Dieser Steuerwettbewerb hilft den Falschen

Die Kantone überbieten sich mit Kinderabzügen. Das Geld wäre bei der Prämienverbilligung besser eingesetzt.

Mit grosszügigen Steuerabzügen für Kinder versuchen die Kantone, reiche Bürger anzuziehen. Archivbild: Alessandro Della Valle (Keystone)

Mit grosszügigen Steuerabzügen für Kinder versuchen die Kantone, reiche Bürger anzuziehen. Archivbild: Alessandro Della Valle (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kinder gehen ins Geld. Kranken­kassenprämien, Kosten für Kinder­betreuung und Ausbildung belasten das Familienbudget. Allerdings können Familien einen grossen Teil dieser Kosten in der Steuererklärung geltend machen. Zurzeit findet sogar ein regelrechter Wettbewerb unter den Kantonen statt um den grosszügigsten Kinderabzug, den höchsten Abzug für Kinderkosten und Versicherungsprämien.

Für die steuerzahlenden Eltern ist dies erfreulich, doch die Familien­förderung über Steuerabzüge hat eine Kehrseite. Sie nützt Eltern mit einem hohen Einkommen mehr als jenen, die mit ihrem Geld kaum über die Runden kommen. Fragwürdig ist besonders die Erhöhung des pauschalen Kinderabzugs auf 10'000 Franken oder mehr, wie dies manche Kantone bereits getan haben und wie dies auch auf Bundesebene diskutiert wird.

Familien­förderung über Steuerabzüge nützt Eltern mit einem hohen Einkommen mehr als jenen, die mit ihrem Geld kaum über die Runden kommen.

Wer Sozialpolitik im eigentlichen Sinn betreiben will, erhöht besser die Prämienverbilligung statt des Versicherungsabzugs oder gewährt Familien eine Reduktion auf dem geschuldeten Steuerbetrag. Diesen Weg hat der Kanton Basel-Landschaft gewählt. Der Abzug auf dem Steuerbetrag wirkt umgekehrt proportional: Je geringer das Familieneinkommen, desto mehr entlastet der Abzug. Die herkömmlichen Steuerabzüge unterlaufen hingegen die Steuerprogression.

Nun ist auch dieser Effekt sinnvoll, damit beim Mittelstand zusätzliche Erwerbsarbeit nicht wegen der Steuerprogression unrentabel wird. Steuerabzüge sollten jedoch nicht pauschal, sondern für effektiv anfallende Kosten gewährt werden. Könnten etwa die Ausgaben für Kinderbetreuung nicht von den Steuern abgezogen werden, würde sich der Doppelverdienst für viele Eltern kaum auszahlen.

Vor allem aber kommt es bei den Steuerabzügen auf das Mass an. Dies zeigt das Beispiel der dritten Säule. Ein massvoller Steuerabzug für jährliche Einzahlungen ist sinnvoll, weil der Staat ein Interesse an der eigenverantwortlichen Altersvorsorge hat. Aber falsch ist es, den Abzug so weitzu erhöhen, dass er Gutverdienenden zur Steueroptimierung verhilft.

Erstellt: 16.09.2019, 22:18 Uhr

Artikel zum Thema

Welche Kantone Eltern mit den grössten Kinderabzügen locken

Die meisten Kantone haben die Kinderabzüge massiv erhöht. Für viele Familien fällt das bereits mehr ins Gewicht als der Steuerfuss. Mehr...

Schnelle Lösung für die Heiratsstrafe scheitert

Im Ständerat ist man sich einig: Doppelverdiener-Ehepaare zahlen zu viel Steuern. Mit dem Kompromiss will es trotzdem nicht klappen. Mehr...

Blog

Kommentare

Paid Post

Blasenentzündung? Ein schneller Test bringt Klarheit

Sie bemerken Anzeichen einer Blasenentzündung? Ein unkomplizierter Test schafft Klarheit und verhindert eine Antibiotika-Behandlung.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...