Dieudonnés «umgekehrter Hitlergruss» in Nyon

Der umstrittene französische Komiker trat zum ersten Mal in der Schweiz auf – und provozierte. Auch die Königin von England bekam ihr Fett weg.

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Nach einer langen Kontroverse in Frankreich ist der französische Komiker Dieudonné am Abend in Nyon VD aufgetreten. Bei seinem Auftritt vollführte er eine umstrittene Geste mit seinen Armen, die als Nachahmung des Hitlergrusses angesehen wird.

Bei der sogenannten «quenelle» hält er einen Arm gestreckt nach unten, der andere Arm ist gebeugt und berührt die gegenüberliegende Schulter - und erinnert an einen umgekehrten Hitlergruss. Die Geste wurde auch schon von führenden Mitgliedern des rechtsextremen Front National in Frankreich gezeigt. Dieudonné bezeichnet sie aber als systemkritische Geste.

Das Publikum im voll besetzten Saal applaudierte und lachte bei fast jeder Bemerkung des Komikers. Während der Vorstellung äusserte er sich kritisch gegen den französischen Präsidenten François Hollande und Innenminister Manuel Valls; auch die Medien griff er an. Das Publikum dankte Dieudonné mit einer Standing Ovation für den rund 80-minütigen Auftritt.

Grosses Medieninteresse

Dieudonné wurde in Frankreich wegen Antisemitismus mit einem Auftrittsverbot belegt. Der französisch-kamerunische Komiker Dieudonné M'bala M'bala wich deshalb ins Ausland aus und ist noch bis Mittwoch sowie Anfang März insgesamt zehnmal in Nyon zu sehen, jeweils zweimal pro Abend. Sämtliche Vorstellungen sind seit Wochen ausverkauft.

Der erste Auftritt in der Schweiz hatte grosses Medieninteresse geweckt. Die Genfer Koordinationsstelle gegen Antisemitismus und Diffamierung (CICAD) stellte einen Stand vor dem Theater in Nyon auf, um gegen die «Verharmlosung des antisemitischen Diskurses» zu kämpfen. Auch die Polizei war vor Ort, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur sda beobachtete.

Stadtregierung warnt

Die Stadtregierug von Nyon hatte Mitte Januar bekanntgegeben, die Aufführungen nicht zu verbieten. Sie begründete dies damit, dass das Bundesgericht habe das Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit den Aufführungsverboten vorgezogen habe.

Trotz der Bewilligung heisse die Stadt jedoch Provokationen oder verbale Entgleisungen des Komikers nicht gut. Sie verurteile klar sämtliche rassistischen oder antisemitischen Äusserungen.

Falls es zu unerlaubten Äusserungen im Sinne der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung kommen, würden diese bestraft. Die Aufführungen werden aufgenommen. Die Polizei will die Veranstaltung ebenfalls vor Ort verfolgen, machte aber keine Angaben zum Einsatz.

Neues Programm

Diese Auftrittsverbote in Frankreich waren vom obersten Verwaltungsgericht bestätigt worden. Darauf schrieb Dieudonné innert kürzester Zeit das neue Programm «Asu Zoa». Das bedeutet in der in Kamerun gesprochenen Sprache Ewondo «Das Gesicht des Elefanten».

Britische Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass Dieudonné auch in Grossbritannien auftreten und eine Medienkonferenz zur Unterstützung des umstrittenen französischen Fussballstars Nicolas Anelka geben wolle. Das Innenministerium in London verweigerte daraufhin dem umstrittenen Komiker die Einreise.

Eine Sprecherin des Innenministeriums in London bestätigte den Entscheid. Zur Begründung hiess es, Einreiseverbote gegen Individuen würden verhängt, wenn es Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Ordnung oder der öffentlichen Sicherheit gebe.

Dieudonné ging bei seinem Auftritt in Nyon auf diesen Entscheid ein. Er richtete sich an alle, «die sich mit Dieudonné anlegen», unter ihnen «die Königin von England». (ajk/sda)

Erstellt: 03.02.2014, 22:46 Uhr

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