«Diese 30 Prozent Gold müssen ebenfalls in die Schweiz zurück»

SVP-Nationalrat Luzi Stamm, einer der Väter der Goldinitiative, über die Einmischung der Nationalbank in den Abstimmungskampf.

Sieht keinen Grund für einen Rückzug der Goldinitiative: Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm. (Archivbild)

Sieht keinen Grund für einen Rückzug der Goldinitiative: Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm. (Archivbild) Bild: Beatrice Devenes

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Herr Stamm, Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat heute das Goldgeheimnis gelüftet. Er hat gesagt, wo die Schweizer Goldreserven lagern.
Das ist sensationell.

Inwiefern?
Das heisst doch, dass unsere Initiative bereits ein grosser Erfolg ist. Bis jetzt hat die SNB nie sagen wollen, wo die Schweizer Goldreserven lagern. Ich selber hatte die Vermutung, dass ein Teil in den USA ist.

Laut Jordan befinden sich 70 Prozent der Schweizer Goldreserven in der Schweiz, 20 Prozent bei der Bank of England. Und 10 Prozent bei der kanadischen Zentralbank.
Diese 30 Prozent müssen jetzt ebenfalls in die Schweiz zurückgebracht werden. Das verlangt unsere Initiative.

Warum? Laut Jordan ist die Verfügbarkeit der Goldbestände im Ausland jederzeit voll gewährleistet.
Im Falle einer ernsten Krise ist die Verfügbarkeit des Goldes im Ausland überhaupt nicht gewährleistet. Die Schweiz beginnt in jüngster Zeit zu sehen, was es heisst, von aussen unter Druck gesetzt zu werden. Im Moment vor allem von den USA und der EU. Wenn das Gold in den USA wäre, hätte ich schon jetzt konkrete Angst, dass wir es nicht mehr zurückerhalten.

Eine Annahme der Goldinitiative werde die Arbeit der SNB erschweren und sich zum Nachteil der Schweiz auswirken, sagt Jordan.
Dieser Einwand ist nicht neu. Ich halte ihn jedoch für ein vorgeschobenes Argument. Dass die SNB sich zur Wehr setzt, habe ich erwartet. Sie ist ja von der Initiative direkt betroffen.

Die SNB äussert sich normalerweise nicht zu Initiativen. Stört es Sie, dass sie bei der Goldinitiative faktisch einen Tabubruch vollzieht und sich in die Politik einmischt?
Natürlich könnten wir uns entrüsten und sagen, die Nationalbank habe sich nicht in die Politik einzumischen. Aber in diesem Fall finde ich es legitim. Interessant wird sein, ob die SNB im Abstimmungskampf ebenfalls aktiv in Erscheinung tritt. Dann müssen wir wohl nicht nur gegen den Bundesrat, sondern auch gegen die Nationalbank antreten. Das wird so oder so kein Spaziergang.

Sie könnten die Initiative auch zurückziehen. Einen Teilsieg haben Sie bereits errungen, nachdem die SNB bekannt gegeben hat, wo sie ihr Gold lagert.
Transparenz ist gut, aber unsere Initiative fordert nicht nur Transparenz, sondern auch Rücktransport des Goldes in die Schweiz und vor allem ein Verkaufsverbot. Einen Grund für den Rückzug der Initiative gibt es somit überhaupt nicht. Die letzten zwölf Jahre haben gezeigt, dass ohne unsere Initiative immer die Gefahr besteht, dass die Nationalbank plötzlich wieder Gold verkauft. Bei den Verkäufen hat man gesehen, dass auch die Nationalbank die Zukunft völlig falsch einschätzen kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2013, 15:35 Uhr

Goldinitiative

Am 20. März 2013 wurden bei der Bundeskanzlei in Bern 105'279 beglaubigte Unterschriften für die Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» (Goldinitiative) eingereicht. Laut den Initianten ist das Gold heute fast noch der einzige wirklich werthaltige Aktivposten in der Nationalbank-Bilanz. Die Initiative verlangt, dass die SNB kein Gold mehr verkaufen darf. Alles im Ausland gelagerte Gold muss zurück in die Schweiz. Und: Die SNB muss mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold halten. Nationalrat Luzi Stamm (SVP, AG) ist Co-Präsident des Initiativkomitees.

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