Die Up-Weichlerin

Die Thurgauer Freisinnige Brenda Mäder hat ihre eigene Partei gegründet: Die FDP war ihr zu wenig radikal.

Brenda Mäder setzte sich für eine Armee ohne Wehrpflicht ein - und eckte damit in der FDP an. (Bild: brenda.ch)

Brenda Mäder setzte sich für eine Armee ohne Wehrpflicht ein - und eckte damit in der FDP an. (Bild: brenda.ch)

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Brenda Mäder will sich nichts vorschreiben lassen. Und sie will nicht, dass anderen etwas vorgeschrieben wird. Deshalb ist die Thurgauerin aus der FDP ausgetreten und gründet am Mittwoch eine neue Partei. Die Unabhängigkeitspartei (UP) soll vorerst im Thurgau, in St. Gallen und in Zürich aktiv werden. Ihre Linie: radikal-liberal und oppositionell. «Minimaler Staat, maximale Eigenverantwortung», fasst Mäder zusammen. Ziel sind Sitze in den städtischen und kantonalen Parlamenten, nicht aber in der Exekutive.

«Up!» schreibt sich die Partei, die da entsteht – «hinauf!». Dabei war Mäder schon zuvor auf dem Weg nach oben. Im Elternhaus in Weinfelden diskutierte sie über Politik oder sass vor dem Fernseher, um sich die «Rundschau» anzusehen. Geschichte und Philosophie interessierten sie auch, studiert hat sie dann Banking und Finance an der Hochschule St. Gallen. Sie wurde Mitglied der Jungfreisinnigen und fand angesichts der Studentenorganisation der HSG gleich eines ihrer Kernthemen: unnötige Ausgaben.

2009 dann die Wahl zur Vizepräsidentin der Schweizer Jungfreisinnigen, ein Jahr später war sie Präsidentin. Eine Wahl, die sie gegen ihren damaligen Freund, den Walliser Philippe Nantermod, gewann.

Mäder und die GSoA-Initiative

Als Präsidentin der Jungfreisinnigen provozierte sie selten, verteilte einzig einmal Sonnencreme mit der Aufschrift: «Damit du kein Roter wirst.» Gleichzeitig war sie Mitglied der Parteileitung der Schweizer FDP und nahm an einem internen Mentoringprogramm teil. «Man wollte sie fördern», sagt Bruno Lüscher, der damalige Präsident der Thurgauer FDP.

Doch Mäder stiess auch auf Widerstand. Etwa als sie die GSoA-Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht unterstützte. «Das kann doch nicht sein», hätten da manche FDPler gedacht, sagt Walter Schönholzer, Präsident der Thurgauer FDP. Mäder bekam böse Zuschriften und einen Rüffel von FDP-Offizieren. Doch Freiwilligkeit ist ihr heilig: Selbst entscheiden; ob man ins Militär will; wie man fürs Alter vorsorgt; welche Art von Krankenversicherung man braucht. Selbst entscheiden, ob man als Frau zu Hause bleiben oder arbeiten will. Und selbst entscheiden, ob man als homosexuelles Paar ein Kind adoptieren möchte. Nur bei den Sesselklebern im Parlament, da hätte sie der Freiwilligkeit vielleicht gern etwas nachgeholfen.

Rund 100 Facebook-Freunde

Ihre Kandidatur 2011 für den Nationalrat war erfolglos. 2012 gab sie alle Ämter ab. Sie hatte ihre politische Heimat in der FDP nicht gefunden, stattdessen konzentrierte sie sich auf den Beruf: Als Strategieberaterin von Unternehmen pendelt sie zwischen Zürich und Paris. In der Zeit arbeitete sie offenbar auch an einer Strategie für ihre Politkarriere. Für die Jungfreisinnigen fühlt sie sich mit 28 zu alt, eine Rückkehr zur FDP kam nicht infrage – ebenso wenig ein taktischer Wechsel zur SVP. Also startet sie eine neue Partei. Zu den Gründern gehören Silvan Amberg, ehemaliger Präsident der Homosexuellenorganisation der FDP, und Simon Scherrer, Präsident der Stadt-Sankt-Galler Jungfreisinnigen. Mäder glaubt an das Bedürfnis nach «wirklich Unabhängigen». An den vorbereitenden Politstämmen seien etwa 50 Personen erschienen, auf Facebook zählt die UP gut 100 Freunde.

Ihr ehemaliger Mentor, FDP-Nationalrat Ignazio Cassis, findet Mäders Schritt schade, einen Verlust für seine Partei. «Aber Mäder ist dynamisch und sucht Herausforderungen.» Zu warten, lässt sie sich eben nicht vorschreiben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.06.2014, 21:43 Uhr

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