Kanton Zürich können neu die Gemeinden über solche Wasserentnahmen entscheiden. Dies teilte das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) am Dienstag mit. Grund für die Übertragung der Kompetenzen ist die steigende Zahl von Gesuchen für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen.

Die Gemeinden dürfen die Wasserentnahme für ganz bestimmte, leistungsfähige Gewässer bewilligen. Dazu zählen Zürich-, Greifen- und Pfäffikersee sowie die Flüsse Rhein, Thur, Limmat, Sihl, Reuss und Glatt. Für die übrigen Gewässer bleibt das AWEL zuständig. Die Stadt Uster hat bereits reagiert – sie richtet wie im Hitzesommer 2003 am Greifensee eine zentrale Wasserentnahmestelle ein.

Schiffe können nicht anlegen

Am Bodensee zeigen sich erste Auswirkungen der tiefen Pegelstände: Am deutschen Ufer kann eine Landestelle von den Bodensee-Schiffsbetrieben wegen der zu geringen Wassertiefe nicht mehr angefahren werden. Teilweise muss auch mit Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg gerechnet werden, weil die Kursschiffe nicht mehr längs anlegen können.

Trotz der ungewöhnlichen Trockenheit: Mit einer flächendeckenden Wasserknappheit sei derzeit nicht zu rechnen, teilt das Bundesamt für Umwelt mit. Die Schweiz verfüge über grosse Wasserreserven. 80 Prozent des schweizerischen Trinkwassers würden aus Grundwasser gewonnen, das erst mit grosser Verzögerung auf die Trockenheit reagiere. (nlu/sda)

Erstellt: 24.07.2018, 21:18 Uhr

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