Dieses Bild könnte Ihre Gefühle verletzen

Grosses Unverständnis für die Baselland Transport AG. Das Verkehrsunternehmen hat Teile einer Sensibilisierungskampagne für junge Homosexuelle abgelehnt: zu heikel.

Das links geht, das rechts anscheinend nicht. Die Baselland Transport AG will die Plakate von schmusenden Homosexuellen nicht zeigen. Umarmen ist aber in Ordnung.

Das links geht, das rechts anscheinend nicht. Die Baselland Transport AG will die Plakate von schmusenden Homosexuellen nicht zeigen. Umarmen ist aber in Ordnung. Bild: Anyway

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Der Tag hat schlecht begonnen für Andreas Büttiker, den Direktor der Baselland Transport AG (BLT). Nachdem «20 Minuten» am Mittwoch publik gemacht hat, dass die BLT Plakate von küssenden Homosexuellen aus Rücksicht auf die Fahrgäste nicht zeigen will, werden Büttiker und die BLT mit Schmähungen bedacht. Per Mail, auf der Facebook-Seite des Unternehmens, per Twitter: ein einziges grosses «Gehts noch?». Pink Cross, die Dachorganisation der Schweizer Schwulen, ruft für kommende Woche zum Protestknutschen in einem Baselbieter Tram auf.

Der BLT-Direktor fühlt sich unverstanden. Man habe ja nichts gegen die Kampagne per se, aber müssen es wirklich küssende Männer und Frauen sein? «Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Fahrgästen.» Nach Rücksprache mit seinem Marketingchef kam Büttiker zum Schluss, dass die Bilder «heikel» seien und die Gefühle der Passagiere verletzen könnten. Das betrifft nur die Bilder der Plakatserie mit den küssenden Jugendlichen – Bilder mit gleichgeschlechtlichen Umarmungen mutet BLT-Chef seinen Fahrgästen zu.

Nötiger denn je

«Die Reaktion der BLT zeigt, warum unsere Kampagne wirklich notwendig ist», sagt Alexandra Barth vom 2011 gegründeten Jugendtreff Anyway. Der Jugendtreff hilft jungen Menschen beim Coming-out und ist Absender der Sensibilisierungskampagne. Wenn die BLT sich schon vor Bildern mit küssenden Homosexuellen fürchte, «wie muss es denn gleichgeschlechtlichen Paaren gehen, die sich im Tram tatsächlich küssen?», fragt sich Barth. Erst im September wurden Barth und Anyway für ihr Engagement mit dem Chancengleichheitspreis der Basler und Baselbieter Regierung belohnt. «Menschen, die sich nicht der heterosexuellen Mehrheit oder den Kategorien weiblich/männlich zugehörig fühlen, sind nach wie vor oft mit Diskriminierungen konfrontiert», heisst es in der Begründung der Abteilung für Gleichstellung von Frauen und Männern Basel-Stadt. Leila Straumann, Leiterin der Abteilung, bedauert darum den Entscheid der BLT. «Das zeigt, wie wichtig die Arbeit von Anyway immer noch ist.»

Dafür freut sich Straumann über die Reaktion des zweiten Verkehrsunternehmen in der Region: Die BVB, die Basler Verkehrsbetriebe, haben die Kampagne anstandslos akzeptiert. Man habe sich auch Gedanken gemacht, heisst es auf Anfrage, «aber als offenes und tolerantes Unternehmen haben wir uns für die Bilder entschieden», teilt eine Sprecherin mit. Man habe bereits im vergangenen Jahr an der «Love Life»-Kampagne des Bundes teilgenommen. Die guten Reaktionen auf die durchaus gewagten Motive dieser Kampagne hätten bei der Entscheidung im aktuellen Fall geholfen. So werden die Baslerinnen und Basler in den grünen Trams der BVB ab nächster Woche jene Bilder sehen, die ihnen in den gelben Trams der BLT vorenthalten werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.01.2015, 13:26 Uhr

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