Hintergrund

Diesen Scherz hätte Bortoluzzi wohl lieber bleiben lassen

Christoph Mörgeli und Toni Bortoluzzi, zwei SVP-Schwergewichte, fahren sich derzeit im Parlament an den Karren.

Spielte auf das «verstaubte» medizinhistorische Museum von Mörgeli an: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi.

Spielte auf das «verstaubte» medizinhistorische Museum von Mörgeli an: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Bild: Keystone

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Den ganzen Tag witzelte Toni Bortoluzzi vorgestern in der Wandelhalle des Bundeshauses, sein Ratskollege Christoph Mörgeli brauche jetzt Zeit, um die Knochen in dessen Museum in Zürich abzustauben, er solle darum zurücktreten. Der «Blick» nahm Bortoluzzis Spruch auf und titelte: «Der Mörgeli muss zurücktreten! Und die Knochen abstauben gehen in Zürich».

Mörgeli wird vorgeworfen, seine Pflichten als Konservator des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich zu vernachlässigen. Auch als Wissenschaftler wird der Professor von Fachkollegen attackiert (BaZ von gestern). Die «Blick»-Schlagzeile wirkte wie ein kräftiger Windstoss in einen Schwelbrand. Bortoluzzi ist schon lange sauer auf Mörgeli und den Zürcher SVP-Kantonsrat Gregor Rutz. Mörgeli hatte zusammen mit Rutz mitgeholfen, dass die SVP die Nein-Parole zur Managed-Care-Vorlage beschloss, die im Juni vom Volk abgelehnt wurde. Im Parlament hiess die Fraktion das Geschäft noch gut. Ganz im Sinne von Bortoluzzi. Der 65-Jährige sitzt seit 21 Jahren für die Zürcher SVP im Nationalrat und gilt als ausgewiesener Sozialpolitiker.

Kein Wohlwollen für Bortoluzzi

Die Demütigung durch Mörgeli und Rutz ist für ihn nur schwer zu ertragen. Jetzt aber hat Bortoluzzi ein Problem. «Der Druck auf ihn steigt», sagt Reinhard Wegelin, Sekretär der Kantonalzürcher SVP. Bortoluzzi werde nicht mit Wohlwollen rechnen können. Fraktionskollegen sagten zu ihm, er habe einen Blödsinn gemacht. Offiziell machen jedoch alle gute Miene zum bösen Spiel. Er merke nichts von Problemen, wiegelte Mörgeli gegenüber der BaZ den Konflikt ab. «Ich habe noch nie etwas Schlechtes über Toni Bortoluzzi gesagt und mache es auch jetzt nicht.»

Das Klima in der Fraktion sei «sehr gut», meinte der Basler Nationalrat ­Sebastian Frehner. Und: «Das Ganze ist doch nur ein neuer Versuch des Ringier-Konzerns, die SVP zu schwächen.» Alles bloss eine Medienhysterie? Wohl kaum, auch wenn es Wegelin ähnlich sieht. Man merke schon, sagten SVP-Parlamentarier, dass sich Bortoluzzi auf der einen sowie Mörgeli und Rutz auf der anderen Seite gegenseitig «an den Karren fahren».

Bortoluzzi habe sich in den letzten Wochen «eigenartig verhalten», räumt Wegelin ein. Nicht nur die schweizerische, auch die SVP des Kantons Zürich hätte sich klar gegen die Managed-Care-Vorlage ausgesprochen. Die Partei habe entschieden, und das müsse man akzeptieren. Bortoluzzi ist wie andere langjährige Zürcher SVP-Nationalräte auf der Liste jener, die jüngeren Kräften Platz machen sollten. Er wollte im Laufe der Amtsperiode zurücktreten. In den letzten Tagen sagte er aber, bis zum Schluss der Legislatur bleiben zu wollen.

Er hoffte, dadurch Rutz als Nationalrat zu verhindern. Der 40-Jährige rückt jetzt aber trotzdem nach. Er erbt den Sitz von Bruno Zuppiger, der am Montag zurückgetreten ist. Pech für Bortoluzzi.

Erstellt: 13.09.2012, 09:42 Uhr

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