Du sollst nicht fliegen!

Die Rechnung des «Tages-Anzeigers» zum CO2-Ausstoss führt in die exakt berechnete Irre.

Einmal fliegen – und alle guten Bemühungen zum Schutz des Klimas sind zunichte. Foto: Keystone

Einmal fliegen – und alle guten Bemühungen zum Schutz des Klimas sind zunichte. Foto: Keystone

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Besten Dank fürs Nachrechnen. Endlich überprüfbare Zahlen statt prophetische Sprüche. Jetzt wissen wirs genauer: Zürich–New York retour im Jet gleich 2,6 Tonnen CO2 oder 13'000 Kilometer Autofahren. Das ist die quantitative Rechnung, die qualitative ist damit allerdings noch nicht gemacht. Schlimmer noch: Mit dem Vorrechnen des Aufwands verdrängt man die Wirkung. Der weltumspannende Irrsinn wird in erträgliche Portionen zerlegt. Die Zahlen sehen aus wie berechnete Unschuld. Sie sind aber Abwehrzauber. So ist es, sagen sie ganz neutral, wir nicken betroffen und amüsieren uns an einem Beispiel: 11'880-mal Liftfahren auf den Eiffelturm. Dann aber wollen wir weitermachen wie bisher. Folgen darf das Nachrechnen keine haben.

Bleiben wir sachlich, mahnen uns die Zusammenzähler. Doch wer heute nach Zahlen fragt, will die Gretchenfrage verdrängen: Heinrich, wie hast dus mit dem Lebensstil? Die 270'000 Passagiere in Zürich-Kloten beantworten sie an einem Wochenende. Wenn auch nur für 5 Prozent der Menschheit, ist das Fliegen doch ein Menschenrecht. Egal, was es an Erdvernichtung kostet. Die wird nicht einmal bestritten, sie ist wurst. Selbstverständlich sind alle für die Rettung des Erdballs.

Es geht um unseren Lebensstil

Den Tatbeweis treten wir auch gerne an: Wir retten durch Lustfliegen. Tauchferien auf den Seychellen und Shoppingausflüge nach London, ein Wochenende in Marrakesch das haben wir zugut und lassen uns auch von den Zahlen nicht davon abbringen. 270'000-mal an einem Wochenende, um doch noch eine verlässliche Zahl zu nennen. Es geht nicht um Tonnen und Kilometer, es geht um unseren Lebensstil, der sie verursacht. Doch der ist tabu. Der Flugverkehr alleine macht das ganze 2000-Watt-Ziel der Stadt Zürich illusorisch.

Wem es ernst ist mit der Erdrettung, beginnt mit ihrem ersten Gebot: Du sollst nicht fliegen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 17:57 Uhr

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