Diese SVP-Kandidaten stünden bereit

Kronfavoriten, «Beinahe-Kandidaten», Parteipräsident: Diese SVP-Exponenten haben die besten Chancen auf einen zweiten Bundesratssitz.

Sein Name wird im Zusammenhang mit dem Bundesrat häufig erwähnt: Der Bündner SVP-Nationalrat Heinz Brand. (4. Juni 2015)

Sein Name wird im Zusammenhang mit dem Bundesrat häufig erwähnt: Der Bündner SVP-Nationalrat Heinz Brand. (4. Juni 2015) Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Für die SVP ist ein zweiter Sitz im Bundesrat in Reichweite. Der Findungskommission liegt angeblich eine Reihe valabler Kandidaturen vor. Unter jenen Politikern, deren Namen derzeit herumgeboten werden, gehört der Bündner Nationalrat Heinz Brand zu den Kronfavoriten. Der ehemalige Chef der Kantonalen Fremdenpolizei hat sich als Migrationsexperte bei einem Kernthema der SVP profiliert. Brand politisiert streng auf Parteilinie, gilt aber als umgänglich. Dass er zu den Wegbereitern der Selbstbestimmungsinitiative gehört, dürfte ihm bei den anderen Fraktionen aber schaden. Im Graubünden ist Brand populär: Er erzielte das beste Resultat im Kanton.

Ständerat Hannes Germann gehört zu den «Beinahe-Kandidaten» der Bundesratswahlen von 2011. Der Schaffhauser politisiert aber nicht immer auf SVP-Linie. Er setzte sich öffentlich gegen eine Asylinitiative zur Wehr und bekennt sich zu den bilateralen Verträgen. Das dürfte ihn für seine eigene Partei verdächtig, für die Mitte hingegen wählbar machen. Germann wurde Mitte Oktober glanzvoll wiedergewählt.

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Der Aargauer Nationalrat Hansjörg Knecht hingegen muss noch zu einem zweiten Wahlgang antreten. Nach Ansicht von SVP-Präsident Toni Brunner hat er das Zeug zum Bundesrat. Knecht vertrete parteipolitisch eine klare Linie, sei aber ein konzilianter und mehrheitsfähiger Konsenspolitiker, liess Brunner verlauten. Der Mühlenbetreiber Knecht politisiert nicht in der ersten Reihe der Partei, was ausserhalb der SVP kein Nachteil sein muss. Als Unternehmer mit Bezug zur Landwirtschaft dürfte Knecht für viele Parlamentarier ein valabler Kandidat sein. Mit Doris Leuthard ist der Kanton Aargau allerdings bereits in der Landesregierung vertreten.

Auch der Baselbieter Thomas de Courten ist vom SVP-Präsidenten bereits via Medien für gut befunden worden. Als Nationalrat hat der kantonale Wirtschaftsförderer wenig Spuren hinterlassen. Angeblich soll er aber auf der Shortlist für eine Bundesratskandidatur stehen.

Dort soll auch der Name von Nationalrat Guy Parmelin zu finden sein. Der Waadtländer Landwirt und Weinbauer wollte schon 2011 antreten, musste aber seinem Freiburger Ratskollegen Jean-François Rime den Vortritt lassen. Parmelin spielte in den Planspielen von SP-Präsident Christian Levrat eine Rolle, in der SVP gehört er aber nicht zu den führenden Köpfen. Er hat bereits sein Interesse angekündigt.

Tessiner Heimat als Pluspunkt

Auch Pierre Rusconi zählt nicht zu den führenden Persönlichkeiten seiner Partei. Für ihn spricht vor allem seine Tessiner Heimat. Dass das Tessin nicht in der Landesregierung repräsentiert ist, sorgt in der lateinischen Schweiz schon lange für Unmut. Bessere Chancen hat Rusconi aber durch seine Abwahl im Nationalrat nicht erhalten.

Auch der Name des Genfer Nationalrats Yves Nidegger taucht im Zusammenhang mit einer Bundesratskandidatur auf. Mit seinen pointierten Positionen dürfte der Advokat im Parlament aber lediglich Aussenseiterchancen haben.

Hurter und Rösti gelten als moderat

Der Schaffhauser Nationalrat Thomas Hurter hat sich als Sicherheitspolitiker einen Namen gemacht. Bei Themen wie der Gripen-Beschaffung oder bei der Armeereform politisiert der Berufspilot an vorderster Front, innerhalb der SVP ist er aber eher im zweiten Glied zu finden. Hurter gilt zwar als linientreu, ist aber kein Hardliner.

Das Gleiche lässt sich von Wahlkampfleiter Albert Rösti sagen. Mit seinen verhältnismässig moderaten Positionen wäre der Berner Nationalrat wohl auch für die Mitte valabel. Fraglich ist jedoch, ob ihm seine Fraktionskollegen zutrauen, in der Regierung einen strammen SVP-Kurs zu fahren. Eine Kandidatur Röstis wäre auch mit dem Problem behaftet, dass mit Simonetta Sommaruga und Johann Schneider-Ammann bereits zwei Berner im Bundesrat sitzen. Bei den Berner Ständeratswahlen ist Rösti auf dem dritten Platz gelandet.

Das Berner Handicap hat auch Fraktionschef Adrian Amstutz, der im Sommer von Parteipräsident Brunner als zweiter SVP-Bundesrat ins Spiel gebracht worden ist. Amstutz selber winkte damals aber ab. Auch der Zuger Baudirektor Heinz Tännler hat sich selber aus dem Bundesratsrennen genommen, indem er verkündete, er stehe nicht zur Verfügung.

Immer wieder genannt wird auch SVP-Parteipräsident Toni Brunner – nicht zuletzt vom neu gewählten Nationalrat Roger Köppel vor wenigen Tagen. Brunner winkte bisher jedoch stets ab, eine Kandidatur sei für ihn keine Option. Die «Weltwoche» erinnerte jedoch daran, dass sich der heutige Bundesrat Ueli Maurer 2008 beim Rücktritt von Samuel Schmid ähnlich verhalten habe und schliesslich doch gewählt worden sei.

Frauen sind nicht im Gespräch

Der Thurgauer Ständerat Roland Eberle hätte gute Chancen, von der Bundesversammlung in die Regierung gewählt zu werden, doch will auch er nicht. Das Gleiche gilt für den Eisenbahnbauer und ehemaligen Nationalrat Peter Spuhler, für den sein Unternehmen Stadler Rail Priorität hat. Eberle und er gehörten bereits 2011 zu den Wunschkandidaten der SVP, stellten sich aber nicht zur Verfügung.

Einen schweren Stand hätte wohl auch der Zürcher Nationalrat Gregor Rutz. Der frühere Generalsekretär gehört zu den Vordenkern seiner Partei. Die Mehrheit in den eidgenössischen Räten dürfte Mühe haben, den Hardliner Rutz in den Bundesrat zu wählen. Und eine weitere Kandidatur des zweimal gescheiterten Jean-François Rime wird die SVP dem Parlament wohl nicht zumuten. Frauen waren bisher als Kandidatinnen für einen zweiten Bundesratssitz nicht im Gespräch. (thu/kko/sda)

Erstellt: 28.10.2015, 13:24 Uhr

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