E-Bikes nur noch mit Motorradausweis

Das Bundesamt für Strassen will Elektrovelos, die auch über 45 km/h noch selber Tempo machen, künftig als Motorräder einstufen. Damit reagiert es auf die Unfallgefahr der boomenden Zweiräder.

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Der Elektrovelo-Markt entwickelt sich rasant. Zum einen hat sich der Absatz dieser Fahrräder seit 2005 Jahr für Jahr praktisch verdoppelt (siehe Grafik links). Zum anderen legen die E-Bikes auch bezüglich Tempo laufend zu. Waren die ersten Modelle noch mehr oder weniger normale Velos mit leichter Unterstützung durch einen Akku, gibt die Industrie inzwischen kräftig Schub. Anbieter wie Thömus oder E-Movement verkaufen heute E-Bikes, mit denen auch untrainierte Fahrer mühelos Tempi von 50 km/h und mehr erreichen können. Und mit dem «Black Trail» von PG-Bikes soll demnächst ein Vehikel auf den Markt kommen, das bis zu 100 km/h erreicht.

Sicherheitsexperten verfolgen diese Entwicklung mit Sorge. Nun reagiert auch der Bund. Gemäss TA-Recherchen wird das Bundesamt für Strassen (Astra) noch diesen Frühling eine Verordnungsänderung in die Vernehmlassung schicken, die den Absatz der schnellsten EBikes dämpfen soll. Der Weg: Die stärksten Modelle sollen künftig nur noch als Kleinmotorräder zugelassen werden.

Töff-Prüfung gefragt

Damit verfeinert der Bund das heutige Zulassungssystem, das zwei Typen von E-Bikes unterscheidet: ¬ Zum einen die sogenannten LeichtMotorfahrräder, bei denen der Motor ab Tempo 25 seine Unterstützung einstellt. Sie sind betreffend Zulassung und Vorschriften weitgehend den Velos gleichgestellt. ¬ Zum anderen die schnelleren und stärkeren E-Bikes mit Hilfsantrieb bis Tempo 45 und darüber. Sie gelten als Mofas mit erleichterter Zulassung, was bedeutet, dass sie mit gelbem Kontrollschild auszustatten sind und ihre Benützer die Töffli-Prüfung vorweisen müssen. Dieser Kategorie will der Bund nun engere Schranken setzen. «Die Tretunterstützung bei Elektro-Motorfahrrädern soll auf 45 km/h begrenzt werden», heisst es in einem Diskussionspapier, welches das Astra kürzlich der Branche vorgestellt hat und das dem TA vorliegt. E-Bikes mit stärkerem Antrieb wären konsequenterweise nur noch als Kleinmotorräder zugelassen, mit entsprechenden Folgen für die Besitzer: Sie bräuchten statt der Töffli- eine Töff-Prüfung und müssten weg von den Radwegen auf die Strasse.

Gleiche Wirkung wie ein Verbot

Mit diesen Plänen folgt das Astra den Warnungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu). Sie klagt angesichts der hohen Tempi und der damit einhergehenden Unfallgefahr schon seit Längerem, die heutigen Regeln für schnelle E-Bikes seien zu lasch. Die Bfu regte an, Vehikel mit Tretunterstützung über 45 km/h zu verbieten. So weit will das Astra nun aber nicht gehen. Deren Höherklassierung als Motorrad dürfte letztlich jedoch zum selben Resultat führen. Die Astra-Fachleute signalisierten bei den ersten Konsultationen: Man gehe davon aus, dass die schnellsten Bikes mit den neuen Regeln vom Markt verschwinden werden.

Die Branche scheint bereit, dies hinzunehmen. Velosuisse, der Verband der Fahrradlieferanten, hat am geplanten Regelwerk nicht viel zu beanstanden. «Es gab in letzter Zeit Hersteller, die übertrieben», sagt Kurt Schär, Chef des E-Bike-Pioniers Flyer. Auch für Pro Velo, den Interessenverband der Velofahrer, gehen die Vorschläge in die richtige Richtung. Dort wünscht man sich freilich, dass im Gegenzug die Vorschriften für leichte E-Bikes gelockert werden. Die Folge wäre, dass die motorisierten Bikes auch dort fahren dürften, wo heute nur Velos und Fussgänger zugelassen sind.

Diese Idee wird auch im Diskussionspapier des Astra vorgeschlagen, sie stösst bei der Fussgänger-Lobby aber auf Ablehnung. «Wir wollen nicht, dass Motorfahrzeuge auch auf Gehflächen zugelassen werden», sagt Thomas Schweizer vom Verband Fussverkehr Schweiz. Aus Sicht der Fussgänger sei dies zu gefährlich. Fussverkehr Schweiz fordert, die Zulassung und Kontrolle der leichten E-Bikes sei eher zu verschärfen statt zu lockern.

Frage der Helmpflicht bleibt offen

Welche Regelung in dieser Frage getroffen wird, ist ein politischer Entscheid. Genauso verhält es sich auch mit der umstrittenen Helmpflicht für E-Biker. Das Astra wäre zwar bereit, eine solche Helmpflicht zumindest für E-Bikes mit Antrieb über 25 km/h einzuführen. Es will mit einem Vorschlag dazu aber warten, bis das Parlament die hängigen Vorstösse behandelt hat.

Erstellt: 02.02.2011, 10:18 Uhr

(Bild: BfU)

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