Diese neuen Verkehrsregeln müssen Sie kennen

100 km/h auf der Überholspur, Rückwärtsfahren verboten: Welche Vorschriften sich in den letzten Jahren geändert haben.

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Mit den Verkehrsregeln ist es so eine Sache: Jede Autofahrerin und jeder Autofahrer musste sie einst für den Theorietest auswendig lernen. Doch das ist schnell wieder vergessen und meist ewig her. Ausserdem werden laufend neue Vorschriften geschaffen, bestehende werden verschärft oder gelockert. Da den Überblick zu behalten, ist schwierig – zumal die Regeln teilweise nicht einmal klar definiert sind.

So ist Rechtsüberholen auf Autobahnen grundsätzlich verboten und wird mit Führerausweisentzug bestraft. Das Rechtsvorbeifahren allerdings ist gemäss Bundesgericht unter gewissen Umständen zulässig, beispielsweise wenn der Verkehr auf beiden Spuren gleichmässig stockt oder die Kolonne auf dem linken Fahrstreifen dichter und langsamer ist. Bald könnte es generell erlaubt sein.

Der Nationalrat will das Rechtsvorbeifahren generell erlauben und so für flüssigeren Verkehr und mehr Platz auf der Strasse sorgen. Am Dienstag hat er einer entsprechenden Motion von FDP-Nationalrat und TCS-Vizepräsident Thierry Burkart zugestimmt.

Die Motion muss noch vom Ständerat durchgewunken werden. Zudem gilt es noch die Details zu klären, denn der Unterschied zwischen Vorbeifahren und Überholen ist nicht immer offensichtlich. Doch die Zeichen für eine baldige Regeländerung stehen gut.

«Die Motion schafft Klarheit und Rechtssicherheit.»Doris Leuthard, Verkehrsministerin

Der Bundesrat, der eine Lockerung der Vorschriften bisher aus Sicherheitsbedenken abgelehnt hatte, steht nun hinter dem Vorschlag. Die Motion schaffe Klarheit und Rechtssicherheit, sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard. Die Schweiz wäre eines der ersten Länder in Europa, welche das Rechtsvorbeifahren ausdrücklich und generell erlauben würde.

Folgend eine Auswahl wichtiger Schweizer Verkehrsregeln, die sich in den letzten Jahren geändert haben:

Bisher mussten Autofahrerinnen und Autofahrer ab 70 alle zwei Jahre zur medizinischen Kontrolle, um ihre Fahrtauglichkeit bestätigen zu lassen. 2017 hat das Parlament das Alter um fünf Jahre angehoben. Die heutigen Senioren seien deutlich fitter als frühere Generationen, war die Begründung der Befürworter.

Künftig sind Senioren also erst ab 75 Jahren verpflichtet, sich bei ihrem Hausarzt einer Prüfung der Fahrtüchtigkeit zu unterziehen. Die Gegner der Regeländerung befürchten, dass sich durch die Heraufsetzung des Alters das Unfallrisiko erhöhen wird.

Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde die Nachprüffrist für gewisse Fahrzeuge verlängert. Neu müssen Personenwagen und Motorräder erst nach fünf Jahren, spätestens aber bis zum sechsten Jahr nach der ersten Inverkehrsetzung beim Strassenverkehrsamt nachgeprüft werden.

Die heutigen Autos und Motorräder würden einen markant höheren Standard aufweisen, als dies bei der Einführung der bisherigen Nachprüffristen vor rund zwanzig Jahren der Fall gewesen sei, begründete der Bundesrat seine Entscheidung. Dies zeigten sowohl die Zahlen der Unfallstatistik wie auch die Mängellisten der Strassenverkehrsämter.

Auf dreispurigen Autobahnen darf die linke Spur seit zwei Jahren ausschliesslich von Fahrzeugen benutzt werden, die 100 km/h oder schneller fahren können. Bislang betrug die erlaubte Mindestgeschwindigkeit auf der Überholspur 80 km/h.

Der Bundesrat will mit dieser Massnahme den Verkehrsfluss verbessern und Stau verhindern. Reisecars werden damit von der linken Spur verbannt. Sogar in Deutschland erregte die neue Regelung Aufmerksamkeit: «Die Schweiz macht Schluss mit Schneckentempo», titelte das Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Rückwärtsfahrmanöver sind die Ursache für zahlreiche Unfälle. Deshalb waren sie schon bisher nur im Schritttempo gestattet. Seit 2016 ist der Rückwärtsgang für längere Strecken gänzlich verboten – abgesehen von einer Ausnahme: Wenn das Weiterfahren oder Wenden unmöglich ist, zum Beispiel in einer Sackgasse, darf er benutzt werden.

Über kürzere Strecken, etwa beim Parkieren, ist das Rückwärtsfahren natürlich weiterhin erlaubt.

Diese Regel gilt schon länger, aber noch immer scheinen sich nicht alle daran gewöhnt zu haben – oder daran zu halten: Alle Motorwagen und Motorräder müssen seit Anfang 2014 auch tagsüber mit Licht fahren. Von dieser Pflicht ausgenommen sind nur Fahrzeuge, die vor 1970 in Verkehr gesetzt wurden, sowie Mofas, E-Bikes und Velos.

Am Tag dürfen sogenannte Tagesfahrlichter benutzt werden. Bei schlechten Lichtverhältnissen (Regen, Nebel, Schneefall etc.) muss ebenso mit Abblendlicht gefahren werden wie in Tunneln oder in der morgendlichen und abendlichen Dämmerung.

Übrigens: In rund 84’700 Fällen mussten Fahrzeuglenkerinnen oder Fahrzeuglenker letztes Jahr in der Schweiz ihren Führerausweis oder Lernfahrausweis abgeben. Die Hauptgründe waren überhöhte Geschwindigkeit und Fahren im angetrunkenen Zustand. Einige Ausweisentzüge waren aber sicher auch die Folge des Nichtbeachtens von Verkehrsregeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2018, 13:51 Uhr

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