Die zweitbeste Lösung

Die beste Lösung ohne Quote hat nicht das beste Ergebnis hervorgebracht. Deshalb spricht vieles dafür, nun die zweitbeste Lösung zu wagen

Karikatur: Felix Schaad, Tages-Anzeiger.

Karikatur: Felix Schaad, Tages-Anzeiger.

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Geschlechterquoten in Gremien haben nur Nachteile. Sie setzen denselben Massstab an ganz Unterschied­liches, regulieren, wo schon allzu viel reguliert ist, und setzen Gewählte dem Verdacht aus, sie seien nur der Quote wegen gewählt worden. Sie kränken jene, die nicht gewählt wurden, obwohl sie womöglich die Besten gewesen wären. Und überhaupt: Sie sind viel zu starr. Die beste Lösung wäre folglich, es bräuchte in keinem Gremium irgendwelche Quoten, nicht in Verwaltungsräten, nicht in Geschäftsleitungen und nicht in Zeitungsredaktionen.

Bloss, diese Realität ohne Quote gibt es in der Schweiz inzwischen seit 140 Jahren und sie hat dazu geführt, dass in den meisten Gremien von Politik und Wirtschaft Frauen deutlich untervertreten sind, aus welchen Gründen auch immer. In der Regel fehlt es nicht am guten Willen auf Männerseite und auch nicht am kämpferischen Willen auf Frauenseite, aber oft klappt es dann doch nicht, und so debattieren über viele Fragen in Politik, Wirtschaft und aktuellen Medien oft überwiegend Männergremien, mit einer, zwei löblichen Ausnahmen.

In der Schweiz scheint dieses Missverhältnis zwischen den Geschlechtern in leitenden Gremien im Vergleich zum europäischen Ausland noch etwas ausgeprägter zu sein. Das hat womöglich mit dem erst 1971 eingeführten Frauenstimmrecht in der Politik zu tun. Die beste Lösung ohne Quote hat folglich nicht das beste Ergebnis hervorgebracht.

Deshalb spricht vieles dafür, nun die zweitbeste Lösung zu wagen – ein als Quote festgesetzter Frauenanteil in den leitenden Gremien von Politik und Wirtschaft. Mit diesem Vorhaben hat der Bundesrat unter Führung von Simonetta Sommaruga gestern die Schweizer Öffentlichkeit überrascht. Es ist eine weiche Quote mit fünfjähriger Übergangsfrist. Wer sie ­unterschreitet, muss nicht mit Sanktionen rechnen, muss aber Gründe nennen können. Das wird die Wirtschaft nicht schwächen, kann aber zum Umdenken führen. Wobei noch längst nicht klar ist, ob das ­männerdominierte Parlament diesem Vorhaben eine Chance geben wird. Verdient hätte es sie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2014, 23:02 Uhr

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